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Das Universum, das Ich und der liebe Gott

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Re: Das Universum, das Ich und der liebe Gott

Beitragvon theologe am Do 16. Mär 2017, 00:52

Philipp Wehrli hat geschrieben:
theologe hat geschrieben:Eine Funktion eines Schöpfergottes ist es, die unendliche Regression im Denken zu stoppen (durch eine einfache Antwort). Um gegen diese Einfachkeit anzukommen, müsste die mathematische Erklärung mehr aufweisen als Eleganz.

Der Schöpfergott ist die komplexeste denkbare Theorie und zwar in einem mathematisch klar definierten Sinn: Der Schöpfergott kann die Welt so gestalten wie er will. Er kann also aus unendlich vielen möglichen Welten eine auslesen. Dazu muss er nach Informationstheorie unendlich komplex sein. Auch Gläubige erklären: "Gott übersteigt all unser Vorstellungsvermögen bei weitem." - Wie kannst du da sagen, er sei eine einfache Erklärung?

Eine Erklärung nicht, aber eine Antwort. Ich meinte mit "Funktion" eine psychologische Funktion und keine mathematische. Viele Gläubige geben sich ja damit zufrieden, dass sie "Gott" als (letzte) Antwort haben, ohne "Gott" noch näher (mathematisch) zu definieren.
theologe
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Re: Das Universum, das Ich und der liebe Gott

Beitragvon Philipp Wehrli am Do 16. Mär 2017, 10:20

@ Theologe: Möglicherweise habe ich deine Bemerkung immer noch nicht verstanden. Aber du schreibst richtig, dass viele Gläubige nicht klar definieren, was sie mit 'Gott' meinen. Das scheint mir aber nicht das Hauptproblem. Die meisten Gläubigen haben eine Vorstellung, in welchen Bereichen Gott eine Erklärung sein könnte. Dazu gehören etwa:
- als Schöpfer des Universums,
- als Schöpfer der ersten Lebewesen,
- als Schöpfer jedes einzelnen Lebewesens,
- als Schöpfer der Arten,
- als Schöpfer der Seelen,
- als moralische Instanz, oberster Richter und Rächer,
- als das absolut Gute, als überwältigendes Gefühl der Liebe
- als Begleiter und Beschützer des auserwählten Volkes Israel und des Christentums,
...?
Auch wenn diese Aspekte nur sehr vage formuliert sind, beinhalten doch die meisten von ihnen Aussagen, die sich mit naturwissenschaftlichen Mitteln überprüfen lassen. Dies führt dann zu Büchern von Physikern oder Biologen, die nachweisen, dass es für die Schöpfung des Universums, des Lebens und der Arten keinen Designer braucht. Gläubige finden aber sehr leicht einen Aspekt, für den nicht ausgeschlossen werden kann, dass da ein Gott dahinter steckt.
Wenn man aber nicht ein einzelnes Gebiet der Naturwissenschaften betrachtet, wie Hawking, Krauss oder Dawkins dies tun, sondern das Gesamtbild anschaut, bemerkt man noch etwas ganz anderes: Selbst wenn ein Gott in einigen der obigen Bereiche eine Rolle spielen sollte, passen diese 'Götter' überhaupt nicht zusammen! Ein Gott, der die Lebewesen geschaffen haben könnte hat nichts mit dem absolut Guten zu tun und auch nicht mit dem Gott, der allenfalls das Universum geschaffen haben könnte oder der die Autoren der Bibel inspiriert haben könnte. Das sind völlig verschiedene Kategorien! Es ist, als würden wir an verschiedenen Puzzles arbeiten und keines von ihnen ist fertig. Bei jedem einzelnen kannst du sagen: "Da ist noch ein Loch. Da könnte Gott sein." Aber es ist völlig absurd zu sagen, die verschiedenen Puzzles gehören zusammen. Denn ein Puzzle ist ein flaches Bild, ein anderes besteht aus dreidimensionalen Klötzen und ein drittes aus Satzfragmenten. Auch wenn wir bei weitem nicht alles verstehen ist doch offensichtlich: Die Erklärungen der einzelnen Gebiete haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun.
Ein Beispiel:
Angenommen, Jesus ist Gottes Sohn und will den Menschen helfen, gesund zu werden und richtig zu leben. Ausserdem ist Gott der Schöpfer der Lebewesen.
Frage: Weshalb erzählt Jesus nichts von Bakterien und Viren?
Statt einzelne, auserwählte Aussätzige zu heilen, hätte er doch besser erklärt, wie Aussatz sich ausbreitet! Er tat ja sogar das Gegenteil: Er schaffte verschiedene Reinheitsvorschriften der Juden ab, was dazu führte, dass in christlichen Quartieren während Jahrhunderten mehr Menschen an Seuchen starben als in jüdischen. Erst 1800 Jahre später zeigte Florence Nightingale, wie man es machen musste: Mit wenigen einfachen Hygienemassnahmen rettete sie tausendmal mehr Menschen das Leben, als Christus nach den Schilderungen der Bibel es getan hat.
Philipp Wehrli
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