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Mythos religiöse Gewalt?

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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon idefix2 am Di 21. Mär 2017, 16:27

Verstehst du den Unterschied wirklich nicht?

Stalin wollte vielleicht (laut eigener Behauptung) "die Welt" beglücken, in dem er seine Gegner vernichtete. Er hat aber nie behauptet, dass er seine Gegner, die er vernichtet hat, "beglücken" wollte.

Im Gegensatz dazu hat die RKK sehr wohl behauptet, dass die Verfolgung von Ketzern in deren eigenem Interesse geschehe, weil sie nur dadurch die Chance auf "ewiges Seelenheil" bekommen würden. Ohne die Verfolgung durch die Kirche (die ihnen die Chance zu Umdenken und Reue, sogar noch am Scheiterhaufen) geben würde, würden sie mit Sicherheit in der Hölle landen. Eine derart perfide Umdeutung eines Verfolgungsakts zu einer "Wohltat" muss einem erst einfallen.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Hamburger02 am Di 21. Mär 2017, 16:32

idefix2 hat geschrieben:Verstehst du den Unterschied wirklich nicht?

Doch, da gibt es in der Argumentation feine Unterschiede, aber spielen die eine Rolle, vor allem für die Opfer von Gewalt? Bloß weil ein paar Pfaffen behaupten, für das Opfer sei es eine Wohltat, getötet zu werden, müssen die Opfer oder ich das nicht genauso sehen. Da gehts ja anschließend nur noch um Rechtfertigung aber nicht um die eigentliche Ursache der Gewalt. Und die sehe ich nach wie vor im Absolutheitsanspruch.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Godzilla am Di 21. Mär 2017, 16:51

Spielt es für das Opfer eine Rolle ob es via Guillotine geköpft oder von einem Laster überfahren wird?

Es entsteht bei den Idioten ein zusätzliches Motiv, da sie sich einbilden etwas gutes zu tun.
Bei anderen Ideologien sind Tote vielleicht "traurige Kollateralschäden" oder "irrelevant", bei religiöser Gewalt kann dies sogar als "geheiligte Wohltat" angesehen werden.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Hamburger02 am Di 21. Mär 2017, 18:31

Wobei es letztlich von der Gewalt aus gesehen auch kein wichtiger Unterschied ist, ob der Täter dem Opfer oder seiner Ideologie und dessen Führer etwas Gutes tun will. In beiden Fällen lässt sich "Gutes" nur und ausschließlich aus dem Absolutheitsanspruch herleiten.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Godzilla am Di 21. Mär 2017, 19:09

:roll:
Werter Hamburger2, das Thema ist, dass es besonders leicht ist Motive und Ansporn für Gewalt um religiösen Nährboden zu finden. Es geht auch anders, aber nicht so einfach...
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Noumenon am Di 21. Mär 2017, 19:47

Es ist auch besonders leicht, mit einem Messer einen Menschen Schaden zuzufügen... das macht das Messer aber nicht per se zu etwas Schlechtem...
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Godzilla am Di 21. Mär 2017, 19:52

Hat das Messer die Tat angestiftet?
Zuletzt geändert von nautilus am Di 21. Mär 2017, 22:23, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat des darüberstehenden Beitrags entfernt
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir!“ [Lukas 19:27]
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Noumenon am Di 21. Mär 2017, 19:54

Ist Religion eine Person? Hat Religion irgendetwas angestiftet?
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Godzilla am Di 21. Mär 2017, 20:08

Noumenon hat geschrieben:Ist Religion eine Person? Hat Religion irgendetwas angestiftet?

Ist das Messer eine Person? Fragen über Fragen :evil:
Doch, durch die Religion, in Form ihrer Inhalte wird Gewalt angestiftet.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon idefix2 am Di 21. Mär 2017, 20:15

Hamburger02 hat geschrieben:Wobei es letztlich von der Gewalt aus gesehen auch kein wichtiger Unterschied ist, ob der Täter dem Opfer oder seiner Ideologie und dessen Führer etwas Gutes tun will. In beiden Fällen lässt sich "Gutes" nur und ausschließlich aus dem Absolutheitsanspruch herleiten.

Für den Menschen, der die Gewalt ausübt, macht es einen sehr großen Unterschied, ob er diese Gewalt entgegen seiner angeborenen Empathie ausübt, oder ob er über einen hinterhältigen Trick seine Gewaltausübung in eine gute Tat im Interesse des Opfers umfunktionieren kann.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Noumenon am Di 21. Mär 2017, 20:21

Godzilla hat geschrieben:
Noumenon hat geschrieben:Ist Religion eine Person? Hat Religion irgendetwas angestiftet?

Ist das Messer eine Person? Fragen über Fragen :evil:
Doch, durch die Religion, in Form ihrer Inhalte wird Gewalt angestiftet.

Und das ist eine völlig andere Ebene, nämlich die inhaltliche. Bspw. auch der Inhalt von Büchern kann sch***e sein. Aber deshalb sind es Bücher (im Allgemeinen) noch lange nicht.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Hamburger02 am Di 21. Mär 2017, 21:20

Godzilla hat geschrieben::roll:
Werter Hamburger2, das Thema ist, dass es besonders leicht ist Motive und Ansporn für Gewalt um religiösen Nährboden zu finden. Es geht auch anders, aber nicht so einfach...

Das wage ich zu bezweifeln, wenn ich betrachte, wie leicht die Deutschen durch die Nazis zu hemmungsloser Gewalt aufgestachelt werden konnten. Und auch da war der Ausgangspunkt der Absolutheitsanspruch die Wahrheit zu kennen, die darin bestand, dass die arische Rasse allen anderen Rassen überlegen sei.
Ich lasse mich auch nicht auf religiöse Gewalt einschränken, denn die Trennlinie zwischen unterschiedlichen Ausprägungen eines totalitären Anspruches sind fließend. So kann man z.B. bei Erdogan immer schwieriger unterscheiden, ob er eher von faschistischen oder islamistischen Ideen angetrieben wird und was als Werkzeug wofür dient. Klar ist aber, dass auch er die Wahrheit gepachtet hat und alle die nicht für ihn sind, zu Feinden der einzig wahren Türkei erklärt werden.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Hamburger02 am Di 21. Mär 2017, 21:27

idefix2 hat geschrieben:Für den Menschen, der die Gewalt ausübt, macht es einen sehr großen Unterschied, ob er diese Gewalt entgegen seiner angeborenen Empathie ausübt, oder ob er über einen hinterhältigen Trick seine Gewaltausübung in eine gute Tat im Interesse des Opfers umfunktionieren kann.

Das verstehe ich jetzt nicht. Was ist "entgegen seiner angeborenen Empathie"?
Und eine Selbstrechtfertigung zu finden ist wohl für Mörder jeglicher Couleur sowieso kein großes Problem.

Wobei mir letztlich völlig egal ist, wie der Täter mit seiner Tat umgeht und ob er danach ein gutes oder schlechtes Gewissen hat. Mir geht es um die Gewalt an sich, deren Opfer und insbesondere deren Ursachen und Mechanismen. Und wie schon gesagt, bei den Ursachen sehe ich keine großen Unterschiede zwischen sagen wir mal zugespitzt, Islamisten und Nazis, das ist für mich dieselbe Mischpoke mit den selben Denkstrukturen.

Im Gegensatz dazu sehe ich z.B. keine Bedrohung durch die deutschen Protestanten. Das ist auch eine Religion, aber eine ohne Alleinvertretungsanspruch.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon Godzilla am Di 21. Mär 2017, 22:02

Noumenon hat geschrieben:
Godzilla hat geschrieben:
Noumenon hat geschrieben:Ist Religion eine Person? Hat Religion irgendetwas angestiftet?

Ist das Messer eine Person? Fragen über Fragen :evil:
Doch, durch die Religion, in Form ihrer Inhalte wird Gewalt angestiftet.

Und das ist eine völlig andere Ebene, nämlich die inhaltliche. Bspw. auch der Inhalt von Büchern kann sch***e sein. Aber deshalb sind es Bücher (im Allgemeinen) noch lange nicht.

Äquivalent zum Buch als Gegenstand bleibt Religion nur ein Begriff, ähnlich wie "qwertztrewq", dem kann keine Bedeutung beigemessen werden. Aber hier geht es um den Inhalt der Religionen, nicht darüber ob bedeutungsfreie Worthüllen für Gewalt stehen, denn das können sie nicht.
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Re: Mythos religiöse Gewalt?

Beitragvon idefix2 am Di 21. Mär 2017, 23:42

Hamburger02 hat geschrieben:Das verstehe ich jetzt nicht. Was ist "entgegen seiner angeborenen Empathie"?
Und eine Selbstrechtfertigung zu finden ist wohl für Mörder jeglicher Couleur sowieso kein großes Problem.

Es geht nicht um die kleine Minderheit empathieloser Verbrecher, die natürlich auch in jeder Gesellschaft zu finden sind. Die haben sicher nie ein Problem, eine "Rechtfertigung" für ihre Verbrechen zu finden. Es geht um die große Mehrheit der Menschen, die sehr wohl eine Schmerzgrenze haben, jenseits derer sie für "unmenschliche" Gewalt nicht zu haben sind. Ich habe schon in einem früheren Beitrag darauf hingewiesen, dass die Nazi-Führung darauf achten musste, die Dimension dessen, was in den Vernichtungslagern gelaufen ist, vor der normalen Bevölkerung geheim zu halten. Aber mit Hilfe eines allmächtigen unsichtbaren Freunds lässt sich diese Schwelle sehr leicht nach unten schieben.

Hamburger02 hat geschrieben:Wobei mir letztlich völlig egal ist, wie der Täter mit seiner Tat umgeht und ob er danach ein gutes oder schlechtes Gewissen hat.

Es ist aber nicht egal, wie leicht oder wie schwer es ist, die große Mehrheit der normalen Bevölkerung, die nicht speziell verbrecherisch veranlagt ist, dazu zu bringen, Gewalttaten gutzuheißen. Und dabei ist eben Religion besonders hilfreich. Was natürlich nicht heißt, dass ohne Religion gar nichts gehen würde.
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