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Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Nasobēm am Mo 17. Jul 2017, 11:25

ice hat geschrieben:Welche ‚physische Veränderung‘ findet statt (außer im Gehirn), ...

na ja, nicht ausser im Gehirn, sondern genau da, bzw. in den genetischen Bedingungen die dem Gehirn zu Grunde liegen.

ice hat geschrieben:Warum soll das Leben als Skeptiker nicht einfach sein?

Eine komplizierte Frage. 'Im Prinzip' sind so gut wie alle Menschen 'skeptisch' - auch Gläubige, zu denen ich jetzt mal alle Menschen zähle die an irgendwas übernatürliches oder ohne irgendwelche Belege 'glauben (da fallen mir z.B. Impfgegner oder Leute ein die Viren bezweifeln). 'Skeptisch sein' begrenzt sich also nicht nur auf das bezweifeln von einem Gott. Viele Leute bezweifeln alle Neuerungen, alles was ihrem Weltbild entgegensteht - und zwar auch (und das ist wichtig), wenn es sehr gute Argumente gegen ihre Sicht gibt.

Die Frage ist also: was unterscheidet solche 'Skeptiker' von denen die du meinst? Imo ist der größte Unterschied, dass ein Skeptiker auch immer bereit sein muss, seine eigenen Überzeugungen anzweifeln. Das hatten wir ja schon. Diese Fähigkeit allein ist wahrscheinlich auch noch nicht genug. Es muss auch noch ein die Bereitschaft vorhanden sein, gegen bestehenden Konsens zu argumentieren, es muss die Bereitschaft vorhanden sein sich auf den Weg der Belegsuche zu begeben - das kann langwierig sein und man weiß nie wo man da ankommt, man muss bereit sein sich aus einer 'Gemeinschaft' evt. ausschließen zu lassen.
Um ein Beispiel zu nennen: Alle Berichte von Menschen die eine Sekte verlassen lauten ähnlich - auch wenn ein Teil froh ist strengen Verhaltensnormen entronnen zu sein empfinden alle auch den Verlust von Sicherheit, Geborgenheit und Nähe. Außerdem wird das eigene Selbstbild nun mal schwer in Frage gestellt, wenn sich ein so radikaler Wandel im Denken vollzieht. Das überhaupt zu können, besonders ohne Hilfe, da bin ich mir sicher, ist nicht erlernbar. Es wird einfacher, je weniger groß die Rolle die Rolle des Glaubensgebäudes ist.

ice hat geschrieben:
Nasobēm hat geschrieben:Und wie sollte sich so eine Mutation dann in einer Population anreichern?

Durch Kommunikation? ...Skeptiker sind ja keine ‚Mutanten‘...

Kommunikation ist - befürchte ich - keine Lösung. Das gehört alles zur sehr dünnen Schicht die wir 'Zivilisation' nennen und die innerhalb der kürzesten Zeit verschwindet, wenn sich die Umstände andern. Klar - es würde weiter kommuniziert, aber die Inhalte sind in keiner Weise festgelegt.
Schaut man sich die Entwicklungen des Internets an - auch Technologiegegner gebrauchen das Medium fleissig um ihre kruden Ansichten zu verbreiten - und da ist die Tendenz steigend - siehe 'Fakenews' und Verschwörungstheorien.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Föderation am Mo 17. Jul 2017, 15:19

Skepsis hat einen Wert, wenn ihr das wissenschaftliche Erkenntnisprinzip zugrunde liegt.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Nasobēm am Mo 17. Jul 2017, 15:33

Und sonst nicht?
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Föderation am Mo 17. Jul 2017, 15:58

Das frage ich mich auch.

Mit „wissenschaftlicher Methodik“ meine ich nicht, dass man dazu ein Labor benötigt oder erst einmal sämtliche wissenschaftliche Literatur studiert, sondern ich meine Grundprinzipien, nach denen jeder 6-Jährige schon vorgehen kann. Dass man z. B. möglichst unvoreingenommen am Ergebnis interessiert ist, dass man die eigene Ansicht mit rationalen Argumenten hinterfragt, dass man überprüfbare Antworten sucht, dass man nicht einfach so irgendein Dogma als gegeben schluckt.

Wir hatten irgendwo im Forum einen Profiagnostiker, dessen Namen nicht genannt werden soll (der, dessen Namen nicht genannt werden darf :twisted: ), der in Relativierung des Atheismus meinte, es könne sich „ebensogut im nächsten Moment der Himmel auftun und Gott hervorblicken.“ Ich finde aber keinen Anlass in der Realität, eine solche „Theorie“ aufzustellen. Auch wenn man grundsätzlich alles anzweifeln kann, soetwas als gleichwertig aufzustellen - also im Grunde jede Spinnerei als gleichwertig hinzustellen: Aus meiner Sicht hat man sich dann ein einzelnes Prinzip aus dem Katalog wissenschaftlicher Methodiken herausgegriffen und dieses eine Prinzip überreizt und auf diesem Wege sämtliche Erkenntnisse entwertet. Anders ausgedrückt: Auf dem Wege komme ich zu keinem sinnvollen Weltbild.

Methodisches Phantasieren ist nicht ansich wissenschaftskompatibel: Eine Hypothese muss schon geeignet sein, ein Problem zu lösen oder eine Frage zu beantworten, die sich aus der Realität ergibt, wie wir sie vorfinden und sie muss möglichst eng an dieser Problemlösung sein. Das gebietet auch das Prinzip wissenschaftlicher Eleganz.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon ice am Mo 17. Jul 2017, 18:08

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:Welche ‚physische Veränderung‘ findet statt (außer im Gehirn), ...

na ja, nicht ausser im Gehirn, sondern genau da, bzw. in den genetischen Bedingungen die dem Gehirn zu Grunde liegen.

Jeder einzelne kommt ja mit einer genetischen Disposition zur Welt, d.h. er hat genetisch ein gewisses Potential an Denkleistung, das er ausschöpfen kann oder nicht. Die (vor allem philosophischen) Denkinhalte kommen erst später im Rahmen der Erziehung, der Sozialisation in einer bestimmten Kultur und dem intellektuellen Input, den man sich im Laufe seines Lebens aneignet durch Lesen, Kommunizieren usw. Soweit sind wir uns wahrscheinlich einig.

Wenn man jetzt sein Weltbild formt, hinterfragt oder ändert, dann spielt die Genetik m.E. keine Rolle mehr - es geht ja nur mehr um Denkinhalte, um Verschaltungen im Gehirn, um Muster. D.h. wenn du von ‚genetischen Bedingungen‘ schreibst, die dem Gehirn zu Grunde liegen, dann ist es nur das Potential, die Fähigkeit zu denken, aber nicht der symbolische Denkinhalt. Und der kann sich relativ rasch (in wenigen Monaten oder Jahren), tiefgründig und fundamental ändern.

Vielleicht können sich heute auch innerhalb nur weniger Generationen die Denkinhalte von relativ vielen Individuen in einer dynamischen komplexen Gesellschaft so ändern, dass es zu radikalen/fundamentalen Änderungen des Weltbildes kommt - nur so eine optimistische Vermutung. Was früher Jahrhunderte gedauert hat, geht heute in wenigen Jahrzehnten. Welcher Opa versteht heute schon, wie sein Enkel ‚tickt‘? Das war in früherer Zeit sicher einfacher, als sich die Lebensbedingungen (Lebensumwelt) nicht so rasch geändert haben wie heute.

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:Warum soll das Leben als Skeptiker nicht einfach sein?

Eine komplizierte Frage. 'Im Prinzip' sind so gut wie alle Menschen 'skeptisch' - auch Gläubige…

Ja, da stimme ich dir zu.

Nasobēm hat geschrieben:Die Frage ist also: was unterscheidet solche 'Skeptiker' von denen die du meinst? Imo ist der größte Unterschied, dass ein Skeptiker auch immer bereit sein muss, seine eigenen Überzeugungen anzweifeln. Das hatten wir ja schon. Diese Fähigkeit allein ist wahrscheinlich auch noch nicht genug. Es muss auch noch ein die Bereitschaft vorhanden sein, gegen bestehenden Konsens zu argumentieren, es muss die Bereitschaft vorhanden sein sich auf den Weg der Belegsuche zu begeben - das kann langwierig sein und man weiß nie wo man da ankommt, man muss bereit sein sich aus einer 'Gemeinschaft' evt. ausschließen zu lassen.

Ich sehe das nicht so dramatisch. ‚Gemeinschaft‘ können auch Freunde und Familie sein - es muss keine große gesellschaftliche Gruppe sein. Familie ist für viele eine stabile Gemeinschaft, die ein Leben lang anhält, Freunde findet man (immer wieder) unter Gleichgesinnten.

Nasobēm hat geschrieben:Um ein Beispiel zu nennen: Alle Berichte von Menschen die eine Sekte verlassen lauten ähnlich - auch wenn ein Teil froh ist strengen Verhaltensnormen entronnen zu sein empfinden alle auch den Verlust von Sicherheit, Geborgenheit und Nähe.

Wie gesagt, ‚Sicherheit, Geborgenheit und Nähe‘ findet man auch in sehr kleinen Gemeinschaften wie in der Familie oder bei seinen Freunden. Die Verhaltensnormen in diesen kleinen Gruppen sind meist flexibel. Natürlich kann man sich manchmal von seiner Familie, seinem Partner/seiner Partnerin oder von seinen Freunden entfremden. Zugegeben, das kommt schon vor. Aber solche Umbrüche verkraften die meisten nach einer gewissen Zeit.

Nasobēm hat geschrieben:Außerdem wird das eigene Selbstbild nun mal schwer in Frage gestellt, wenn sich ein so radikaler Wandel im Denken vollzieht. Das überhaupt zu können, besonders ohne Hilfe, da bin ich mir sicher, ist nicht erlernbar.

Da magst du Recht haben - und trotzdem passiert es - warum auch immer.

Nasobēm hat geschrieben:Es wird einfacher, je weniger groß die Rolle des Glaubensgebäudes ist.

Ja.

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:
Nasobēm hat geschrieben:Und wie sollte sich so eine Mutation dann in einer Population anreichern?

Durch Kommunikation? ...Skeptiker sind ja keine ‚Mutanten‘...

Kommunikation ist - befürchte ich - keine Lösung. Das gehört alles zur sehr dünnen Schicht die wir 'Zivilisation' nennen und die innerhalb der kürzesten Zeit verschwindet, wenn sich die Umstände andern. Klar - es würde weiter kommuniziert, aber die Inhalte sind in keiner Weise festgelegt.

Ja, wie ich oben schon ausgeführt habe, geht es in der Zivilisation immer um Inhalte - und die sind nicht in Stein gemeisselt und auch nicht genetisch fix gespeichert, sondern verändern sich dynamisch in kürzester Zeit - in Evolutionsmaßstäben gerechnet sind das ‚Wimpernschläge‘.

Zivilisatorische Veränderungen passieren/funktionieren m.E. nur mit Kommunikation - auch wenn diese sehr dünne Schicht jederzeit verschwinden kann - das ist mir völlig bewusst.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Nasobēm am Mi 19. Jul 2017, 10:39

ice hat geschrieben:...Wenn man jetzt sein Weltbild formt, hinterfragt oder ändert, dann spielt die Genetik m.E. keine Rolle mehr - ..., dann ist es nur das Potential, ...

zum einen darf man das Potential nicht unterschätzen :wink: zum andern gehört ja auch dazu ob man in der Lage ist sein Weltbild zu hinterfragen - und da spielt die Genetik ziemlich wahrscheinlich sehr wohl eine Rolle. Besonders, ob das jemand ohne Anleitung kann.
Vielleicht ist das am Beispiel eines Geduldsspiels zu erklären: jeder kann wahrscheinlich nach Anleitung die Lösung eines Geduldspiels erlernen. Es gibt aber auch Leute die finden das alleine heraus. Um das zu können bedarf es vieler Eigenschaften die eben zum Teil angeboren sind: Neugier, Geduld, Ausdauer, Frustrationstoleranz, ... alle diese Eigenschaften können in mit der Erziehung sicher gefördert werden, aber eben immer nur bis zu einem bestimmten Punkt. Und während sich bei manchen ohne Förderung z.B.eben keine Neugier entwickelt wird sich bei anderen sogar der Versuch die aufkommende Neugier zu unterdrücken fehl schlagen

ice hat geschrieben:Vielleicht können sich heute auch innerhalb nur weniger Generationen die Denkinhalte von relativ vielen Individuen in einer dynamischen komplexen Gesellschaft so ändern, dass es zu radikalen/fundamentalen Änderungen des Weltbildes kommt

Fände ich ja schön. Leider sehe ich nicht wie das passieren sollte. Denn auch hier wäre ja ein gewisser Druck nötig. Zumal wir inzwischen in einer hochkomplexen Welt leben in der Aktion/Reaktion kaum noch sichtbar verbunden sind. So kaufen wir z.B. hier Waren deren Produktion in den Produktionsländern ökologische Katastrophen verursachen oder wir prangern China an, dass ihr CO2-Ausstoss so groß ist, haben aber im Prinzip einen Großteil unserer Warenproduktion dorthin verlagert.

Ich befürchte, dass ein Umdenken nur mit einem immensen Druck stattfinden kann. Dieser Druck wird zwar kommen, aber ob die Zeit dann noch ausreicht und die 'Denk-Veränderungen' in Richtung weniger magisches Denken gehen...?
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Rowan am Mi 19. Jul 2017, 12:18

Ich befürchte, dass ein Umdenken nur mit einem immensen Druck stattfinden kann. Dieser Druck wird zwar kommen, aber ob die Zeit dann noch ausreicht und die 'Denk-Veränderungen' in Richtung weniger magisches Denken gehen...?


Nasobem, warum befürchten Sie das?
Wenn wir dieses Umdenken (von wo nach wo?) begrüßen, sollten wir dann nicht auch diesen "Druck" begrüßen, wo immer dieser "Druck" auch herkommt?

Wir leben in einem Zeitalter der Information. Wohl noch nie zuvor standen der Menschheit soviel Info-Quellen zur Verfügung.

Die Zahl derer die auf Religion verzichten wird von Tag zu Tag grösser und damit das Bedürfnis für viele, auch für mich, sich diese Schöpfung, als Sinn des Lebens, in ihrer gesetzmäßigen Vollkommenheit zu erschließen.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon ice am Do 20. Jul 2017, 08:36

Nasobēm hat geschrieben:… Neugier, Geduld, Ausdauer, Frustrationstoleranz, ...

Vielleicht gehst du da zu sehr von dir selbst aus. Als Wissenschaftler braucht man diese Eigenschaften unbestritten, aber um zu einem naturalistischen/atheistischen Weltbild zu gelangen braucht man neben einem gewissen Maß an Interesse vor allem eine Portion Abklärung, Coolness und Gelassenheit. Erst wenn man eben nicht mehr zu sehr neugierig und nicht mehr ‚auf der Suche‘ ist, kann sich m.E. vielleicht eine abgeklärte (philosophische) Weltsicht einstellen, bei der man nicht mehr an das ‚Wahre, Gute und Schöne’ in der Welt und auch nicht an ‚Magisches‘, ‚Übernatürliches’ oder an ‚Wunder‘ glaubt, sondern die Dinge so nimmt, wie sie eben sind.

Ich will damit sagen, fast alle Wissenschaftler sind Naturalisten/Atheisten, aber nur sehr wenige Naturalisten/Atheisten sind Wissenschaftler.

Nasobēm hat geschrieben:Und während sich bei manchen ohne Förderung z.B.eben keine Neugier entwickelt wird sich bei anderen sogar der Versuch die aufkommende Neugier zu unterdrücken fehl schlagen

Ja, Förderung/Erziehung ist zwar wichtig, aber Neugier/Interesse zu gewissen Themen/Fragen ist in der Tat nur schwer zu vermitteln.

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:Vielleicht können sich heute auch innerhalb nur weniger Generationen die Denkinhalte von relativ vielen Individuen in einer dynamischen komplexen Gesellschaft so ändern, dass es zu radikalen/fundamentalen Änderungen des Weltbildes kommt
Fände ich ja schön. Leider sehe ich nicht wie das passieren sollte. Denn auch hier wäre ja ein gewisser Druck nötig.

Ich befürchte, dass ein Umdenken nur mit einem immensen Druck stattfinden kann. Dieser Druck wird zwar kommen, aber ob die Zeit dann noch ausreicht und die 'Denk-Veränderungen' in Richtung weniger magisches Denken gehen...?

‚Immenser Druck‘ ist nicht unbedingt notwendig. Vielleicht ist es ja gerade umgekehrt. Ich denke, je weniger Druck/Stress in einer Gesellschaft vorhanden ist, desto eher kann sich philosophische Muße einstellen, um zu bestimmten Einsichten/Erkenntnissen zu gelangen, die sich dann so verfestigen, dass sie auch bei Druck/Stress abrufbar/wirksam sind.

Rowan hat geschrieben:Die Zahl derer die auf Religion verzichten wird von Tag zu Tag grösser und damit das Bedürfnis für viele, auch für mich, sich diese Schöpfung, als Sinn des Lebens, in ihrer gesetzmäßigen Vollkommenheit zu erschließen.

Die ‚gesetzmäßige Vollkommenheit‘ des (uns bekannten) Universums sehe ich ja gerade noch ein, aber es gibt keine ‚Schöpfung‘, sondern ‚nur‘ eine (sehr lange) Entwicklung/Evolution hin zu unglaublicher Komplexität, die - so fürchte ich - für uns keinen erfassbaren Sinn hat.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Rowan am Do 20. Jul 2017, 15:51

Nasobem, einiges von dem was Sie schrieben macht Sinn, einiges für mich nicht und einiges widerspricht sich aus meinem Verständnis.
Vielleicht gehst du da zu sehr von dir selbst aus.


Von wem denn sonst? :roll:

Als Wissenschaftler braucht man diese Eigenschaften unbestritten, aber um zu einem naturalistischen/atheistischen Weltbild zu gelangen braucht man neben einem gewissen Maß an Interesse vor allem eine Portion Abklärung,


Das sehe ich im wesentlichen auch so, aber was bitte schön, ist ein atheistisches Weltbild und wozu soll dieses gut sein ? :? Ich kenne zwar Menschen die in ihrer religiösen Beschränktheit (nicht böse gemeint, sondern als Momentaufnahme) ein christliches-, islamisches-, hinduistisches-, buddhistisches-, atheistisches- oder was auch immer- Weltbild haben, aber ich frug mich, was ist das reale Weltbild? Und diese reale, tatsächliche Welt, so meine Erkenntnis, ist kein Bildnis, sondern religionsfrei, vollkommen und wunderbar. :idea:

Erst wenn man eben nicht mehr zu sehr neugierig und nicht mehr ‚auf der Suche‘ ist, kann sich m.E. vielleicht eine abgeklärte (philosophische) Weltsicht einstellen bei der man nicht mehr an das ‚Wahre, Gute und Schöne’ in der Welt und auch nicht an ‚Magisches‘, ‚Übernatürliches’ oder an ‚Wunder‘ glaubt, sondern die Dinge so nimmt, wie sie eben sind.


Da bin ich zu anderer Erkenntnis gekommen. Wie soll ich finden, wenn ich nicht suche?
Wer hat die Welt positiv verändert, die Neugierigen oder die Trägen, Satten und geistig Toten?

Die Dinge so zu nehmen wie sie sind, bedeutet Stillstand und geistiger Tod.

Magisches, Übernatürliches und Wunder haben eine gemeinsame Erklärung: Fehlende Kenntnis dieser Schöpfung in ihrer Gesetzmäßigkeit!
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Rowan am Do 20. Jul 2017, 16:12

Die ‚gesetzmäßige Vollkommenheit‘ des (uns bekannten) Universums sehe ich ja gerade noch ein, aber es gibt keine ‚Schöpfung‘, sondern ‚nur‘ eine (sehr lange) Entwicklung/Evolution hin zu unglaublicher Komplexität, die - so fürchte ich - für uns keinen erfassbaren Sinn hat.


Ice, ich weis nicht wem Sie mit uns meinen?

Wie haben Sie herausgefunden, das die in Gang gesetzte Evolution (von wem?), hin zu ihrer unglaublichen (!) Entwicklung, keinen erfassbaren Sinn hat? Heißt das, Sie haben diesen Sinn (noch) nicht erfasst?

Meine Erkenntnis: Diese vollkommene Schöpfung richtet sich in ihrer Evolution, die ja noch lange nicht zu Ende ist , nicht danach, "Was ich gerade noch einsehe" :roll: .
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon ice am Do 20. Jul 2017, 17:14

Rowan hat geschrieben:Nasobem, einiges von dem was Sie schrieben macht Sinn, einiges nicht und einiges widerspricht sich aus meinem Verständnis.

Ich weiß jetzt nicht genau, an wem du dich wendest, aber alle deine Zitate stammen von mir - deshalb antworte ich dir (vielleicht ist es besser, bei einem Zitat den Zitierenden auch hinzuschreiben - dann können keine Missverständnisse aufkommen :wink:)

Rowan hat geschrieben:was bitte schön, ist ein atheistisches Weltbild und wozu soll dieses gut sein ? :?

Ist die Frage jetzt ernst gemeint? Du befindest dich in einem atheistischen Forum - lies einfach mal eine Zeit lang mit oder ältere Diskussionen, dann hast du deine Antwort.

Kurz gesagt: für mich ist ein atheistisches Weltbild eines, wo man basierend auf (natur-)wissenschaftlichen Erkenntnissen ohne magisches und übernatürliches (‚Gott’) Denken auskommt.

Rowan hat geschrieben:Wie soll ich finden, wenn ich nicht suche?

Was suchst du denn konkret?

Rowan hat geschrieben:Wer hat die Welt positiv verändert, die Neugierigen oder die Trägen, Satten und geistig Toten?

Da hast du sicher teilweise recht, aber es ist nur sehr wenigen beschieden, wirklich bahnbrechend Neues in Wissenschaft/Technik zu entdecken bzw. eine ganze Gesellschaft positiv zu verändern. Was sollen denn all die anderen ‚Normalbürger‘ machen?

Rowan hat geschrieben:Die Dinge so zu nehmen wie sie sind, bedeutet Stillstand und geistiger Tod.

Kennst du nicht den Zustand, mit hellem/wachem Bewusstsein zu existieren und einfach wahrzunehmen/zu beobachten? Das hat sicher nichts mit ‚Stillstand und geistigem Tod‘ zu tun.

Rowan hat geschrieben:Magisches, Übernatürliches und Wunder haben eine gemeinsame Erklärung: Fehlende Kenntnis dieser Schöpfung in ihrer Gesetzmäßigkeit!

Wie gesagt, es gibt für mich keine ‚Schöpfung‘, sondern nur (wissenschaftlich zugängliche und formulierbare) Gesetzmäßigkeiten.

Rowan hat geschrieben:
Die ‚gesetzmäßige Vollkommenheit‘ des (uns bekannten) Universums sehe ich ja gerade noch ein, aber es gibt keine ‚Schöpfung‘, sondern ‚nur‘ eine (sehr lange) Entwicklung/Evolution hin zu unglaublicher Komplexität, die - so fürchte ich - für uns keinen erfassbaren Sinn hat.

Ice, ich weis nicht wem Sie mit uns meinen?

In diesem Zusammenhang meine ich mit ‚uns‘ alle Menschen, die sich für die Frage interessieren, wie all die Komplexität, die offensichtlich beobachtbar ist, entstanden ist.

Rowan hat geschrieben:Wie haben Sie herausgefunden, das die in Gang gesetzte Evolution (von wem?), hin zu ihrer unglaublichen (!) Entwicklung, keinen erfassbaren Sinn hat? Heißt das, Sie haben diesen Sinn (noch) nicht erfasst?

Ja, kann sein -
die Frage ‚von wem?‘ stellt sich mir gar nicht.

Rowan hat geschrieben:Meine Erkenntnis: Diese vollkommene Schöpfung richtet sich in ihrer Evolution, die ja noch lange nicht zu Ende ist , nicht danach, "Was ich gerade noch einsehe" :roll: .

Na ja, jeder hat seine eigene Lebensphilosophie - das respektiere ich.
Ich brauche jedenfalls für mein persönliches Lebensglück keinen tieferen Sinn der Evolution und auch keinen ‚Schöpfer‘ oder irgendeine ‚Schöpfungsgeschichte’. Die (für interessierte Laien aufbereiteten) Erkenntnisse aus Kosmologie, Physik, Chemie, Biochemie und Biologie reichen mir.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Nasobēm am Do 20. Jul 2017, 19:05

ice hat geschrieben:
Rowan hat geschrieben:Nasobem, einiges von dem was Sie schrieben macht Sinn, einiges nicht und einiges widerspricht sich aus meinem Verständnis.

Ich weiß jetzt nicht genau, an wem du dich wendest, ...

er/sie wendet sich gar nicht. Wischiwaschi-Geschwätz, nicht konkret und darum ohne Substanz.

ice hat geschrieben:für mich ist ein atheistisches Weltbild ...

es ist schwierig aus einer Negation ein Weltbild zu konstruieren.
"basierend auf (natur-)wissenschaftlichen Erkenntnissen ohne magisches und übernatürliches (‚Gott’) Denken auskommt." Das ist ja im Prinzip ein naturalistisches Weltbild - eine Welt in der es "mit rechten Dingen zugeht" - und in der man lieber Unsicherheiten und unbeantwortete Fragen aushält als mit Pseudoantworten vorlieb nimmt.


ice hat geschrieben:
Rowan hat geschrieben:Die Dinge so zu nehmen wie sie sind, bedeutet Stillstand und geistiger Tod.

... Das hat sicher nichts mit ‚Stillstand und geistigem Tod‘ zu tun.

"Die Dinge so zu nehmen wie sie sind" wird nun mal oft als Resignation missverstanden" - wobei ich denke, du hast damit gemeint, bei der 'Realität' zu bleiben und sich keinen übernatürlichen Pseudoerklärungen hinzugeben.

ice hat geschrieben:Wie gesagt, es gibt für mich keine ‚Schöpfung‘, ...

Zumal diese angebliche 'Schöpfung' ja ebenso Wischiwaschie bleibt wie bei anderen Gläubigen auch.

ice hat geschrieben:
Rowan hat geschrieben:Wie haben Sie herausgefunden, das die in Gang gesetzte Evolution (von wem?), hin zu ihrer unglaublichen (!) Entwicklung, keinen erfassbaren Sinn hat? Heißt das, Sie haben diesen Sinn (noch) nicht erfasst?

...diese Frage stellt mir gar nicht.

Ja, warum sollte sich diese Frage auch stellen? Zumal nicht derjenige die Erklärungschuld hat der etwas gar nicht behauptet, sondern der, der eine Behauptung aufstellt. Und wer glaubt, die Evolution müsste 'von jemandem' in Gang gesetzt sein gibt ein gutes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt. Wird dann auch noch hinterfotzig gefragt, ob jemand 'den Sinn (noch) nicht erfasst hätte, dann nenne ich das unredlichen Stil

ice hat geschrieben:... keinen tieferen Sinn der Evolution ...

Richtig. Zumal auch wieder hier gilt: Wer den Sinn postuliert soll doch dann auch bitte mal liefern und gleich auch mal ein paar Beispiele bringen was das für ein Sinn sein soll.
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon ice am Do 20. Jul 2017, 20:22

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:… atheistisches Weltbild ...

es ist schwierig aus einer Negation ein Weltbild zu konstruieren.
"basierend auf (natur-)wissenschaftlichen Erkenntnissen ohne magisches und übernatürliches (‚Gott’) Denken auskommt." Das ist ja im Prinzip ein naturalistisches Weltbild - eine Welt in der es "mit rechten Dingen zugeht" - und in der man lieber Unsicherheiten und unbeantwortete Fragen aushält als mit Pseudoantworten vorlieb nimmt.

“Die Dinge so zu nehmen wie sie sind" wird nun mal oft als Resignation missverstanden" - wobei ich denke, du hast damit gemeint, bei der 'Realität' zu bleiben und sich keinen übernatürlichen Pseudoerklärungen hinzugeben.

Ja richtig, das habe ich gemeint - und habe es sogar in diesem Thread weiter oben schon einmal ähnlich formuliert.

Nasobēm hat geschrieben:
ice hat geschrieben:... keinen tieferen Sinn der Evolution ...

Richtig. Zumal auch wieder hier gilt: Wer den Sinn postuliert soll doch dann auch bitte mal liefern und gleich auch mal ein paar Beispiele bringen was das für ein Sinn sein soll.

Auf diesen Sinn und die Beispiele bin ich auch schon neugierig :wink:
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon Rowan am Fr 21. Jul 2017, 09:16



Rowan hat geschrieben:
Wie haben Sie herausgefunden, das die in Gang gesetzte Evolution (von wem?), hin zu ihrer unglaublichen (!) Entwicklung, keinen erfassbaren Sinn hat? Heißt das, Sie haben diesen Sinn (noch) nicht erfasst?

Ice: Ja, kann sein -
die Frage ‚von wem?‘ stellt sich mir gar nicht.




Das erklärt natürlich einiges!! :wink:
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Re: Religion als ‚magische Phase‘ der Menschheit?

Beitragvon ice am Fr 21. Jul 2017, 10:02

Ja? Und was erklärt das?
Stellst du dir wirklich die Frage, ‚von WEM‘ die Evolution in Gang gesetzt wurde?
Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber glaubst du an eine (übernatürliche/magische/unsichtbare) ‚Person‘? Beschreib einmal, wie du dir das konkret vorstellst. Mit vagen Andeutungen kann ich leider nichts anfangen.

Wenn es um ‚das WIE‘ der Evolution geht, gibt es Unmengen an guter Literatur mit ganz konkreten (populär-) wissenschaftlichen Erklärungen/Hinweisen/Erkenntnissen/Beispielen. Wenn du eine spezielle Frage dazu hast, kann dir Nasobēm als Biologe weiterhelfen - na ja, wenn er will.
Zuletzt geändert von Frnk am Fr 21. Jul 2017, 15:54, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Vollzitat des direkt darüber stehenden Beitrgs entfernt (s. Boardregel 3d)
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