Sowas hab ich schon lange nicht mehr geschrieben, hat echt Spaß gemacht. Viel Spaß beim lesen Pit.
Zunächst beschränke ich mich bei der Kritik auf „Der Fundamentalsatz“, da dieser das Kernstück der Arumentation des Autors ausmacht und diese, wie der Autor in den Vorbemerkungen schreibt, ihm das Bedeutsamste ist. Zitat: „Die Richtigkeit der (christlichen) Religion ist allein abhängig von der Richtigkeit des Fundamentalsatzes, nicht von der Richtigkeit der Basisdaten.“1
1. Lk 24,34: Der Fundamentalsatz
Im ersten Abschnitt von „Der Fundamentalsatz“ versucht der Autor anhand von Zitaten aus der Bibel darzulegen, dass„ohne die Auferstehung des Herrn Predigt, Glaube, Sündenvergebung, ewiges Leben und alle Hoffnung darauf sinnlos wären.“ Demgegenüber muss zunächst erwähnt werden, dass auch innerhalb der christichen Theologie dies umstritten ist. Desweiteren ist für jemanden, für den die Bibel nicht bereits Autorität hat, dies ohne Belang.
Auch ist die historische Genauigkeit der Bibel mehr als zweifelhaft, aber dies werde ich, obwohl es nicht unwessentlich gegen die nächsten Abschnitte spricht, nicht mehr extra erwähnen.
2. Irrige Auffassungen
Hier meint der Autor zunächst, es gebe Hypothesen, die „versuchen den Fundamentalsatz als falsch zu erweisen“, worauf er dem Leser fünf dieser Hypothesen vorstellt. Das Problem ist hier, drei der fünf Hypothesen widersprechen nicht allen christlichen Lehre, bei einer von ihnen nennt der Autor sogar als Urheber „kritische Theologen“.2 Zudem sind die drei Hypothesen keine Abestreitung der Auferstehung, sondern widersprechen nur der wörtlichen, wie der Autor schreibt „tatsächlichen“ Auferstehung. Es sind andere Interpretationen. „Ohne die Auferstehung Jesu wäre keine Urgemeinde entstanden.“ Auch dies ist zweifelhaft, da es viele andere Möglichkeiten gebe, weshalb sich eine „Urgemeinde“ gebildet haben könnte. Auf die Plausibilität der einzelnen Hypothesen werde ich nicht eingehen, da der Autor diese im nächsten Abschnitt für unwichtig erklärt.
3. Begründung des Fundamentalsatzes
„Wie alle Urteile entweder wahr oder falsch sind, so ist auch der Fundamentalsatz entweder wahr oder falsch. Ist er wahr, ist die christliche Religion richtig, ist er falsch, ist auch die christliche Religion falsch.“ Wie bereits erwähnt wird dies von vielen Theologen bezweifelt. Desweiteren wird gesagt, die Auferstehung könne weder durch Naturwissenschaft noch durch Geisteswissenschaft bewiesen werden, sondern sie könne „also nur geglaubt werden.“ Das mag richtig sein, aber der Autor behauptet weiter: „Die Tatsächlichkeit der Auferstehung Jesu wird festgemacht am glaubwürdigen Zeugnis der Urgemeinde, d.h. an der geschichtlich leicht nachprüfbaren Tatsache, dass die Urgemeinde die Auferstehung Jesu bezeugt hat.“ Hier widerspricht der Autor sich selbst, da er, entgegen seiner vorigen Aussage, Gründe für seine Interpretation der Auferstehung anführt. Vorher schreibt er noch: „Der Inhalt von Glaubensaussagen kann, wie gesagt, nicht bewiesen werden, wohl aber die Vernünftigkeit, den Inhalt der Aussagen zu glauben und darauf sein Leben zu bauen. Beim Nachweis bzw. bei einer Begründung der Vernünftigkeit des Glaubens kann man nicht beliebig oft einen Glaubensinhalt an einen anderen aufhängen. Letztlich muss der Glaube an etwas, das nicht selber wieder geglaubt, sondern gewusst wird, festgemacht werden.“ Hier verneinte der Autor eindeutig die Gründe, sondern lenkte die Aufmerksamkeit auf „die Vernünftigkeit, den Inhalt der Aussagen zu glauben und darauf sein Leben zu bauen.“ Doch worin könnte diese Vernünftigkeit bestehen, wenn nicht darin eine Glaubensaussage als wahr anzunehemen, weil man mit ihr glücklicher währe als ohne sie? Ich möchte damit den Autor keinesfalls beleidigen, mir scheint dies nur naheliegend, da der Verfasser im selben Abschnitt von „nur geglaubt werden“ zu Belege für den Glauben übergeht, ohne dies zu begründen. Mir liegt dieser Gedanke auch aufgrund des vorletzten Absatzes des Abschnittes nahe, in dem der Autor schreibt: „Negativ ausgedrückt:
Da nicht anzunehmen ist, dass die Jünger Jesu und der Christenverfolger Paulus sich eine Lügengeschichte ausgedacht haben, bei dem alle trotz grausamer Folter und Hinrichtung geblieben sind, und da ebenfalls nicht anzunehmen ist, dass die Fischer vom See Genesareth und die übrigen Jünger Jesu einschließlich Paulus ein Verein von Schwachsinnigen waren, ist von der Richtigkeit des Fundamentalsatzes und damit des christlichen Glaubens und der christlichen Religion auszugehen.“ Ja, wenn der Verfasser das als einzige Alternative zu der Wahrheit des Christentums sieht, dann ist es verständlich weshalb er lieber von ihrer Wahrheit ausgeht. Es ist allerdings nicht die einzige Alternative. Und selbst wenn es nur die einzige Alternative währe, wieso würde der Wunsch, es solle nicht so gewesen sein, etwas beweisen? Wenn jemand bereit ist für seinen Glauben zu sterben, zeigt dies nur die Heftigkeit des Glaubens. Märtyrer gibt es in allen Religionen. Zum Schluss weicht er vom Begründungsdenken wieder ab und zitiert „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, also Johannes 20,29.
Abschnitt 4-6
In diesen drei Abschnitten zählt der Autor im wessentlichen christlich/katholische Glaubenssätze auf. Diese werden im Gegensatz zum „Fundamentalsatz“ nicht mehr ausführlich behandelt, oder der Versuch unternommen diese zu begründen. Das mag nicht die Absicht des Autors sein, dennoch ist anzumerken, dass ,auch wenn der „Funamentalsatz“ wahr währe, daraus keinesfalls bestimmte andere Glaubenssätze quasi ex nihilo folgen. Auch diese müssten plausibel dargelegt und begründet werden. Der Autor erwähnt dies nicht einmal.
Abschnitt 7 Anhang
Am Anhang fällt besonders negativ das umstritten Jesuszitat des Historikers Flavius Josephus auf. Laut heutigem Stand der Forschung wird es sich, zumindest in der vom Autor zitierten Form, wahrscheinlich um eine Fälschung handeln. Siehe dazu Wikipdia. Der Autor hätte dem Leser zumindest die Kontroverse um das Zitat erwähnen müssen. Ich hätte es auf seiner Stelle weggelassen.
Anmerkungen:
1. Das Wort in der Klammer, innerhalb des Zitates, wurden von mir zum besseren Verständnis hinzugefügt.
2. Die Anführungszeichen des Autors wurden entfernt, da sie für das Textverständnis ohnehin irrelevant sind.