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von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

Moderatoren: Heraklit, Super-Moderator, Admins

Welche Einstellung hast du zur Präimplantationsdiagnostik (PID)

Finde ich gut, sollte bei gefährdeten Schwangerschaften immer gemacht werden
6
67%
Finde ich ok, soll aber nur gemacht werden, wenn die Eltern es wollen, Kosten sind immer von der Kasse zu übernehmen
1
11%
Ist mir egal, sollen doch machen was sie wollen
0
Keine Stimmen
Eltern sollen es verweigern können, aber dann auch selber zahlen wenn sie ein behindertes Kind bekommen
1
11%
Ich bin generell gegen PID auch behindertes Leben ist wertvoll und bereichert die Gesellschaft, alle Kosten auf jeden Fall von der Kasse
1
11%
 
Abstimmungen insgesamt : 9

Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 13:33

Und hier noch was zur Zuverlässigkeit von PND:

http://www.dr-claudia-schumann.de/typo3/index.php?id=57

Hier schildert eine Frauenärztin zwei Fälle, in denen aufgrund von PND abgetrieben wurde, um hinterher festzsutellen, dass das Kind wohl doch gesund gewesen wäre. In der Haut der betreffenden Mutter möchte ich nicht stecken.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 13:39

Der böse Wolf hat geschrieben:Zwang zur Abtreibung: klares Nein

Ok. Wenn aber für eine Mutter/Eltern von vornherein feststeht, dass sie niemals abtreiben werden, wozu dann PND? Zumal PND sowohl bei der Mutter zu Schädigungen führen kann und der Embryo bei einem "Kunstfehler" ebenfalls verletzt werden kann? Dann bewirkt PND genau das, was sie eigentlich verhindern soll.

Der böse Wolf hat geschrieben:Die 5% würden aber vielleicht anders klingen, wenn man sie in vermeidbare Einzelschicksale "umrechnet".

Gebe von vornherein zu, dass das Argument etwas polemisch ist. Aber wenn du Behinderte, die zur Welt gekommen sind fragen würdest, ob sie es nicht besser gefunden hätten, wenn sie abgetrieben worden wären, behaupte ich, die meisten sagen nein.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon manniro am Do 15. Dez 2016, 14:09

Ich denke das ethische Dilemma wir deutlicher, wenn man das Szenario mal zu Ende denkt.

Nehmen wir an, die Genforschung entdeckt in 50 Jahren, daß sich bestimmte Erbkrankheiten erst in der 7. oder 8. Folgegeneration zeigen werden. Sollen mit dieser Begründung dann auch die dazwischenliegenden Generationen "abgetrieben" werden? Was ist, wenn die Entwicklung über 100 Generationen verfolgt werden kann und plötzlich festgestellt wird, daß die "korrigierten" Gene wesentliches Element eines bislang unverstandenen evolutionären Prozesses waren, in den nun mit unabsehbaren Folgen eingegriffen wurde? In diese Richtung gehen wohl Hamburger02's frühere Überlegungen bezüglich "Eingriffe in die Natur".

Nicht umsonst und auch nicht ganz unberechtigt werden derartige Experimente von bestimmten Gruppierungen als "Gott spielen" metaphorisiert. Darf und soll die Wissenschaft "Gott spielen"? BTW: Was dabei herauskommen kann, selbst wenn es der "echte" Gott versucht, erleben wir alle gerade live mit. :lol: :wink:

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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 14:13

manniro hat geschrieben:In diese Richtung gehen wohl Hamburger02's frühere Überlegungen bezüglich "Eingriffe in die Natur".

Korrekt. Womöglich schaffen wir uns mit der Genmanipulation mehr Probleme, als gelöst werden. Das wäre nicht das erste Mal. Bei der Kerntechnologie ist genau das schon mal passiert.
Zuletzt geändert von Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 14:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon idefix2 am Do 15. Dez 2016, 14:14

Hamburger02 hat geschrieben:Da bin ich mir nicht so sicher, denn zumindest laut Abstimmungsergebnis bin ich der einzige, der die Entscheidung den Eltern überlassen will ohne negative finanzielle Folgen.

Die Entscheidung von Eltern, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, schwer behinderte Kinder zur Welt zu bringen, dieses Risiko zu ignorieren und die negativen Folgen für dieses Kind bewusst in Kauf zu nehmen, sollte in irgend einer Form penalisiert werden. Wenn aber das Malheur passiert und ein mehr oder weniger behindertes Kind auf der Welt ist, dann kann man meines Erachtens das Kind keinesfalls für das Fehlverhalten der Eltern bestrafen.

Hamburger02 hat geschrieben:Wie jeder medizinische Eingriff stellt eine Abtreibung ein Risiko an sich dar. Todesfälle treten auf, allerdings nicht sehr häufig. Häufiger sind andere Komplikationen, die nicht selten zur Unfruchtbarkeit führen.

Das ist als Argument untauglich, wenn man das Risiko nicht konkret beziffert. Jede Schwangerschaft, auch eine, die zu einer ganz normalen Geburt führt, stellt "ein Risiko" dar. Und überhaupt ist das Leben lebensgefährlich...

Hamburger02 hat geschrieben:Eine weitere Nebenwirkung sind psychische Belastungen, unter denen viele Eltern nach einer Abtreibung leiden.

Die sind einer fehlgeleiteten moralischen Indoktrination geschuldet, die auch heute noch zu einem guten Teil auf antiquiertem religiösen Mist basiert - auch manche Atheisten sind noch nicht dazu in der Lage, diesen religiösen Ballast hinter sich zu lassen.

Hamburger02 hat geschrieben:Den Schwangeren wird dieser Anblick erspart, denn das könnten Bilder sein, die sie ihr Leben lang nicht mehr loswerden.

Das Bild eines Säuglings mit Trisomie, der sich ein paar Monate lang durchs Leben quält, bis er endlich durch den Tod von seinen Schmerzen befreit wird, werden Eltern wohl auch ihr Leben lang nicht los.

Hamburger02 hat geschrieben:Außerdem weigert sie sich aus ethischen Gründe, sich zum Herr über Leben und Tod aufzuschwingen.

Das ist an Unreflektiertheit schwer zu überbieten, üble Relikte von religiösem Müll. Es gehört zum Beruf des Arztes, sich zum "Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen". Beispielweise immer, wenn er eine Krankheit heilt, die unbehandelt tödlich enden würde.

Hamburger02 hat geschrieben:Fazit: Mit PND + Abtreibung könnten eh nur etwa 5% aller Behinderungen verhindert werden.

Mit geeigneten statistischen Daten lässt sich jeder Blödsinn untermauern. Es geht nicht um alle Behinderten dieser Welt, sondern um Erbkrankheiten. Wie groß der Anteil von erblich Behinderten unter allen Behinderten ist, ist dabei völlig unerheblich. Dass PND und PID weder gegen Lebensmittelvergiftungen noch gegen Masern helfen, wissen wir auch. Ist auch kein Argument gegen PND und PID.

Hamburger02 hat geschrieben:Doch, diese Szenarien spielen genau dann eine Rolle, wenn die Entscheidung nicht durch die Eltern getroffen wird.

Nein. Es geht nicht darum, Eltern mit physischer Gewalt zu etwas zu zwingen. Das wäre eine Position an einem extremen Ende einer gleitenden Skala, am deren anderen extremen Ende liegt: Die Eltern dürfen machen, was sie wollen, das geht niemand anderen etwas an. Dazwischen liegt eine sehr große Bandbreite.

Hamburger02 hat geschrieben:Und hier noch was zur Zuverlässigkeit von PND:

http://www.dr-claudia-schumann.de/typo3/index.php?id=57

Hier schildert eine Frauenärztin zwei Fälle, in denen aufgrund von PND abgetrieben wurde, um hinterher festzsutellen, dass das Kind wohl doch gesund gewesen wäre. In der Haut der betreffenden Mutter möchte ich nicht stecken.

Ich sehe hier kein Argument. Es geht darum, die Wahrscheinlichkeit von Erbkrankheiten insgesamt zu minimieren. Seltene Fehldiagnosen sind da eingepreist. Das Erzeugen eines neuen Embryos ist zwar etwas Arbeit, macht aber gleichzeitig Spaß. :wink:

Hamburger02 hat geschrieben:Aber wenn du Behinderte, die zur Welt gekommen sind fragen würdest, ob sie es nicht besser gefunden hätten, wenn sie abgetrieben worden wären, behaupte ich, die meisten sagen nein.

Die Argumentation ist nicht korrekt. Wenn du einen Behinderten fragen würdest, ob er lieber ohne Behinderung wäre, dann würde das wohl die Mehrzahl der Behinderten bejahen. Und für jeden Behinderten, der auf die Welt kommt, wird ein nicht Behinderter nicht geboren, der auf die Welt kommen könnte, wenn die Mutter nicht schon statt ihm den Behinderten auf die Welt bringen würde. Was würde ein nicht Behinderter antworten, der gesund auf die Welt gekommen ist, nachdem seine Mutter vorher ein Embryo mit Erbkrankheit abtreiben hat lassen, wenn du ihn fragst, ob er es besser finden würde, wenn statt ihm das behinderte Kind von der Mutter ausgetragen und auf die Welt gebracht worden wäre?
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 14:26

idefix2 hat geschrieben:Die Entscheidung von Eltern, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, schwer behinderte Kinder zur Welt zu bringen, dieses Risiko zu ignorieren und die negativen Folgen für dieses Kind bewusst in Kauf zu nehmen, sollte in irgend einer Form penalisiert werden.

Dass ich PND bei einem bekannten Risiko durchaus für akzeptabel halte, habe ich bereits geschrieben. Die Argumente gehen hier aber über weite Strecken Richtung verpflichtender PND und das ist auch Inhalt des ersten Abstimmungspunktes. Dagegen argumentiere ich und das erst recht, solange die Befürworter keine Lösung für die praktische Umsetzung haben.

Ansonsten hilft auch Strafe nicht. Die einzige Lösung sehe ich darin, die Eltern fachkundig zu beraten, sodass sie letztlich eine Grundlage für eine "vernünftige" Entscheidung finden, mit der sie selber leben können.
Zuletzt geändert von Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 14:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon idefix2 am Do 15. Dez 2016, 14:29

manniro hat geschrieben:Nehmen wir an, die Genforschung entdeckt in 50 Jahren, daß sich bestimmte Erbkrankheiten erst in der 7. oder 8. Folgegeneration zeigen werden. Sollen mit dieser Begründung dann auch die dazwischenliegenden Generationen "abgetrieben" werden?

Im Erdenken absurder Szenarien kann dir so bald keiner das Wasser reichen. Aber ok, warum sollten sie? Ist doch in der 6. Generation immer noch früh genug, sich um Schäden zu kümmern, die sich vor der 7. Generation ohnedies nicht manifestieren werden, oder?

manniro hat geschrieben:Was ist, wenn die Entwicklung über 100 Generationen verfolgt werden kann und plötzlich festgestellt wird, daß die "korrigierten" Gene wesentliches Element eines bislang unverstandenen evolutionären Prozesses waren, in den nun mit unabsehbaren Folgen eingegriffen wurde?

Tja, dann wird die Evolution wohl eine andere Richtung einschlagen müssen. Hoffentlich weint sie deswegen nicht. :shock:
Abgesehen davon betrifft die Frage nicht PID und PND, sondern Genmanipulation an menschlichen Embryos. Die halte ich als solche für problematisch, ganze ohne absurde Szenarien bemühen zu müssen.

Hamburger02 hat geschrieben:Korrekt. Womöglich schaffen wir uns mit der Genmanipulation mehr Probleme, als gelöst werden. Das wäre nicht das erste Mal. Bei der Kerntechnologie ist genau das schon mal passiert.

Ja. Und bei der Entdeckung des Feuers und bei der Erfindung des Rads erst. :roll:

Ansonsten hilft auch Strafe nicht.

Naja, manchmal sind Strafen schon eine ganz wirksame Motivation, wenn sonst nichts hilft.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon manniro am Do 15. Dez 2016, 15:15

idefix2 hat geschrieben:Im Erdenken absurder Szenarien kann dir so bald keiner das Wasser reichen.


Na ja, Einige fallen mir da schon ein. Zum Beispiel der hier, besonders im zweiten Teil:

Wenn du einen Behinderten fragen würdest, ob er lieber ohne Behinderung wäre, dann würde das wohl die Mehrzahl der Behinderten bejahen.

Was würde ein nicht Behinderter antworten, der gesund auf die Welt gekommen ist, nachdem seine Mutter vorher ein Embryo mit Erbkrankheit abtreiben hat lassen, wenn du ihn fragst, ob er es besser finden würde, wenn statt ihm das behinderte Kind von der Mutter ausgetragen und auf die Welt gebracht worden wäre?


Zur ersten Vermutung würde ich zusätzlich fragen: Woher weißt Du das? Bist Du selbst behindert, oder Fürsprecher der Behinderten? Ist das nur die Arroganz eines Nicht-Behinderten? Oder möchtest Du Dir nur anmaßen, diese Entscheidung für die Behinderten zu treffen, wie ja auch für die Risiko-Schwangeren?

idefix2 hat geschrieben:
manniro hat geschrieben:Was ist, wenn die Entwicklung über 100 Generationen verfolgt werden kann und plötzlich festgestellt wird, daß die "korrigierten" Gene wesentliches Element eines bislang unverstandenen evolutionären Prozesses waren, in den nun mit unabsehbaren Folgen eingegriffen wurde?

Tja, dann wird die Evolution wohl eine andere Richtung einschlagen müssen. Hoffentlich weint sie deswegen nicht. :shock:


Ja, muß sie dann wohl. Was aber spricht dann dagegen, in Fragen der Kernergie mit der gleichen Nonchalance zu agieren? Wenn's da ein paar Super-GAU's mit Jahrtausendfolgen gibt, schlagen wir eben "eine andere Richtung" ein. Seltsamerweise leuchtet Dir aber da ein, was Du hier partout nicht verstehen willst. Nämlich bei willkürlichen Eingriffen in nur teilweise verstandene Prozesse mit möglicherweise unumkehrbaren Langzeitfolgen größte Vorsicht walten zu lassen. Und sowas möglichst nicht "dem Markt" zu überlassen.

Das war übrigens der Sinn meiner Bemerkung "Gott spielen" im vorherigen Beitrag, den Du trotz Deiner unbestrittenen Kompetenz in "sinnerfassendem Lesen" wohl leider ausnahmsweise mal nicht erfassen konntest.

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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 15:47

idefix2 hat geschrieben:
Hamburger02 hat geschrieben:Aber wenn du Behinderte, die zur Welt gekommen sind fragen würdest, ob sie es nicht besser gefunden hätten, wenn sie abgetrieben worden wären, behaupte ich, die meisten sagen nein.

Die Argumentation ist nicht korrekt. ...

Korrekt oder nicht korrekt ist Geschmackssache. Ich persönlich möchte jedenfalls nicht auf meine kleine Schwester verzichten, und sie auch nicht auf sich selber, obwohl sie schwerbehindert ist.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon idefix2 am Do 15. Dez 2016, 16:07

manniro hat geschrieben:Na ja, Einige fallen mir da schon ein. Zum Beispiel der hier, besonders im zweiten Teil:

Was ist daran absurd? Eltern, die sich ein Kind wünschen, werden den Wunsch in der Regel nicht aufgeben, wenn ein erster Anlauf zu einem Embryo mit Erbschaden und in der Folge zu einer Abtreibung geführt hat, und wohl in den meisten Fällen einen neuen Anlauf starten.

manniro hat geschrieben:Zur ersten Vermutung würde ich zusätzlich fragen: Woher weißt Du das? Bist Du selbst behindert, oder Fürsprecher der Behinderten? Ist das nur die Arroganz eines Nicht-Behinderten? Oder möchtest Du Dir nur anmaßen, diese Entscheidung für die Behinderten zu treffen, wie ja auch für die Risiko-Schwangeren?

Uii, hab ich da etwas politisch Unkorrektes gesagt, das bei dir so viel fragendes Geblubber auslöst? :mrgreen:
Behinderungen sind für die Betroffenen in der Regel nicht lustig. Sicher werden viele Behinderte versuchen, sich selbst ihre Behinderung kleinzureden, das ist auch völlig legitim. Aber wirklich positiv wird kaum einer seine Behinderung einstufen, und das wohl umso weniger, je ernster sie ist und je mehr sie ihn einschränkt.

manniro hat geschrieben:Ja, muß sie dann wohl. Was aber spricht dann dagegen, in Fragen der Kernergie mit der gleichen Nonchalance zu agieren?

Mein Gott, da salbadert einer von "sinnerfassendem Lesen"...
idefix2 hat geschrieben:Abgesehen davon betrifft die Frage nicht PID und PND, sondern Genmanipulation an menschlichen Embryos. Die halte ich als solche für problematisch, ganze ohne absurde Szenarien bemühen zu müssen.

Abgesehen davon sind die Probleme, die die Kernenergie mit sich bringt, bekannt und rechtfertigen deshalb heute den Ausstieg. Rückblickend auf den damaligen Wissensstand würde ich aber den damaligen Einstieg in die Entwicklung dieser Technologien aus damaliger Sicht nicht als "Fehler" einstufen. Man hatte praktisch unbegrenzte und problemlose Energieerzeugung im Auge, leider wissen wir es heute besser, und sollten deshalb die Entscheidung revidieren. Jede Entscheidung, zum Handeln wie zum Nichthandeln, birgt immer das Risiko einer Fehlentscheidung. Wenn man damit nicht leben kann, sollte man sich zum Sterben hinlegen.

manniro hat geschrieben:Nämlich bei willkürlichen Eingriffen in nur teilweise verstandene Prozesse mit möglicherweise unumkehrbaren Langzeitfolgen größte Vorsicht walten zu lassen.

Blöd nur, dass auch jeder Nichteingriff in nur teilweise verstandene Prozesse möglicherweise unumkehrbare Langzeitfolgen bewirken kann. Wie man's macht, macht man's falsch. :oops:

Hamburger02 hat geschrieben:Korrekt oder nicht korrekt ist Geschmackssache. Ich persönlich möchte jedenfalls nicht auf meine kleine Schwester verzichten, und sie auch nicht auf sich selber, obwohl sie schwerbehindert ist.

Das ist auch Unsinn. Hättest du statt deiner schwer behinderten Schwester ein Geschwisterlein ohne Behinderung , dann würde dir ziemlich sicher nichts fehlen. Um überhaupt eine emotionale Beziehung aufzubauen, muss der Partner dieser Beziehung erst einmal existieren. Und die nicht geborene Schwester ohne Behinderung kannst du so wenig fragen, ob sie gerne auf der Welt wäre, wie du deine behinderte Schwester nicht fragen könntest, wenn es sie nicht geben würde.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon manniro am Do 15. Dez 2016, 16:23

idefix2 hat geschrieben:Uii, hab ich da etwas politisch Unkorrektes gesagt, das bei dir so viel fragendes Geblubber auslöst? :mrgreen: ...Mein Gott, da salbadert einer von "sinnerfassendem Lesen"...


OT: Aus gegebenem Anlaß nur mal eine kurze Nebenfrage: Ist es Dir gänzlich unmöglich, auf andere Meinungen ohne Tourette-Anflüge zu reagieren, oder tritt das nur episodisch auf? Da unterscheiden sich nämlich die Behandlungsansätze. Nur, weil die Empfehlung ärztlicher Behandlung ja auch zu Deinem Standardrepertoire gehört...

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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon idefix2 am Do 15. Dez 2016, 16:48

Naja, wenn du auf meine wohl nicht ganz von der Hand zu weisende Vermutung, dass die Mehrzahl der Behinderten liebend gerne auf ihre Behinderung verzichten würde - weil eine Behinderung eben wirklich BEHINDERT, und behindert WERDEN will in Wirklichkeit niemand - mit einem Schwall von dummen Fragen antwortest, dann ist die Etikettierung "andere Meinung" schon ein krasser Euphemismus.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Hamburger02 am Do 15. Dez 2016, 17:14

Die meisten Behinderten würden auf ihre Behinderung ja gerne verzichten. Aber die alternative Behindert-Nichtbehindert haben und hatten sie nie. Die Alternative wäre immer Behindert-Abgetrieben.

Der Verweis auf ein anderes unbehindertes Kind zieht da auch nicht, weil das wäre ja ein ganz anderes Individuum zu dessen Gunsten man auf das eigene Leben verzichten müsste.

Deine Argumentation ist mir ehrlich gesagt zu zynisch, anmaßend und praxisfern.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon idefix2 am Do 15. Dez 2016, 17:40

Hamburger02 hat geschrieben:Der Verweis auf ein anderes unbehindertes Kind zieht da auch nicht, weil das wäre ja ein ganz anderes Individuum zu dessen Gunsten man auf das eigene Leben verzichten müsste.

Zu dem Zeitpunkt, zu dem ein Embryo abgetrieben wird, existiert das denkende und fühlende Individuum, zu dem es einmal werden kann, noch nicht. Abgetrieben wird nicht der Mensch, der schon auf der Welt ist, sondern ein Zellklumpen, der sich erst zu einem Menschen entwickeln müsste. Die zukünftige Sicht des bereits geborenen Menschen ist zum Zeitpunkt, zu dem über eine Abtreibung entschieden wird, noch nicht existent und daher auch ohne Relevanz, jedenfalls nicht relevanter als die zukünftige Sicht eines anderen Menschen, der sich aus einem noch zu zeugenden, anderen Embryo entwickeln würde.

Wenn im Fall der PND bei einem Embryo mit Erbschäden über eine Abtreibung entschieden wird, fällt die Entscheidung darüber, ob dieses kranke oder ein anderes gesundes Kind zur Welt kommen wird. Weder das gesunde noch das kranke Kind können bei der Entscheidung mitreden, aber bei der Auswahl ist dem gesunden Kind eines Erachtens eindeutig der Vorzug zu geben, auch wenn das zukünftige kranke Kind schon gezeugt ist und das gesunde noch nicht.
Wenn ein Embryo abgetrieben wird, muss niemand "auf das eigene Leben verzichten", weil der "jemand", auf den das zutreffen würde, noch gar nicht existiert. Der Embryo müsste dazu erst zu einer solchen Person heranwachsen.
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Re: von in vitro Fertilisation zu Designer-Babies

Beitragvon Föderation am Do 15. Dez 2016, 17:47

Ich denke, von der Diskussion sollten solche Behinderungen ausgenommen werden, die akzeptabel behoben werden können. Durch größere oder kleiner Operation oder durch einfachere Maßnahmen.

Wobei man ja auch bedenken muss, dass auch die genannten Behandlungen dauerhaft so gut wie entfallen würden, soweit sie erblich bedingt sind und wenn man sie sozusagen ausselektieren würde, also auch in kommenden Generationen - von Mutationen einmal abgesehen. Das ist aber ein Problem ansich, dass wir durch medizinische (humanistische) Maßnahmen mehr oder weniger Vorsätzlich auch Erbrankheiten vermehren - ich sag mal so, die vor 20.000 Jahren vom Wolf gefressen worden wären. Jetzt schreib ich schon selbst wie der Hitler.

Ein praktisches Problem ist ja auch, dass bestimmte Behinderungen erst ab einem bestimmten Entwicklungsstand erkannt werden können. Es geht also zumindest heute im wesentlichen nicht um Zellklumpen, sondern um kleine Wesen, aus denen deutlich ein Mensch erkennbar ist, die nuckeln, Schluckauf haben, treten und boxen. Zu denen von Seiten der werdenden Eltern bereits eine emotionale Bindung aufgebaut wird, nicht weil sie so dumm sind, sondern weil das so angeboren ist. Angenommen, man könnte das bereits beim Zellhaufen testen - ich finde das Thema Selektion bzw. Abtreibung ganz stark vom Entwicklungsstand abhängig. Ich würde trotzdem keinen Blanko-Scheck zur Selktion ausstellen wollen.

Das ganze ist ein bischen paradox, denn allein die Möglichkeit zur Selektion zwingt uns, darüber zu entscheiden. Selbst wenn wir die Selektion also ablehnen, selektieren wir.

Hamburger02 hat geschrieben:… zynisch, anmaßend und praxisfern …

Gute Zusammenfassung. Wollen wir uns der Diskussion verweigern?

Das ist auch immer ein bischen wie Anstiftung, auch wenn man dagegen ist. So wie bei Antikriegsfilmen, in denen dann doch geschossen wird.
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