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Terror und die neuen Herostraten

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Fr 22. Jul 2016, 08:59

Herostratos steckte im Jahr 356 v.Chr. den Tempel der Artemis, eines der sieben Weltwunder, in Brand, nur um berühmt zu werden. Obwohl die Behörden seinen Namen aus allen Akten tilgten, erreichte er sein Ziel: Sein Name wurde unsterblich, er ist bis heute das Synonym für Leute, in der Regel Männer, die Gewalttaten begehen, nur um berühmt zu werden.

Es ist eine Binsenweisheit, dass wir in einer Welt der Medien leben. Neben den „Klassikern“ Macht und Geld zählt heute vor allem Eines: Aufmerksamkeit erregen, wodurch auch immer. Das begünstigt erstens alle, die ohnehein eine histrionische Ader haben, und ist zweitens eine Versuchung an alle Dödel, sich mit irgendeiner Aktion, wie bekloppt und irrsinnig auch immer, die 15 Minuten Ruhm abzuholen, die angeblich jedem zustehen.

Doch manche sind mit diesen 15 Minuten, in denen sie sich etwa bei DSDS zum Deppen machen, nicht zufrieden: Die neuen Herostraten. Wer sind sie?
Punkt eins: Es sind fast immer Männer, genauer: Junge Männer. Noch genauer : frustrierte Junge Männer. Warum?

Männer sind ganz allgemein, ob nun durch Natur oder Kultur, darauf programmiert, „nach Größe zu streben“, wie es der Sozialpsychologe Roy Baumeister ausdrückt („The male striving for greatness“). Und wenn schon nicht „Größe“, dann versuchen die males doch irgendwie, „groß raus zu kommen“, irgendwo und irgendwie ihre Spuren zu hinterlassen, auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Drang kann dann alle möglichen Formen annehmen: Mit aufgemotzten Autos und voll aufgedrehter Soundanlage durch die Innenstadt zu cruisen; sinnlose Rekorde aufzustellen, um ins Guiness-Buch zu kommen'; Extremsport; Karrieregeilheit; Sammelleidenschaft; Graffitis sprayen; bloggen; 1001 Foren vollsülzen usw... Kurz: Wann immer ein Mensch irgendwas mehr oder weniger Dämliches und Sinnloses macht, nur um auf sich aufmerksamm zu machen oder „groß raus zu kommen“, dann kann man getrost darauf wetten, dass es sich um ein männliches Wesen, von 8 bis 80, handelt. (In der Regel jedoch eher von 15 bis 35.)

Meine These ist nun, dass es sich bei den Amokläufern und Terroristen, deretwegen sich seit einiger Zeit abends „die nachfolgenden Sendungen um ca. 15 Mnuten verschieben“, im Wesentlichen um moderne Herostraten handelt. Terror um seiner selbst willen als bombensichere Methode, groß raus zu kommen und seine Spuren im Weltgeschehen zu hinterlassen. Loser wie Harris und Klebold kennen in den USA jedes Kind. Den Namen des Amokfahrers aus Nizza wird man in Frankreich auch so schnell nicht vergessen. „Robert Steinhäuser“ ist bei uns in D jedem informierten Zeitgenossen immer noch ein Begriff.

Deswegen sollte man mE nicht den Fehler machen, und hinter jedem Terrorakt ein ideologisches Motiv suchen. Oft genug ist die Ideologie nicht das Antreibende, das movens, sondern nur die Verpackung, in der uns Gewalt mediengerecht verkauft wird. Denn wären Ideologien das Entscheidende, dass müssten Frauen wie Männer gleichmaßen zu Terroristen werden. So aber sind es fast immer junge männliche Loser, die um sich schlagen, um Protagonisten von BREAKING NEWS zu werden.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Föderation am Fr 22. Jul 2016, 11:54

Der Theorie schließe ich mich sofort an.

Die Eigenschaftszuschreibungen kann man sicherlich noch erweitern - und das wäre insbesondere deshalb interessant, diese Eigenschaften weiter zu untersuchen, weil man dann das Verhalten ggf. auch in gewissen Grenzen verhindern kann.

Vielleicht hat der Umstand, dass dies vor allem junge Menschen sind auch mit Persönlichkeitsfindung zu tun - so böse sich das anhört: Wer bin ich? a) Moslem, also mit Überzeugung b) ein Mann c) ein starker, handelnder Mann d) ein bekannter Mann.

Die Täter scheinen sich selbst anders zu sehen, als der größte Teil der Außenwelt diese sieht. Persönlichkeitsstrukturen bildet ein Mensch innerhalb der Gesellschaft normalerweise durch Abgrenzung zu anderen Menschen und entsprechende Selbsteinordnung. Umfeld ist normalerweise die Familie und der Freundeskreis. Je festere Freunde und je enger der Kontakt und je größer der Freundeskreis, umso besser ist eine gesellschaftliche Selbsteinschätzung möglich. Umgekehrt: Je größer die gesellschaftliche Isolation, umso größer die Gefahr.

Nicht zu vergessen ist wohl auch das Ethische Feedback aus der vertrauten Umgebung: Das gilt für Schwerverbrecher im Allgemeinen und für Attentäter im Besonderen. Spannend finde ich dabei insbesondere auch die Äußerung von Gleichgültigkeit, die im Grunde aussagt, dass überhaupt kein ethisches Problem vorliegt:
Die Eltern, die dem Jungchen sagen: Egal was Du jemals tutst, Du wirst immer unser lieber Junge sein - das sind die ersten, die dem straffälligen Jugendlichen den Anwalt bezahlen und dann fragen: Was haben wir bloß falsch gemacht? Ja, genau das!
Himmler und Hitler, die sich nachweislich Kritik aus dem persönlichen Umfeld energisch verbeten haben.
Die Attentäter auf das World-Trade-Center, die teilweise an der Technischen Universität-Harburg unterwegs waren („Tolerant“ in vielfacher Hinsicht a) Uni b) Hamburg c) Reine Technik-Uni ohne Moralfächer Theologie, Philosophie, Jura, Psychologie, Sozialwissenschaften die im Austausch mehr zu ethischem Feedback neigen als Ingenieruswissenschaften - die TU-Harburg wäre der ideale Ort zur Entwicklung von Kriegswaffen… u. s. w. ).
Zuletzt geändert von Föderation am Fr 22. Jul 2016, 12:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Natas am Fr 22. Jul 2016, 11:56

soynadie hat geschrieben:Doch manche sind mit diesen 15 Minuten, in denen sie sich etwa bei DSDS zum Deppen machen, nicht zufrieden: Die neuen Herostraten. Wer sind sie?
Punkt eins: Es sind fast immer Männer, genauer: Junge Männer. Noch genauer : frustrierte Junge Männer. Warum?

Männer sind ganz allgemein, ob nun durch Natur oder Kultur, darauf programmiert, „nach Größe zu streben“, wie es der Sozialpsychologe Roy Baumeister ausdrückt („The male striving for greatness“). Und wenn schon nicht „Größe“, dann versuchen die males
Nein, ich denke, die females machen das genauso. Erstmal sagt man "attention whoring" und nicht "attention hustlering" und zweitens, Beispiele für aufmerksamkeitssuchende females sind überall! Siehe Miley Cyrus, Lindsay Lohan, oder Britney Spears, oder the Kardashians, oder Courtney Stodden. Natürlich sind die non-violent aber ihre Aufmerksamkeitssuche ist der worst-case.

Sogar der Trend mit den Schulamokläufen wurde gestartet von einer female, nämlich Brenda Ann Spencer, in 1979 mit dem Cleveland Elementary School Shooting. Sie immortalisierte sich mit dem berühmten Slogan "I don't like Mondays." (das war ihre Antwort zu einem Reporter, der bei ihr anrief und sie fragte, warum sie das denn tut), was die inspiration hinter dem Bob Geldof song "I don't like Mondays." war.

Für ein etwas aktuelleres Beispiel, nimm Alyssa Bustamante
Bild
die als sie 15 Jahre alt war die Kehle von einem 9-jährigen Nachbarschaftsmädchen aufschlitzte. Sie schrieb:
Alyssa Bustamante hat geschrieben:I just f***ing killed someone. I strangled them and slit their throat and stabbed them now they're dead. I don't know how to feel atm [at the moment]. It was ahmazing. As soon as you get over the "ohmygawd I can't do this" feeling, it's pretty enjoyable. I'm kinda nervous and shaky though right now. Kay, I gotta go to church now...lol.
Dieses Verbrechen passierte nach einer langen Periode von Aufmerksamkeitssuche, hauptsächlich online, wo sie "Killing people" als eines ihrer hobbies listete.
doch irgendwie, „groß raus zu kommen“, irgendwo und irgendwie ihre Spuren zu hinterlassen, auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Drang kann dann alle möglichen Formen annehmen: Mit aufgemotzten Autos und voll aufgedrehter Soundanlage durch die Innenstadt zu cruisen; sinnlose Rekorde aufzustellen, um ins Guiness-Buch zu kommen'; Extremsport; Karrieregeilheit; Sammelleidenschaft; Graffitis sprayen; bloggen; 1001 Foren vollsülzen
Bist du denn male?
usw... Kurz: Wann immer ein Mensch irgendwas mehr oder weniger Dämliches und Sinnloses macht, nur um auf sich aufmerksamm zu machen oder „groß raus zu kommen“, dann kann man getrost darauf wetten, dass es sich um ein männliches Wesen, von 8 bis 80, handelt. (In der Regel jedoch eher von 15 bis 35.) Meine These ist nun, dass es sich bei den Amokläufern und Terroristen, deretwegen sich seit einiger Zeit abends „die nachfolgenden Sendungen um ca. 15 Mnuten verschieben“, im Wesentlichen um moderne Herostraten handelt. Terror um seiner selbst willen als bombensichere Methode, groß raus zu kommen und seine Spuren im Weltgeschehen zu hinterlassen. Loser wie Harris und Klebold kennen in den USA jedes Kind. Den Namen des Amokfahrers aus Nizza wird man in Frankreich auch so schnell nicht vergessen. „Robert Steinhäuser“ ist bei uns in D jedem informierten Zeitgenossen immer noch ein Begriff.
Das ist deine These. Aber kannst du sie beweisen?
Deswegen sollte man mE nicht den Fehler machen, und hinter jedem Terrorakt ein ideologisches Motiv suchen. Oft genug ist die Ideologie nicht das Antreibende, das movens, sondern nur die Verpackung, in der uns Gewalt mediengerecht verkauft wird. Denn wären Ideologien das Entscheidende, dass müssten Frauen wie Männer gleichmaßen zu Terroristen werden. So aber sind es fast immer junge männliche Loser, die um sich schlagen, um Protagonisten von BREAKING NEWS zu werden.
Nun ist es aber zum Licht gekommen, dass im Background auch eine female bei dem Terrorakt von Nizza partizipiert hat!

Außerdem ist es beim Islam so, dass es sich da um eine Religion handelt, in der das Ideal Bild der females ist, dass sie vollverschleiert im Heim sitzen und nicht versuchen, durch Märtyrakte glorreich ins Paradies zu kommen. Was soll es da für sie auch für eine Belohnung geben? Selbst wenn das Stereotyp stimmt, dass alle females bisexuell sind, weiß ich trotzdem nicht, ob sie mit 72 Jungfrauen wirklich so viel anfangen können. Oder gibt es Jungmänner? Haha. Da rennt doch jede female nur noch mit Schrecken davor zurück? :mrgreen:

Dass sehr viel weniger females als males zu islamischen Terroristen werden, ist also nicht verwunderlich.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon idefix2 am Fr 22. Jul 2016, 12:08

soynadie hat geschrieben:Kurz: Wann immer ein Mensch irgendwas mehr oder weniger Dämliches und Sinnloses macht, nur um auf sich aufmerksamm zu machen oder „groß raus zu kommen“, dann kann man getrost darauf wetten, dass es sich um ein männliches Wesen, von 8 bis 80, handelt. (In der Regel jedoch eher von 15 bis 35.)

Ich würde sagen, dass das eher an einer sehr selektiven Wahrnehmung zm "Zweck" der Bestätigung deiner These liegt. Die Dämlichkeiten, und Sinnlosigkeiten, die Frauen anstellen, um auf sich aufmerksam zu machen, mögen schwerpunktmässig anderer Natur sein als die typischen männlichen "Großtaten", aber es sind deshalb nicht weniger Frauen.

Im Umfeld der Muslimischen Gotteskriegerfinden sich bei uns weniger radikalisierte Frauen als Männer. Ein entscheidender Grund dafür ist: Es gibt hier viel weniger solche Frauen als Männer, weil wesentlich mehr Männer als Frauen sich auf den Weg gemacht haben und noch machen. Daraus folgt, dass sehr viele Männer ohne Partnerin und sogar ohne ernsthafte Chance auf eine Partnerin "übrigbeiben" und allein deshalb anfälliger für Irrsinnsaktionen aller Art werden. Sexuelle Frustration kann sich auf unterschiedlichste Art Bahn brechen. Wo Männer trotz Partnerschaft Terroraktionen gesetzt haben, waren in den meisten Fällen die Partnerinnen zumindest unterstützend dabei, wenn nicht gar, wie letztens bei dem Anschlag auf eine Firmenfeier in den USA, die Triebfeder.

Die ständigen Versuche, den Islam freizusprechen und dazu irgend einen beliebigen Unsinn als Ursache zu präsentieren, sind allein deshalb absurd, weil nahezu alle Terroranschläge, die wir bei uns in letzter Zeit erleben durften, einen Muslimischen Hintergrund haben. Wo bleiben die chinesichen männlichen Selbstmordattentäter, die sich für 10 Mnuten Ruhm und Ehre in die Luft sprengen, wo die japanischen, wo die Indischen, und wo die Zigeuner?
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Föderation am Fr 22. Jul 2016, 12:18

Das ist von mir hier übrigens eher lockeres Geschreibse, ich bin kein Psychologe oder so.
@Natas: Unsere Posts haben sich überschnitten.

Natas hat geschrieben:Dieses Verbrechen passierte nach einer langen Periode von Aufmerksamkeitssuche, hauptsächlich online, wo sie "Killing people" als eines ihrer hobbies listete.

Feedback: Gleichgültigkeit oder Person wirkt „interessant“.

Natas hat geschrieben:Außerdem ist es beim Islam so, dass es sich da um eine Ideologie handelt, in der das Idealbild der females ist, dass sie vollverschleiert im Heim sitzen und nicht versuchen, durch Märtyrakte glorreich ins Paradies zu kommen.

Ja, insofern wird ein festes Rollenverständnis vorgegeben, das ein solches Verhalten nicht erfordert: An den Männern macht sich die Stellung innerhalb der Gesellschaft fest. Ich bin nicht so richtig informiert, aber hat es Amokläufer oder Vergleichbares jemals im Ostblock zur Sowjet-Zeit gegeben? Da gab es doch extrem enge Spielräume für eine Rolle oder Stellung in der Gesellschaft, die jemand einnehmen konnte und musste.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon manniro am Fr 22. Jul 2016, 12:38

Eine Deiner besseren Analysen. :wink:

soynadie hat geschrieben:nd wenn schon nicht „Größe“, dann versuchen die males doch irgendwie, „groß raus zu kommen“, irgendwo und irgendwie ihre Spuren zu hinterlassen, auf sich aufmerksam zu machen....

Meine These ist nun, dass es sich bei den Amokläufern und Terroristen, deretwegen sich seit einiger Zeit abends „die nachfolgenden Sendungen um ca. 15 Mnuten verschieben“, im Wesentlichen um moderne Herostraten handelt.


Wie ich schon in einem anderen Thread schrieb: Neben Grund, Ursache und Anlaß gibt es auf der subjektiven Ebene in der Regel nicht das Motiv für Taten, sondern es handelt sich meist um ein ganzes "Motiv-Bündel", dessen Einzelaspekte wechselweise dominieren, oder auch gleichzeitg als eine Art emotionaler "Getriebenheit" erlebt werden, die sich in Form geistigen Wirrwarrs manifestiert.

Bei dem oben angesprochenen Personenkreis würde ich die Motive eher im defizitären Bereich suchen, als im "positiven" Antrieb, irgendwie "groß rauszukommen". Keinen Status, keine Perspektive, allgemein mißachtete Persönlichkeitsmerkmale und fehlende Möglichkeiten, die peu à peu zur Verzweiflung führende permanent empfundene Bedeutungslosigkeit des eigenen Daseins auf Dauer materiell zu narkotisieren. Das Patentrezept des Postkapitalismus zur Bewältigung von Sinnkrisen.

Hinzu kommt, daß in der juristischen Aufarbeitung solcher Fälle der Täter in die Kategorien juristischer Betrachtung gezwungen wird und nach dieser Prozedur an Motive bei sich glaubt, die er vorher noch nicht einmal gekannt hat. Der "Täter" wird eben von allen Seiten für deren Zwecke instrumentalisiert, selbst die Hexen waren nach passender Behandlung von ihrer Schuld überzeugt und haben bereitwillig über ihre "Motive" Auskunft gegeben.

Und zum "Nachruhm" hat Nietzsche die passende Bemerkung gemacht: "Wer sich nach Ruhm sehnt sollte sich einmal fragen, bei wem er denn berühmt sein möchte" (sinngemäß).

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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Föderation am Fr 22. Jul 2016, 12:42

idefix2 hat geschrieben:Wo bleiben die chinesichen männlichen Selbstmordattentäter, die sich für 10 Mnuten Ruhm und Ehre in die Luft sprengen, wo die japanischen, wo die Indischen, …?

Tja.
Hier die deutschen, die kommen auch ohne Islam aus:
https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Winnenden
https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Winnenden

Übrigens ist Stephen Kings alias Richard Bachmanns Buch „Amok“ in Buchläden seit 2002 so gut wie nicht mehr auffindbar. OK, wars auch vorher nicht, aber immerhin ist es eines der besseren Bücher, die Stephen King geschrieben hat - finde ich.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon idefix2 am Fr 22. Jul 2016, 13:02

Föderation hat geschrieben:Hier die deutschen

Mein Gott, dass alle heiligen Zeiten ein Irrer aufkreuzt, beweist was genau? Willst du das im Ernst den mittlerweile im Monatsrhythmus oder schneller stattfindenden islamistischen Anschägen gegenüberstellen? Davon, dass du ihn doppelt postest, werden es übrigens auch nicht mehr Attentäter.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Jürg Fink am Fr 22. Jul 2016, 16:39

Ein Aspekt ging in der bisherigen Diskussion unter: Islamistische Attentäter (sie sind in der grossen Mehrheit) begehen ihre Schandtaten im Wahn, sie würden a) direkt ins Paradies kommen b) als Märtyrer verehrt werden und c) die Liebesdienste der willig auf sie wartenden Jungfrauen geniessen können. Und es behaupte nun niemand, dass islamistische Mörder dies nur erträumten - sie sind davon überzeugt und glauben wirklich, dass es genau so geschähe.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Föderation am Fr 22. Jul 2016, 17:51

Keine Ahnung, warum der doppelt war, der zweite sollte natürlich auf den Erfurter Amoklauf gehen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Erfurt
Jaaa, schon ewig her, ich weiß.

Die stellen sich alle zunächst einmal irgendetwas vor. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die sogenannten Gläubigen nicht doch insgeheim wissen, dass das alles nur eine leere Vorstellung ist: Mich würde interessieren, ob die Suizidalität in Gesellschaften höher ist, die religiös einem als positiv gedachten Substanzdualismus anhängen aber keine Suizidverpönung mitbringen wie das Christentum. Das scheint ja hinsichtlich der Moslems der Fall zu sein, sofern es in diese Selbstmord-Mörder-Tradition geht. Gibt dazu Parallelen?

idefix2 hat geschrieben:Liebesdienste

Es geht um Sex, nicht um Liebe. Man muss sich das vorstellen wie ein riesiger Puff, nur eben mit unerfahrenen Prostituierten (ein Unsinn mit den Jungfrauen, dieser Fetisch scheint mir nicht ganz normal). Wobei die Prostituierten ja Geld bekommen, die Huris (die heißen tatsächlich so!) im „Paradies“ irgendwie anders gezwungen werden müssen, durch göttliche Hirnmanipulation oder so. Obwohl: Wenn dann 70 Frauen auf einen Mann kommen, müssten sie ja auch von Natur aus total sexhungrig sein - was natürlich ein immenser Kontrast ist zu den verschleierten Mutties und der scheinbar sexfeindlichen islamischen Gesellschaft: Tatsächlich sind die Aufrufe von Pornoseiten aus Afgahnistan und Saudi-Arabien wohl nicht gerade unerheblich. Aber manche mögen eine scheinbar körperfeindliche scheinbar antihedonistische Gesellschaft ja auch bei uns ganz reizvoll zu finden.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon idefix2 am Fr 22. Jul 2016, 19:19

Liebesdienste habe nicht ich geschrieben, sondern Jürg Fink. Aber natürlich geht es in der verqueren Vorstellung dieser Macho-Idioten um "Liebesdienste", oder was sie sich darunter vorstellen. Die 70 Jungfrauen, die sie dort vorgesetzt bekommen, sind ganz bestimmt alle hoffnungslos in sie verknallt. :mrgreen:

Föderation hat geschrieben:Jaaa, schon ewig her, ich weiß.

Eben. Und auf Grund der sehr geringen Häufigkeit völlig irrelevant.

Föderation hat geschrieben:Ich bin mir aber nicht sicher, ob die sogenannten Gläubigen nicht doch insgeheim wissen, dass das alles nur eine leere Vorstellung ist

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das zumindest bei der überwiegenden Mehrheit nicht der Fall ist. Systematische Verblödung wirkt.

Föderation hat geschrieben:ein Unsinn mit den Jungfrauen, dieser Fetisch scheint mir nicht ganz normal

"normal" ist da gar nichts. Aber der "Fetisch" passt zur sonstigen Geisteshaltung. Frauen sind so etwas wie Eigentum der Männer, die darf natürlich vorher mit keinem anderen etwas gehabt haben. Wer es sich leisten kann, kauft ja auch einen Neuwagen, oder? :mrgreen:
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Sa 23. Jul 2016, 06:26

Jemand nennt hier it-girls wie Paris Hilton, Kim Kardashian und Co als Gegenbeispiele. Doch hierbei handelt es sich um
Histrionikerinnen. Es geht ihnen um Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt; sie wollen im Rampenlicht stehen, sonst nichts.
Der Herostrat hingegen strebt nach "Größe", er möchte seine Spuren hinterlassen.

Dem ideologisch motivierten Terrorist geht es in der erster Linie um die Sache, um das Größere, in dessen Dienst er sich stellt. Daher findet man in dieser Gruppe auch viele Frauen, etwa unter den RAF-Terroristen, oder unter den Selbstmordattentätern der Tamilischen Tiger (Liberation Tigers of Tamil Eelam). (Dass es unter islamistischen Terroristen kaum Frauen gibt, liegt auf der Hand, nach allem was man über die Stellung der Frau im Islam weiß.)
Ideologische Terroristen stellen auch sicher, dass alle Welt sehr schnell die Hintergründe einer Tat erfährt, sei es, dass sie währenddessen Parolen rufen, oder Bekennerschreiben dabeihaben (oder diese von Unterstützern kurz nach der Tat verbreiten lassen).

Herostrate hingegen sind fast immer Männer. Es geht ihnen nicht um eine Sache, sondern darum, ihren Namen ins kollektive Gedächtnis einzugraben. Deswegen denke ich: Wenn die Öffentlichkeit noch Tage nach dem Terrorakt noch über die "Motive" rätselt, dann liegt mE der Verdacht, dass wir es mit einem (Möchtegern-)Herostraten zu tun haben, ziemlich nahe.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Sa 23. Jul 2016, 08:29

manniro hat geschrieben:Bei dem oben angesprochenen Personenkreis würde ich die Motive eher im defizitären Bereich suchen, als im "positiven" Antrieb, irgendwie "groß rauszukommen". Keinen Status, keine Perspektive, allgemein mißachtete Persönlichkeitsmerkmale ....


Defizite per se führen zu gar nichts. Wer einfach nur das Gefühl hat, er sei wertlos und das Leben sinn- und hoffnungslos, der wird schlicht depressiv. Punkt.

Um sich Waffen zu besorgen um möglichst viele Menschen umzubringen, dazu braucht es schon einen "positiven" Antrieb. Und da sehe ich prinzipiell 2 Linien: (a) Man ist Moralist und kämpft für eine Sache, wird also zum "Krieger" für diese Sache (= Ideologie, sei es der "Leuchtende Pfad" oder der Dschihadismus), oder (b) man kreist nur um sich selbst, und will die eigene Bedeutungslosigkeit, den eigenen Frust, die eigenen Demütigungen, ob nun real oder imaginiert, ins Gegenteil wenden, durch eine große Tat, die sich den Anderen ins Gehirn brennt. Und für Loser bleibt da nur die rohe Gewalt.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon idefix2 am Sa 23. Jul 2016, 10:22

soynadie hat geschrieben: (b) man kreist nur um sich selbst, und will die eigene Bedeutungslosigkeit, den eigenen Frust, die eigenen Demütigungen, ob nun real oder imaginiert, ins Gegenteil wenden, durch eine große Tat, die sich den Anderen ins Gehirn brennt. Und für Loser bleibt da nur die rohe Gewalt.

Zu der Variante gehört nur eine winzige Minderheit, und wenn sie nach ihrer Tat lebend gefasst werden, landen sie praktisch sicher in der geschlossenen Psychiatrie.

Um dem "positiven Antrieb" von Variante a etwas abgewinnen zu können, ist in der Regel "die eigene Bedeutungslosigkeit, der eigene Frust, die eigenen Demütigungen, ob nun real oder imaginiert" zwar fast immer eine Voraussetzung, aber ebenso ist die Indoktrinierung mit irgend einer idiotischen und menschenverachtenden Ideologie erforderlich. Ohne die Islamistischen Hassprediger würde es keine islamistischen Terrorakte geben, aber auch keine anderen (in nennenswertem Ausmaß), weil es im Moment auch keine anderen derartigen Ideologien (in nennenswertem Ausmaß) gibt, die solche Loser ansprechen könnten.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Natas am Sa 23. Jul 2016, 10:52

soynadie hat geschrieben:Deswegen denke ich: Wenn die Öffentlichkeit noch Tage nach dem Terrorakt noch über die "Motive" rätselt, dann liegt mE der Verdacht, dass wir es mit einem (Möchtegern-)Herostraten zu tun haben, ziemlich nahe.
Ganz schön runtergekommen, dein Thread:
Von "Bei Terroristen handelt es sich um moderne Herostraten" zu "Wenn wir sonst keine Hinweise auf die Motive haben, liegt es nahe, dass es ein Herostrat war" :lol:
soynadie hat geschrieben:Ideologische Terroristen stellen auch sicher, dass alle Welt sehr schnell die Hintergründe einer Tat erfährt, sei es, dass sie währenddessen Parolen rufen, oder Bekennerschreiben dabeihaben (oder diese von Unterstützern kurz nach der Tat verbreiten lassen).
Harris, Klebold und ihre Kollegen haben das dummerweise getan. Mit Parolen auf ihren T-Shirts, langen online-rants und ihren Manifesten, die sie uns hinterlassen haben. War eher eine nihilistische Philosophie, die sich durch ein Anprangern der Scheinheiligkeit dieser Gesellschaft und durch (falsch oder richtig verstandenen) Nietzsche-Ideologeme auszeichnet.

Dein Rumreiten auf "die Loser" bestätigt ironischerweise perfekt ihre Vorwürfe der Scheinheiligkeit. :mrgreen:
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