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Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon idefix2 am Do 4. Feb 2016, 23:32

Dass zwei Seiten sich immer wechselseitig beeinflussen, wenn sie wechselwirken, ist natürlich eine grossartige Erkenntnis, für die du im 14. Jh. wahrscheinlich den Nobelpreis bekommen hättest, wenn es ihn damals schon gegeben hätte. Auch Sonne un Erde beeinflussen sich wechselseitig, während die Erde um die Sonne kreiset, macht auch die Sonne eine durch die Anziehungskraft der Erde verursachte Kreisbewegung.

Nicht ganz so extrem, aber im Prinzip so ähnlich, verhält es sich mit deiner Gen-Kultur-Evolution. Und das deshalb, weil sich Kultur wesentlich rascher verändert als die Erbmasse. Nur wenige kulturelle Entwicklngen sind nachhaltig genug, um wirklich Einfluss auf die Erbmasse haben zu können. Dass es einen solchen Einfluss vereinzelt gibt, will ich gar nicht bestreiten.

soynadie hat geschrieben:Der Rest deines Posts ist das übliche Stochern im Nebel

Aber klar doch :roll:
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon Starfish1 am Fr 5. Feb 2016, 07:06

soynadie hat geschrieben:Tatsache ist - ich wies schon mehrfach darauf hin

Damit, dass du auf etwas mehrfach hinweist, wird es nicht automatisch zur Tatsache. Aber das nur am Rande...

soynadie hat geschrieben:..., dass der Mensch einzigartig darin ist, große kooperierende Gesellschaften von nichtverwandten Mitgliedern zu gründen und aufrecht zu erhalten. Etwas Vergleichbares gibt es in der Natur nicht (Bienen oder Ameisen eines Staates sind miteinander verwandt!).

Letztlich sind auch alle Menschen verwandt, aber was hat das damit zu tun? Dem Menschen Einzigartigkeit zu unterstellen ist immer etwas gewagt und hat etwas Mystisches, um nicht zu sagen Religiöses, das in Diskussionen wenig weiterhilft. Lass uns doch mit weniger anfechtbaren Thesen beginnen. Einzigartig ist der Mensch allenfalls darin, dass er sehr stark davon Gebrauch macht, Informationen aufzuzeichnen und von anderen aufgezeichnete aufzunehmen und so Wissen zu akkumulieren. Aufbauend auf dieser These könnte man überlegen, was sich daraus evtl. noch an Einzigartigkeit ergeben könnte.

soynadie hat geschrieben:Gerade das Phänomen der (Groß-)Religionen, dass Menschen offenbar leicht von Priestern zu "Herden" gebündelt und manipuliert werden können, ist ohne diese 10% "Bienenhaftigkeit" des H.sapiens nicht zu erklären.

Von Priestern bei Bienen habe ich noch nicht gehört...

Geisteswissenschaften sind als Mittel zur "Welterklärung" generell mit Vorsicht zu genießen. Alles was über empirische Beobachtungen hinausgeht, ist Interpretation und beruht auf Annahmen und Glauben, ähnlich wie Religionen. Die Experimente und Beobachtungen, die Verhaltensforscher beisteuern, können sehr wertvoll für eigene Erkenntnisse sein, aber die oft mitgelieferten Interpretationen dieser Beobachtungen sind mit Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für die angeblichen Autoritäten ihres Fachs.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon soynadie am Fr 5. Feb 2016, 10:10

Starfish1 hat geschrieben:Letztlich sind auch alle Menschen verwandt, aber was hat das damit zu tun?


Letztlich sind sind alle (!) Lebewesen verwandt. Deswegen spricht man in der Evolutionstheorie, insbesondere im Kontext der Verwandtenselektion nur dann von "verwandt", wenn sich tatsächlich ohne große genealogisch Recherche ein Verwandtschaftsgrad feststellen lässt. Zwei zufällig aus einer Population genommene Individuen haben daher in der Theorie einen Verwandtschaftskoeffizienten (r) von Null. Für mich und Frau Merkel gilt daher r=0, obwohl wir natürlich um 20 oder 200 Ecken "verwandt" sind. Oder würdest du sagen: "Barack Obama und ich, wir sind verwandt" ?

Und ob du's mir nun glaubst oder nicht: Menschen sind tatsächlich die einzigen Lebewesen, die große, arbeitsteilige, "eusoziale" Gesellschaften bilden, deren Mitglieder nicht verwandt sind. Warum das erstaunlich ist, kann ich hier nicht im Detail erklären. Nur soviel: Kooperation muss sich "auszahlen". Bei Verwandten rechnet sich das direkt auf der Ebene der Gene, etwa bei Bienen, Ameisen oder Nacktmullen. Wie aber, und das ist die große Frage, schaffen es Menschen, große Gesellschaften aufrecht zu erhalten, ohne dass diese durch "freerider", Trittbrettfahrer und anderen Egoisten von innen zerstört werden?. Das ist eine Frage, die seit Jahrzehnten von den Evolutionstheoretikern diskutiert wird. Es gibt da im Prinzip zwei Lager, wie so oft in der Wissenschaft, und ich vertrete hier die Thesen des einen der beiden (jene, die in der "Kulturellen Gruppenselektion" einen wesentlichen Erklärungsansatz sehen).

Starfish1 hat geschrieben: Dem Menschen Einzigartigkeit zu unterstellen ist immer etwas gewagt und hat etwas Mystisches, um nicht zu sagen Religiöses, das in Diskussionen wenig weiterhilft.

Das ist überhaupt nichts Religiöses. Wenn ein Lebewesen ein einzigartiges Merkmal sein Eigen nennt, warum sollte man das nicht benennen und untersuchen? Es gibt sicher auch Bakterien, die - und nur die - können bestimmte Schwefelverbindungen in Energie umwandeln; beim Seepferchen wird das Männchen schwanger, was soll daran mystisch sein? ...


Starfish1 hat geschrieben:Einzigartig ist der Mensch allenfalls darin, dass er sehr stark davon Gebrauch macht, Informationen aufzuzeichnen und von anderen aufgezeichnete aufzunehmen und so Wissen zu akkumulieren.

Richtig. Kumulative kulturelle Evolution ist ein anderes Spezifikum des H.sapiens. Dieses und das oben genannte hängen sogar zusammen, denn der Mensch organisiert Gesellschaft weniger über genetische Verwandtschaft, als über kulturelle Marker. Was bei Ameisen und Co die Gene, das sind für menschliche Gesellschaften die "Meme" (= Ideen und Fähigkeiten, die über soziale Lernen tradiert werden).

Starfish1 hat geschrieben:Von Priestern bei Bienen habe ich noch nicht gehört...

Es geht nicht um die Religion der Bienen, sondern um ihre Fähigkeit, große kohäsive und arbeitsteilige Gesellschaften zu bilden. Nur weil der Mensch in diesem Punkt den Bienen ähnelt, kann es überhaupt Großreligionen geben.
Ich behaupte sogar, dass die Religionen historisch betrachtet ihren wesentlichen Anteil daran hatten, aus Wildbeutern, die in Kleingruppen leben, große Gesellschaften zu bilden, deren Mitglieder sich nicht mehr direkt kennen, und die dennoch kooperieren.

Starfish1 hat geschrieben:Alles was über empirische Beobachtungen hinausgeht, ist Interpretation und beruht auf Annahmen und Glauben, ähnlich wie Religionen

Dann ist jede Wissenschaft Religion und Glaube, denn empirische Beobachtungen ergeben erst im Rahmen gewisser Theorien Sinn. Eine REIN empirische Wissenschaft ist undenkbar, denn sie wäre bloßes Sammeln unzusammenhängender Daten ohne jeden Erklärungswert.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon idefix2 am Fr 5. Feb 2016, 12:21

soynadie hat geschrieben:Das ist überhaupt nichts Religiöses.

Jedenfalls ist es Blödsinn (wie auch so ziemlich alles religiöse). Es sind sogar Fälle von Wolfskindern bekannt, wo also ein nicht nur nicht verwandtes, sondern sogar artfremdes Lebewesen in und mit einem Rudel Wölfen grossgezogen worden ist und in weiterrer Folge mit denen zusammengelebt hat. Dass vielleicht tatsächlich keine anderen Tiere in so grossen und verwandtschaftlich so verzweigten Gruppen zusammenleben, dass die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Gruppenmitgliedern oft nicht mehr rekonstruierbar sind, mag vielleicht sein, es hat aber keine Relevanz für unsere Diskussion. Wesentlich ist wohl einerseits eine ausreichende Polulationsdichte, und andererseits die Fähigkeit, mittels Sprache zu kommunizieren, das ist wohl eine Grundvoraussetzung für die Etablierung komplexer sozialer Strukturen.

soynadie hat geschrieben:Kooperation muss sich "auszahlen".

Das genügt nicht. Die Kooperierenden müssen auch erkennen, dass es sich auszahlt. Dazu ist Intelligenz und die Fähigkeit zu kommunizieren (um sicherzustellen, dass der andere die Gleichen Interessen hat) in hohem Ausmaß erforderlich. Die intelligentesten Tiere zeigen diese Fähigkeiten in Ansätzen, aber natürlich bei weitem nicht so ausgeprägt wie der Mensch. Halleluja, Gott ist gross, und hat uns zur Krone der Schöpfung erkoren :roll:

soynadie hat geschrieben:Wenn ein Lebewesen ein einzigartiges Merkmal sein Eigen nennt, warum sollte man das nicht benennen und untersuchen? Es gibt sicher auch Bakterien, die - und nur die - können bestimmte Schwefelverbindungen in Energie umwandeln; beim Seepferchen wird das Männchen schwanger, was soll daran mystisch sein? ...

Siehst du den Unterschied zu deinen beiden Beispielen wirklich nicht? Das Merkmal "verwandt" ist schwammig. Die Grenzziehung zwischen "verwandt" und "nicht verwandt" wird völlig willkürlich so gesetzt, dass man eine "Einzigartigkeit" des Menschen postulieren kann.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon soynadie am Fr 5. Feb 2016, 13:09

idefix2 hat geschrieben:Das genügt nicht. Die Kooperierenden müssen auch erkennen, dass es sich auszahlt. Dazu ist Intelligenz und die Fähigkeit zu kommunizieren ... in hohem Ausmaß erforderlich.


Wieder ein typischer "idefix": Mit großer Selbstsicherheit etwas vortragen, was vollkommen daneben ist. Dazu braucht man sich noch nicht mal in die Materie einzuarbeiten; Allgemeinwissen reicht. Kooperation kommt auf allen Ebenen der Biosphäre vor, bei Bakterien, Pilze und Pflanzen, Insekten.... und das alles ohne jede Erkenntnis seitens der kooperierenden Organismen.

idefix2 hat geschrieben: Das Merkmal "verwandt" ist schwammig. Die Grenzziehung zwischen "verwandt" und "nicht verwandt" wird völlig willkürlich so gesetzt,


Nein, es ist überhaupt nicht schwammig. In der Evolutionstheorie ist "r" vollkommen klar definiert, und alle, die z.B. Bücher und Artikel zum Thema "kin selection" schreiben, und das sind hunderte! - arbeiten damit. Und "r" zwischen uns beiden ist nun einmal - im Rahmen dieser Theorie - gleich Null.
Und ja: Der Mensch ist in diesem Punkt was Besonderes. Oder kennst du ein anderes Tier, bei dem Individuen, die nicht (oder so gut wie nicht ) verwandt sind, große kooperierende Gebilde, aka Staaten bilden?
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon idefix2 am Fr 5. Feb 2016, 13:31

soynadie hat geschrieben: Kooperation kommt auf allen Ebenen der Biosphäre vor, bei Bakterien, Pilze und Pflanzen, Insekten...

Bloss dass diese Form der "Kooperation" etwas grundlegend anderes ist als die reflexionsbasierte, die übrigens nicht nur beim Menschen, sondern in wesentlich kleinerem Ausmass auch bei hoch entwickelten Tieren zu beobachten ist.
Du vermengst in der Diskussion am laufenden Band Äpfel mit Staubsaugern.


soynadie hat geschrieben:Oder kennst du ein anderes Tier, bei dem Individuen, die nicht (oder so gut wie nicht ) verwandt sind, große kooperierende Gebilde, aka Staaten bilden?

Welchen Sinn hat es für dich, Fragen zu wiederholen, die ich dir drei Posts vorher schon beantwortet habe? Den Diskussionsgegener solange zu nerven, bis er drauf pfeift?
idefix2 hat geschrieben:Dass vielleicht tatsächlich keine anderen Tiere in so grossen und verwandtschaftlich so verzweigten Gruppen zusammenleben, dass die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Gruppenmitgliedern oft nicht mehr rekonstruierbar sind, mag vielleicht sein, es hat aber keine Relevanz für unsere Diskussion. Wesentlich ist wohl einerseits eine ausreichende Polulationsdichte, und andererseits die Fähigkeit, mittels Sprache zu kommunizieren, das ist wohl eine Grundvoraussetzung für die Etablierung komplexer sozialer Strukturen.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon soynadie am Fr 5. Feb 2016, 13:58

idefix2 hat geschrieben:Bloss dass diese Form der "Kooperation" etwas grundlegend anderes ist als die reflexionsbasierte, die übrigens nicht nur beim Menschen, sondern in wesentlich kleinerem Ausmass auch bei hoch entwickelten Tieren zu beobachten ist.

Kooperation ist Kooperation, nämlich eine Interaktion zweier Akteure zum beiderseitigen Nutzen.
WIr sprechen auch von "Sex", egal ob bei Fadenwürmern oder Menschen.
Weiter oben hast du mal das Abstraktionsvermögen hochgelobt. Nun ist es ein unzulässiges Vermengen...
Du willst nur Krawall, und suchst dir's aus, wie's grad passt.

idefix2 hat geschrieben:Dass vielleicht tatsächlich keine anderen Tiere in so grossen und verwandtschaftlich so verzweigten Gruppen zusammenleben, dass die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Gruppenmitgliedern oft nicht mehr rekonstruierbar sind, mag vielleicht sein, es hat aber keine Relevanz für unsere Diskussion. Wesentlich ist wohl einerseits eine ausreichende Polulationsdichte, und andererseits die Fähigkeit, mittels Sprache zu kommunizieren, das ist wohl eine Grundvoraussetzung für die Etablierung komplexer sozialer Strukturen.


Natürlich hat es Relevanz für unsere Diskussion, auch wenn du mangels Hintergrundwissen nicht in der Lage bist , diese relevanz zu erkennen.
Was soll denn "Populationsdichte" hier???
Ein Heringsschwarm ist seeehr dicht, genau wie eine Büffelherde, aber bei keinem handelt es sich um kooperierende, arbeitsteilige Gesellschaften, wie bei Bienen, Ameisen, Termiten oder eben Menschen.
Wenn du den Unterschied zischen einer Gnu-Herde und einem Staat nicht siehst, dann kann dir auch keiner helfen.
Und Sprache ist auch keine Erklärung, denn Termiten bilden Staaten ohne Sprache, es sei denn, du willst Pheromone als "Sprache" bezeichnen...
Zudem haben die Menschen auch schon zu einer Zeit gesprochen, als sie in Kleingruppen durch die Gegend streiften (Wildbeuter tun das heute noch !). Sprache als Vermögen ist somit eine sine qua non, aber keine Erklärung für das Entstehen großer kooperierender Gebilde nicht-verwandter Menschen.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon idefix2 am Fr 5. Feb 2016, 14:20

soynadie hat geschrieben:Kooperation ist Kooperation, nämlich eine Interaktion zweier Akteure zum beiderseitigen Nutzen.
WIr sprechen auch von "Sex", egal ob bei Fadenwürmern oder Menschen.
Weiter oben hast du mal das Abstraktionsvermögen hochgelobt. Nun ist es ein unzulässiges Vermengen...

Ja, zum Abstraktionsvermögen gehört mehr, als nur nach willkürlichen Kriterien allerlei Dinge gleichzusetzen, die nichts miteinander gemeinsam haben als dieses eine Kriterium. Auch Sex ist bei Fadenwürmern und bei Menschen zwar in beiden Fällen Sex, aber nicht das gleiche.

soynadie hat geschrieben:Wenn du den Unterschied zischen einer Gnu-Herde und einem Staat nicht siehst, dann kann dir auch keiner helfen.
Und Sprache ist auch keine Erklärung, denn Termiten bilden Staaten ohne Sprache, es sei denn, du willst Pheromone als "Sprache" bezeichnen...

Tja, ich fürchte, wenn du den Unterschied zwischen einem Termitenstaat und einer von Menschen gebildeten staatlichen Struktur nicht siehst, dann kann dir keiner helfen.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon soynadie am Fr 5. Feb 2016, 21:44

gelöscht
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon Atheos2011 am Sa 6. Feb 2016, 03:41

soynadie hat geschrieben:Wie aber, und das ist die große Frage, schaffen es Menschen, große Gesellschaften aufrecht zu erhalten, ohne dass diese durch "freerider", Trittbrettfahrer und anderen Egoisten von innen zerstört werden?.


Wie viele Generationen funktionieren denn große Gesellschaften im Durchschnitt?
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon manniro am Sa 6. Feb 2016, 09:15

soynadie hat geschrieben:
idefix2 hat geschrieben:Bloss dass diese Form der "Kooperation" etwas grundlegend anderes ist als die reflexionsbasierte, die übrigens nicht nur beim Menschen, sondern in wesentlich kleinerem Ausmass auch bei hoch entwickelten Tieren zu beobachten ist.

Kooperation ist Kooperation, nämlich eine Interaktion zweier Akteure zum beiderseitigen Nutzen.


:?: Und damit erklärst Du "große, arbeitsteilige, "eusoziale" Gesellschaften"? Oder "Schwarmverhalten"?

manniro hat geschrieben:
soynadie hat geschrieben:Es geht um die 10% "Bienen", also das "Schwarmverhalten" , das sich NICHT durch spieltheoretische und andere strategische Modelle erklären lässt; auch nicht durch Verwandtenselektion.


Es sind in der Tat Naturphänomene zu beobachten, die aus menschlicher Perspektive eigentlich "Intelligenz" erfordern, die den entsprechenden Arten aber nicht zugeschrieben wird. Zum Beispiel der Nestbau etlicher Vogelarten, mit dessen Raffinesse auch menschliche Architekten so ihre Probleme hätten. "Schwarmverhalten" zählt auch dazu. Wie ist das zu erklären? Gibt es eine Art "Gattungs-Intelligenz"? Wenn ja, wo ist sie verortet? Müssen wir unseren Intelligenzbegriff überdenken? Schwieriges Thema, aber inwiefern die bisher von Dir abgelieferten Beiträge etwas zu dessen Erhellung beitragen sollen, ist mir schleierhaft.


Leider ist es trotz viel Bal­ly­hoo beim Fazit meines vorstehenden Beitrags geblieben.

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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon Starfish1 am Sa 6. Feb 2016, 22:45

soynadie hat geschrieben:
Starfish1 hat geschrieben: Dem Menschen Einzigartigkeit zu unterstellen ist immer etwas gewagt und hat etwas Mystisches, um nicht zu sagen Religiöses, das in Diskussionen wenig weiterhilft.

Das ist überhaupt nichts Religiöses. Wenn ein Lebewesen ein einzigartiges Merkmal sein Eigen nennt, warum sollte man das nicht benennen und untersuchen? Es gibt sicher auch Bakterien, die - und nur die - können bestimmte Schwefelverbindungen in Energie umwandeln; beim Seepferchen wird das Männchen schwanger, was soll daran mystisch sein? ...

Solange man sich auf solche konkreten Eigenschaften beschränkt, ist das in Ordnung. Ich meinte, wenn man für die angebliche Einzigartigkeit so phantasievolle Konstrukte wie "das mentale Gift der tribalen Instinkte" oder "Bienenhaftigkeit des Menschen" bemüht, dann hat das mystische oder religiöse Qualität. Und zwar weil es sich um Konstrukte handelt, die Annahmen beinhalten, die sich zwar logisch aus den Beobachtungen ergeben, aber nur unter Zuhilfenahme von (oft wohl unbewussten) Übereinkünften zwischen den Forschern, die sich auf bestimmte Stories geeinigt haben oder in deren Erfinden wetteifern. Die Stories könnten auch beliebig anders aussehen. Am besten misstraut man diesen generell und beschränkt sich auf Beobachtungen und direkte Ableitungen daraus.

soynadie hat geschrieben:Dann ist jede Wissenschaft Religion und Glaube, denn empirische Beobachtungen ergeben erst im Rahmen gewisser Theorien Sinn. Eine REIN empirische Wissenschaft ist undenkbar, denn sie wäre bloßes Sammeln unzusammenhängender Daten ohne jeden Erklärungswert.

Nein, nicht jede Wissenschaft ist Religion und Glaube.

Bei den Naturwissenschaften, bei denen reine Fakten zusammengetragen werden, Experimente nachvollziehbar dokumentiert werden und Schlüsse aus diesen gezogen werden, bewegt man sich mit beiden Beinen auf tragfähigem Boden. Theorien können erstellt werden, und sobald sich diese durch nachvollziehbare Experimente bestätigen, sind auch diese tragfähig.

Die Geisteswissenschaften dagegen schweben immer gewissermaßen mit einem Bein in der Luft, da der Mensch hier über sich selbst reflektiert. Schon bei den Beobachtungen, aber erst recht bei den Interpretationen, kollidiert die für objektive Beurteilungen notwendige Außensicht unweigerlich mit der Sicht von innen, die wir als Menschen ja nunmal nicht verlassen können. Dadurch sind geisteswissenschaftliche Interpretationen im Wesentlichen rückbezüglich in sich selbst verankert und damit Glaubenssache.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon Nasobēm am Mo 8. Feb 2016, 23:38

Starfish1 hat geschrieben:
soynadie hat geschrieben:
Starfish1 hat geschrieben: Dem Menschen Einzigartigkeit zu unterstellen ist immer etwas gewagt und hat etwas Mystisches, um nicht zu sagen Religiöses, das in Diskussionen wenig weiterhilft.

Das ist überhaupt nichts Religiöses. Wenn ein Lebewesen ein einzigartiges Merkmal sein Eigen nennt, warum sollte man das nicht benennen und untersuchen? Es gibt sicher auch Bakterien, die - und nur die - können bestimmte Schwefelverbindungen in Energie umwandeln; beim Seepferchen wird das Männchen schwanger, was soll daran mystisch sein? ...

Solange man sich auf solche konkreten Eigenschaften beschränkt, ...

sogar, wenn man sich auf konkrete Eigenschaften beschränkt ist das Unterstellen von 'Einzigartigkeit' nicht aussagekräftig. Jede Art ist 'einzigartig' - so what?

Starfish1 hat geschrieben:
soynadie hat geschrieben:Dann ist jede Wissenschaft Religion und Glaube, ...

Nein, nicht jede Wissenschaft ist Religion und Glaube. ...

Genau. Und dazu kommt die Möglichkeit eine Theorie zu widerlegen. Das ist passiert und wird auch wieder passieren. Neue Ergebnisse durch neue Methoden und Theorien werden angepasst, der Geltungsbereich wird genauer definiert oder sie werden sogar verworfen. Das heißt Wissenschaft hat nichts mit Religion und Glaube zu tun.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon soynadie am Di 9. Feb 2016, 10:25

Nasobēm hat geschrieben:sogar, wenn man sich auf konkrete Eigenschaften beschränkt ist das Unterstellen von 'Einzigartigkeit' nicht aussagekräftig. Jede Art ist 'einzigartig' - so what? .


Ist es eine "Unterstellung", wenn ich darauf hinweise, dass der Homo sapiens das einzige staatenbildende Lebewesen ist, bei dem die Staaten nicht von Verwandten gebildet werden?
Ich glaube nicht.

Der Punkt ist ja der: Die Evolution des Menschen hätte sehr gut auf der Stufe von vor 50,000 oder auch 20,000 Jahren stehen bleiben können. Dann wäre der Mensch nichts weiter als ein zweibeiniger, sprachbegabter und Werkzeuge benutzender Primat, der in kleineren Gruppen durch die Wälder und Steppen streift. Ein Biologe aus einer anderen Galaxis hätte, wäre er vor 30.000 Jahren auf die Erde gekommen, sicher nicht darauf getippt, dass dieser Primat mal riesige Staaten bilden und der absolute Dominator des Planeten werden würde. Er hätte zwar das Beispiel der staatenbildenden Insekten vor Augen gehabt, die seeehr erfolgreich sind! - hätte dann aber aus der sozialen Struktur des Homo sapiens gefolgert, dass dieser dazu nicht in der Lage sein würde, weil Kooperation bei ihm auf persönlichem Kontakt, auf Reziprozität und auf Reputation gründet, alles Eigenschaften, die sich nur im sozialen Nahbereich, unter Bekannten, entfalten können (siehe die sog. Dunbar-Zahl von 150 ).

Insofern denke ich schon, dass diese Einzigartigkeit des Menschen interessant und erklärungsbedürftig ist, denn die Eroberung der Erde durch den Menschen war eine sozio-kulturelle Eroberung, und die Erklärung für seinen Erfolg muss in einer Kombination (!) aus sozialen Merkmalen und aus Kultur liegen.
Zuletzt geändert von soynadie am Di 9. Feb 2016, 10:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das mentale Gift der "tribalen Instinkte"

Beitragvon Elephantxx am Di 9. Feb 2016, 10:38

Ist es eine "Unterstellung", wenn ich darauf hinweise, dass der Homo sapiens das einzige staatenbildende Lebewesen ist, bei dem die Staaten nicht von Verwandten gebildet werden?
Ich glaube nicht.


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