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Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon manniro am Fr 1. Jan 2016, 13:58

Die Frage zielt doch darauf, was man als den "Urstoff" des Seienden annimmt. Oder noch eine Ebene tiefer, ob's den überhaupt gibt. Also das, woraus die Welt zusammengebastelt ist. Und da werden die vermuteten Bauklötzchen auch in der Physik immer kleiner. Wenn man die Welt letztlich als "energetisch" begreift, bleibt nur noch die Frage, was denn eigentlich "das Beharrende" in einem ständigen Fluß ausmacht. Und ob man das dann "Geist" oder "Materie" nennt, wird ab irgendeinem Punkt egal. In einem milliardenfachen Zeitraffer gibt es überhaupt nichts "Beharrendes" in materiellem Sinne mehr, nur ein irres Farbenspiel.

Aus erkenntnistheoretischer Sicht wird vielleicht nur deshalb nach dem einen "Unteilbaren" gesucht, weil der Verstand ohne "das Eine" nicht denken kann.

Prost Neujahr! :lol:

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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon ruebennase am Fr 1. Jan 2016, 14:51

Um in dem Bild zu bleiben: das "Beharrende" ist die "Leinwand" auf der das "irre Farbenspiel" abläuft.
Die ist allerdings nur indirekt wahrnehmbar.
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon idefix2 am Fr 1. Jan 2016, 14:54

manniro hat geschrieben:Die Frage zielt doch darauf, was man als den "Urstoff" des Seienden annimmt.

Ich denke, dass wir uns im Licht der aktuellen Erkenntnisse der Physik das Stellen dieser Frage abschminken können, zumindest die Erwartung einer uns verständlichen Antwort.

Die Forschung ist inzwischen in Bereiche vorgedrungen, die mit unserem in Jahrmillionen der Evolution erworbenen Verständnis unserer makroskopischen Welt nicht mehr in Einklang zu bringen ist. Oder würdest du behaupten wollen, dass du dir im Entferntesten vorstellen kannst, wass es wirklich heissen soll, dass Wahrscheinlichkeitswellen auf Wahrscheinlichkeitswellen reiten, wenn du per Lufthansa in den Urlaub fliegst :D
Es kann durchaus sein, dass die Physiker irgendwann Methoden finden, um Dinge zu analysieren, die noch kleiner und elementarer sind als die, die wir heute kennen, aber ich hoffe inzwischen nicht mehr, dass uns dadurch das Wesen der Materie in irgend einer Weise verständlicher wird, als es derzeit der Fall ist, höchstens durch neue Formeln hinsichtlich des Verhaltens noch besser beschreib- und berechenbar. Und wenn sie nichts kleineres finden, dann ist damit ja auch nicht bewiesen, dass wir die elementaren Bausteine schon gefunden haben...

Ich denke, "das beharrende" existiert nur in der makroskopischen Welt, die ich ebenso als Emergenzerscheinung des Chaos auf der Quantenebene ansehe, wie ich das Bewusstsein als Emergenzerscheinung der chaotischen neuronalen Gehirnvorgänge einstufe - eine Ordnungsstruktur auf einer neuen Ebene, die zwar auf die darunterliegende Ebene angewiesen ist, für die aber gänzlich neue Gesetzmässigkeiten gelten, die für diese darunterliegende Ebene nicht einmal sinnvoll formulierbar sind.

Dir auch ein schönes neues Jahr!
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon ice am Fr 1. Jan 2016, 17:11

manniro hat geschrieben:In einem milliardenfachen Zeitraffer gibt es überhaupt nichts "Beharrendes" in materiellem Sinne mehr, nur ein irres Farbenspiel.


Schöne und gute Formulierung, finde ich - wobei mich nur das Wort irr "stört". Ab einer bestimmten (gedanklichen) Distanz zum Farben- und Formenspiel wird es auch egal, ob man dieses abstrakte Spiel nun irr nennt oder auf jede Wertung verzichtet. Es ist einfach so wie es ist. Jede menschliche Wertung ist meiner Ansicht nach bei so einer ("philosophischen") Betrachtung schon überflüssig. Man könnte so ein Spiel beliebig charakterisieren - nur bringt es nichts: ob irr oder genial, faszinierend oder abstoßend, großartig oder monströs, hässlich oder schön - es gibt für mich einfach keinen passenden Begriff für so einen milliardenfachen Zeitraffer"film"...
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon SilverBullet am Fr 1. Jan 2016, 19:31

Emergenz ist die Unwissenheit/Ahnungslosigkeit des Beobachters.

Wenn nun jemand seine Umwelt und sich selbst in Emergenzerscheinungen einteilt, dann ist indirekt eindeutig klar, worum es geht.
Was den Sachverhalt angeht, kommt man natürlich keinen Millimeter weiter, aber der Beobachter ist sehr gut einschätzbar.

Mich wundert es nicht, dass hier einige Leute Emergenzerscheinungen haben/sehen.
(das Gegenteil hätte mich erstaunt)

Interessant ist auch, wie schnell ein philosophisch angehauchter Mensch, von der kompletten Ahnungslosigkeit, rund um die Frage nach Bewusstsein und Subjekt, in einem „Anfall“ von Überheblichkeit, zum „Urgrund allen Seienden“ springen kann und es am Ende egal ist, ob man es „Geist“ oder „Materie“ nennt.

Dass dabei letztlich ein „irres Farbenspiel“ herauskommt, hätte ich sogar voraussagen können.
(Merke: in der Philosophie bekommt man immer das raus, was man hineinsteckt)
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon idefix2 am Fr 1. Jan 2016, 23:23

SilverBullet hat geschrieben:Emergenz ist die Unwissenheit/Ahnungslosigkeit des Beobachters.

Ja, solche Wortmeldungen entspringen der Unwissenheit/Ahnungslosigkeit des Users, der solches Zeug von sich gibt. ...
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon manniro am Sa 2. Jan 2016, 11:18

ice hat geschrieben:
manniro hat geschrieben:In einem milliardenfachen Zeitraffer gibt es überhaupt nichts "Beharrendes" in materiellem Sinne mehr, nur ein irres Farbenspiel.


Schöne und gute Formulierung, finde ich - wobei mich nur das Wort irr "stört". ...


Auf das Wort kommt es mir auch gar nicht an, es sollte nur die Vorstellung beschreiben, daß sich mit zunehmendem Zeitraffertempo jegliche beharrende Form auflöst. Wenn Du Dir das als sukzessiv gesteigerten Prozeß vorstellst, dann verringert sich die "Beharrungszeit" des vor Dir stehenden Tisches von geschätzt 5-30 Jahren in Echtzeit auf 5 Minuten, dann 1 Sekunde und letztlich auf eine Größe unterhalb der Planck-Zeit, bevor er in was - auch immer - zerlegt wird.

Das selbstverständlich unter der Prämisse, daß der Beobachter selbst vom Zeitraffereffekt nicht betroffen ist, also aus einer virtuellen "Gott"-Perspektive.

Mit diesem Gedankenspiel kann man sich verdeutlichen, daß aus unserem anthropomorphen Zeitbegriff auch ein anthropomorpher "Existenz"-Begriff folgt, unsere "Dinge" existieren auf einer anderen Zeitebene nicht. Und sich nebenbei die Frage stellen, ob es etwas, das der landläufigen Vorstellung von "Materie" entspricht, überhaupt gibt und es sich nicht nur um ein Spiel von Kräften handelt, die aufeinander wirken. Das Gefühl, daß ich in meinem Hintern habe, während ich hier auf dem Stuhl sitze und das mich einen festen, materiellen Gegenstand vermuten läßt, kann problemlos auch mit Abstoßungseffekten erklärt werden. :wink:

SilverBullet hat geschrieben:(Merke: in der Philosophie bekommt man immer das raus, was man hineinsteckt)


Stimmt. Aber aus ungeklärten Gründen scheint das nicht bei allen Köpfen zu funktionieren.

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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon idefix2 am Sa 2. Jan 2016, 13:21

manniro hat geschrieben:Auf das Wort kommt es mir auch gar nicht an, es sollte nur die Vorstellung beschreiben, daß sich mit zunehmendem Zeitraffertempo jegliche beharrende Form auflöst.

Das klingt zwar spannend, ist es aber meines Erachtens nicht wirklich. Dass nichts Irdisches für ewig existiert, ist doch Konsens, und daraus ergibt sich folgerichtig, dass bei ausreichend beschleunigtem Ablauf die Existenzdauer der Dinge gegen 0 geht.

Egal in welcher Dimension, endliche grosse Dinge werden beim Anlegen eines entsprechend grossen Maßstabs beliebig klein. Vom Berg aus kannst du das Gänseblümchen auf der Wiese im Tal auch nicht erkennen, ausser du verwendest ein sehr gutes Fernrohr, mit dessen Hilfe du den "adäquaten" Maßstab wiederherstellst.

Und aus der Sicht eines ausserhalb der Zeit liegenden "Gottes" würde sich der Ablauf wohl nicht bescheunigen, eher könnte er das, was für uns sequentiell abläuft, irgendwie "nebeneinander" wahrnehmen.
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon ice am Sa 2. Jan 2016, 17:56

manniro hat geschrieben:... aus einer virtuellen "Gott"-Perspektive...

Um beim Thread-Thema zu bleiben: Weil wir so eine Perspektive gedanklich einnehmen können, ist es manchen auch möglich, den Mensch ohne Subjekt-Begriff zu denken. Aus einer virtuellen "Gott"-Perspektive verschwinden nämlich alle individuellen/subjektiven Sichtweisen - zumindest kurzfristig, wenn man sich solchen Gedankenspielen "meditativ" hingibt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich so eine Fähigkeit 'gut' oder 'schlecht' finde. Solche "Meditationen" haben etwas von einer "Weltflucht" - manche hören auch einfach nur Musik, um von der (Alltags-)Welt zu "flüchten" :wink:

manniro hat geschrieben:Mit diesem Gedankenspiel kann man sich verdeutlichen, daß aus unserem anthropomorphen Zeitbegriff auch ein anthropomorpher "Existenz"-Begriff folgt, unsere "Dinge" existieren auf einer anderen Zeitebene nicht. Und sich nebenbei die Frage stellen, ob es etwas, das der landläufigen Vorstellung von "Materie" entspricht, überhaupt gibt und es sich nicht nur um ein Spiel von Kräften handelt, die aufeinander wirken.

Ja, "Materie" in der landläufigen Vorstellung existiert nicht - das wissen Physiker schon einige Jahrzehnte. Und nun? Tja, das "landläufige" (Alltags-)Leben der allermeisten Menschen hat eben mit der (modernen) Physik und philosophischen abstrakten Gedankenspielen nicht viel zu tun, habe ich schon oft beobachtet - Physiker/ Philosophen lassen sich aber zum Glück meist nicht davon abhalten und schreiben sogar darüber - ich gebe es zu: es gibt für mich (fast) nichts Spannenderes als Gedankenspiele aus der virtuellen "Gott"-Perspektive :mrgreen:
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon manniro am So 3. Jan 2016, 08:45

idefix2 hat geschrieben:Das klingt zwar spannend, ist es aber meines Erachtens nicht wirklich. Dass nichts Irdisches für ewig existiert, ist doch Konsens, und daraus ergibt sich folgerichtig, dass bei ausreichend beschleunigtem Ablauf die Existenzdauer der Dinge gegen 0 geht.


Was allerdings nicht erklärt, woraus "die Dinge" denn dann bestehen. Aus "Zeit"?

Und aus der Sicht eines ausserhalb der Zeit liegenden "Gottes" würde sich der Ablauf wohl nicht bescheunigen, eher könnte er das, was für uns sequentiell abläuft, irgendwie "nebeneinander" wahrnehmen.


Eine ähnliche Überlegung habe ich vor Jahren mal bei einem ganz anderen Thema hier dargelegt, da ging's um die "Allwissenheit" des Christengottes. Da wäre es ähnlich Deiner Idee so, daß dieser Gott "die Wahrheit" nicht sequentiell durch Erfahrung erkennen muß wie wir, sondern daß sie fertig vor ihm liegt. Weil aus seiner Perspektive bereits alles gelaufen ist. Und schon immer war. Nebenbei ein wunderbares Argument gegen einen "eingreifenden" Gott, gegen einen vom sündigen, willensfreien Menschen "überraschten" Gott, gegen einen "entscheidenden" Gott. :wink:


ice hat geschrieben:
manniro hat geschrieben:... aus einer virtuellen "Gott"-Perspektive...

Um beim Thread-Thema zu bleiben: Weil wir so eine Perspektive gedanklich einnehmen können, ist es manchen auch möglich, den Mensch ohne Subjekt-Begriff zu denken.


Das ist Nonsens. Was ist denn "der Mensch" ohne "Subjekt-Begriff"? Und vor allem: Wer denkt ihn? Auch mein Gedankenspiel ist die Vorstellung eines Subjektes und ohne ein solches gar nicht möglich.

Aus einer virtuellen "Gott"-Perspektive verschwinden nämlich alle individuellen/subjektiven Sichtweisen - zumindest kurzfristig, wenn man sich solchen Gedankenspielen "meditativ" hingibt.


Nun gut, man kann "sich" möglicherweise in der Meditation "vergessen". Aber ohne "sich" kann man dieses Erlebnis nicht beschreiben. Und es gibt auch nichts zu vergessen. Daraus resultiert auch die sicher unfreiwillige Komik aller diesbezüglichen Beiträge. Wie kann man die Darstellung seiner Auffassung mit der Einleitung: "Es gibt mich nicht" beginnen? Eigentlich müßte man bei dieser komischen Ansicht sämtliche Personalpronomen in Anführungsstriche setzen. :lol:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich so eine Fähigkeit 'gut' oder 'schlecht' finde. Solche "Meditationen" haben etwas von einer "Weltflucht" - manche hören auch einfach nur Musik, um von der (Alltags-)Welt zu "flüchten" :wink:


Da gibt's Tröstliches: "Ich wäre nicht vor der Wirklichkeit geflohen, wenn sie mich nicht verfolgt hätte" (Lec). :wink:

manniro hat geschrieben:Mit diesem Gedankenspiel kann man sich verdeutlichen, daß aus unserem anthropomorphen Zeitbegriff auch ein anthropomorpher "Existenz"-Begriff folgt, unsere "Dinge" existieren auf einer anderen Zeitebene nicht. Und sich nebenbei die Frage stellen, ob es etwas, das der landläufigen Vorstellung von "Materie" entspricht, überhaupt gibt und es sich nicht nur um ein Spiel von Kräften handelt, die aufeinander wirken.

Ja, "Materie" in der landläufigen Vorstellung existiert nicht - das wissen Physiker schon einige Jahrzehnte. ... :mrgreen:


Ja. Und weil sie das wissen, setzen sie deren Existenz in ihren Modellen einfach voraus. Weil sie bislang noch keinen adäquaten Ersatz gefunden haben, der allen Anforderungen genügt.. Guckst Du hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_%28Physik%29

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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon idefix2 am So 3. Jan 2016, 10:55

manniro hat geschrieben:Was allerdings nicht erklärt, woraus "die Dinge" denn dann bestehen.

Jedes "Ding" besteht, wenn es überhaupt zusammengestzt ist, aus "Dingen", die noch kleiner sind, u.U. sogar um Grössenordnungen kleiner als das Ding selbst. Die Frage würde also in einen unendlichen Regress münden. Wir sind gezwungen, bei der Suche dort abzubrechen, wo wir die Grössenordnungen nicht mehr handhaben können, aber auch wenn uns das nicht zum Abbruch zwingen würde, könnten wir nicht unendlich lang weitersuchen, sondern müssten irgendwo aufhören. Bis zur Ebene der Quantenobjekte haben wir es mittels "brute Force" geschafft, die neuesten Erkenntnisse werden ja in Teilchenbeschleunigern gewonnen, in denen Teilchen auf aberwitzige Geschwindigkeit beschleunigt werden und man beobachtet, was passiert, wenn zwei solche Teilchen zusammenkrachen - für mich ist es eher verblüffend, dass auf diese Weise überhaupt Erkenntnisse gewonnen werden können, aber für die Grössenordnungen darunter wird auch dieser Ansatz ziemlich sicher nicht mehr funktionieren.

manniro hat geschrieben:Ja. Und weil sie das wissen, setzen sie deren Existenz in ihren Modellen einfach voraus. Weil sie bislang noch keinen adäquaten Ersatz gefunden haben, der allen Anforderungen genügt.

Das sehe ich überhaupt nicht so, und zwar aus zwei Gründen.
Erstens: Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass uns unsere Wahrnehmung prinzipiell nicht die komplette Realität zeigt, sondern nur eine zum Teil eingeschränkte, zum Teil wohl auch verzerrte Sicht auf die Realität darstellt. Das macht es meiner Meinung nach schon theoretisch unmöglich, ein Modell zu entwickeln, das alle Facetten der Realität korrekt abbilden würde. Ein "adäquater Ersatz", der allen Anforderungen genügen würde, ist eine Chimäre, die zu suchen und auf die zu warten unsinnig wäre.
Zweitens: Wenn ich ein Problem betrachte, dann verwende ich das Modell, das sich für die Lösung des Problems am Besten eignet, und das muss gar nicht das sein, das meinen aktuellen Kenntnissatnd am detailliertesten abbildet. Wenn ein Statiker die Tragkraft einer Brücke berechnet, würde man ihn sicher schief anschauen, wenn er dazu auf die auch ihm sicher bekannten Bindungskräfte in Atomkernen und Molekülen zurückgreifen würde. Er verwendet dazu ein Modell, in dem der Aufbau der Atome aus Protonen, Neutronen und Elektronen keine Rolle spielt und gar nicht vorkommt - obwohl natürlich in der Realität dieser Aufbau für die Tragfähigkeit einer Brückenkonstruktion verantwortlich ist.
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon Weißer Rabe am So 3. Jan 2016, 17:05

TrES-4 hat geschrieben:Ja dann versuch es doch mal mit einer gescheiten Reflexion.


Wer auf einen Rechtschreibfehler derart reagiert hat entweder zu viel Zeit, ist ein Klugscheißer oder beides.

Was mich allerdings auf die von Dir verwiesene Website http://scaleofuniverse.com/ brachte.

Am Ende der Skala wird das (beobachtbare) Universum in einem - sagen wir mal - Ameisenhaufen dargestellt, dessen Faszination ich nicht leugnen kann.
Es geht wohl den meisten Menschen so wie mir, dass sie bei längerer Betrachtung dieses 'Ameisenhaufens' Muster erkennen können, die an ihren Randzonen zu 'leuchten' scheinen - unser Auge scheint darauf geschult zu sein.
Es ist gut möglich, dass Siddartha Gautama oder zB. auch Friedrich Nietzsche auf seinem Spaziergang zum Surlei-Felsens solche Muster wahrgenommen haben, die sie später zu Modellen formten.
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon ice am So 3. Jan 2016, 18:00

manniro hat geschrieben:
ice hat geschrieben:Weil wir so eine (virtuelle "Gott"-)Perspektive gedanklich einnehmen können, ist es manchen auch möglich, den Mensch ohne Subjekt-Begriff zu denken.

Das ist Nonsens. Was ist denn "der Mensch" ohne "Subjekt-Begriff"? Und vor allem: Wer denkt ihn? Auch mein Gedankenspiel ist die Vorstellung eines Subjektes und ohne ein solches gar nicht möglich.

Okay, das ist mir ja alles klar. Jede Kommunikation funktioniert nur zwischen Subjekten. Sonst wird es wirklich bald Nonsens. Ich meinte ja eher "meditative Gedankenspiele" ohne einem Gegenüber...

manniro hat geschrieben:Nun gut, man kann "sich" möglicherweise in der Meditation "vergessen". Aber ohne "sich" kann man dieses Erlebnis nicht beschreiben. Und es gibt auch nichts zu vergessen.

Ja, so sehe ich das auch. Wer aus einer Meditation (naja, ich habe da gar keine Erfahrung damit) "erwacht", befindet sich gleich wieder in einer abgegrenzten Subjekt-Objekt-Beziehung mit der Welt, die er vielleicht in der Meditation irgendwie gedanklich aufgehoben hat. Mir erscheinen solche "meditativen" Praktiken eher suspekt, weil sie für mich weltfremd bis sinnlos sind und im Grunde keinen Erkenntnisgewinn für ein waches Ich-Bewusstsein bringen, das in einer kommunikativ vernetzten (Alltags-)Welt irgendwie existieren muss.

manniro hat geschrieben:Guckst Du hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_%28Physik%29

Ja, danke. So weit wollte ich gar nicht ins Detail gehen, weil es dann wahrscheinlich bald OffTopic wird...
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon SilverBullet am So 3. Jan 2016, 19:19

ice hat geschrieben:Jede Kommunikation funktioniert nur zwischen Subjekten

Das ist korrekt, wenn man unter „Subjekt“ die gesamte Kommunikationseinheit versteht.

Wenn man mit „Subjekt“ aber auf den Hintergrund eines Verstehzusammenhangs (innerhalb der Wahrnehmungsauswertung) abzielt, dann gilt:
Das Subjekt soll letztlich, das sein, was sich im Verstehen selbst als Handlungsausgangspunkt versteht.

Hierbei ergeben sich ein paar Problemchen:
Das Subjekt ist in diesem Fall, kein „klar existierendes Objekt“, sondern es spielt nur eine Rolle, weil im Verstehen ein „komischer Richtungszusammenhang“ auftaucht.
D.h. so ein Subjekt kann man nicht untersuchen, nicht analysieren, nicht auffinden.
Es ist unklar, aus was so ein Subjekt sein soll.
Die Wechselwirkungen zwischen Subjekt und Gehirn sind unklar.
Es ist unklar, wie das Gehirn das Subjekt „erschaffen“ können soll oder wie beide sonst irgendwie "Kontakt" aufnehmen können sollen.
Es ist unklar, welche Aufgaben so ein Subjekt übernimmt und welche „Zuarbeit“ das Gehirn leisten muss.

Und, es gibt da noch eine kleine Zusatzfrage:
Was ist, wenn das Verstehen ganz anders zustande kommt, wenn man also gar kein Subjekt braucht, damit der Zusammenhang einer „subjektiven Perspektive“ eine Rolle spielt?

Bevor man also den Begriff „Subjekt“ nicht im Sinne der gesamten Kommunikationseinheit verwendet, sollte man klären, wie man "Verstehen" herstellt.
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Re: Der Mensch stellt kein Subjekt dar

Beitragvon ice am So 3. Jan 2016, 20:47

SilverBullet hat geschrieben:Wenn man mit „Subjekt“ aber auf den Hintergrund eines Verstehzusammenhangs (innerhalb der Wahrnehmungsauswertung) abzielt, dann gilt:
Das Subjekt soll letztlich, das sein, was sich im Verstehen selbst als Handlungsausgangspunkt versteht.
Hierbei ergeben sich ein paar Problemchen:...

Mein Problemchen ist, dass ich dich nicht wirklich verstehe. Ich habe mich in den Bereich Bewusstsein-Wahrnehmung nicht so hineingekniet wie du offensichtlich und mir ist überhaupt nicht klar, was du mit deinen obigen Sätzen meinst bzw. worauf du hinaus willst - sorry.

SilverBullet hat geschrieben:Das Subjekt ist in diesem Fall, kein „klar existierendes Objekt“, sondern es spielt nur eine Rolle, weil im Verstehen ein „komischer Richtungszusammenhang“ auftaucht.
D.h. so ein Subjekt kann man nicht untersuchen, nicht analysieren, nicht auffinden.
Es ist unklar, aus was so ein Subjekt sein soll.
Die Wechselwirkungen zwischen Subjekt und Gehirn sind unklar.
Es ist unklar, wie das Gehirn das Subjekt „erschaffen“ können soll oder wie beide sonst irgendwie "Kontakt" aufnehmen können sollen.
Es ist unklar, welche Aufgaben so ein Subjekt übernimmt und welche „Zuarbeit“ das Gehirn leisten muss.

Wer sagt, dass Subjekt und Gehirn unbedingt zwei verschiedene "Dinge" sind?
Ich als Subjekt kann denken. Du als Subjekt kannst auch denken. Grundlage dafür sind unsere Gehirne.
Wir können mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien (kurz: Internet) kommunizieren.
Zugegeben ein großartiger Vorgang und ein faszinierendes Phänomen. Aber: Wo ist das Problem? :shock:

SilverBullet hat geschrieben:Und, es gibt da noch eine kleine Zusatzfrage:
Was ist, wenn das Verstehen ganz anders zustande kommt, wenn man also gar kein Subjekt braucht, damit der Zusammenhang einer „subjektiven Perspektive“ eine Rolle spielt?

Bevor man also den Begriff „Subjekt“ nicht im Sinne der gesamten Kommunikationseinheit verwendet, sollte man klären, wie man "Verstehen" herstellt.

Wie oben schon gesagt:
Mein Problem ist, dass ich dich nicht wirklich verstehe.
Vielleicht können das andere besser und werden dir bestimmt noch antworten...
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