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Basale Veränderung des Weltbilds

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Nasobēm am Mi 9. Aug 2017, 16:14

Nach dem Spektrum-Artikel "Warum wir nicht glauben, was uns nicht passt" habe ich mich gefragt wie oft ich schon mein Weltbild komplett oder in wichtigen Teilen geändert habe. Dabei bin ich auf drei Mal gekommen. Das war teils mit Krisen verbunden und war immer ein Prozess, nie 'über Nacht'

Wer hat schon mindestens einmal eine basale Veränderung seines Weltbilds durchgemacht?
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon ruebennase am Mi 9. Aug 2017, 16:52

Ich. Sekündlich.
Jede Veränderung geht in kleinen Schritten vor sich, bevor sie als "basal" wahrgenommen wird.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon ice am Mi 9. Aug 2017, 18:43

Nasobēm hat geschrieben:Wer hat schon mindestens einmal eine basale Veränderung seines Weltbilds durchgemacht?

Ich habe in meinem Leben ein paar Mal mein Weltbild in wichtigen Teilen geändert/erweitert. Auslöser war jedesmal eine persönliche Krise nach Ereignissen, die zu beschreiben hier aber zu weit führen würde, weil das sehr ins Persönliche geht.

Wobei ein Ereignis habe ich ja schon in einem anderen Thread beschrieben - es war der frühe Krebs-Tod meines Vaters als ich 22 Jahre alt war. Damals war ich nur naturwissenschaftlich orientiert und hatte ein viel zu positives/ oberflächliches/ naives Weltverständnis und vom wirklichen Leben eben noch keine Ahnung.

Diese Veränderungen/ Erweiterungen passierten nie 'über Nacht‘, sondern waren auch jeweils ein Prozess, der mir erst im Nachhinein wirklich bewusst wurde, als sich die Wogen der Krisen wieder gelegt hatten und ich einen anderen/ differenzierteren/ abgeklärteren Blick auf die Welt bekam.

Dass diese Veränderungen meines Weltbildes wirklich basal (also fundamental/ grundlegend/ elementar) waren, würde ich aber bezweifeln. Es waren wie gesagt eher Erweiterungen nach persönlichen Lebenserfahrungen.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Godzilla am Mi 9. Aug 2017, 18:47

Meinst du eine Änderung im Bezug auf die komplette Wahrnehmung unserer Welt, oder lediglich eine Änderung der Ansichten, die "nur" für bedeutende Fragestellungen gilt.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon ice am Mi 9. Aug 2017, 20:18

@Godzilla: Wem stellst du diese Frage? Nasobēm oder mir?
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Godzilla am Mi 9. Aug 2017, 21:27

ice hat geschrieben:@Godzilla: Wem stellst du diese Frage? Nasobēm oder mir?

Hi, ich meinte Nasobem.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Nasobēm am Mi 9. Aug 2017, 23:09

Godzilla hat geschrieben:Meinst du eine Änderung im Bezug auf die komplette Wahrnehmung unserer Welt, oder lediglich eine Änderung der Ansichten, die "nur" für bedeutende Fragestellungen gilt.


Na ja, 'komplette Wahrnehmung'? - indirekt vielleicht... Um's mal konkreter zu machen, was ich meine. Ich bin mit 13 bei der SDAJ - der Jugendorganisation der DKP und später in die DKP - eingetreten und war dann bis ca. Anfang 20 dabei. Das war noch lange vor dem Mauerfall und mein 'Weltbild' war ein kommunistisches. Nach Schulungen in der DDR, vielen Gesprächen mit Leuten die ich bei Besuchen in der DDR kennen gelernt habe konnte ich zunehmend der Parteidoktrin nicht mehr folgen und habe auch angefangen zu bezweifeln, ob das Menschenbild so stimmen konnte, da jeder biologische Aspekt ausgeklammert wurde.

Das hatte insofern also (mit der Zeit) auch eine andere Wahrnehmung der Welt, als auch einer veränderten Vorstellung von mir selber zur Folge.
Diese Veränderung gehört für mich in eine andere Kategorie als allgemeine Erfahrungen die man 'sekündlich' so macht. Ich erinnere, dass ich nach den ersten Zweifeln anfing nach Widersprüchen zu suchen und gezielt meine Überzeugungen überprüft habe.
Diese Haltung scheint mir sowieso sinnvoll - eher widersprechende Informationen zu suchen und daran eigene Argumente zu testen.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Godzilla am Do 10. Aug 2017, 01:06

Danke für die Erklärung. Was mir nach einer kleinen Bedenkzeit einfiel:
Die Ablehnung des freien Willens. Ich hielt einen freien Willen früher für selbstverständlich, da beinahe jeder dies behauptete. Nachdem ich aber vermehrt darüber nachdachte, später auch ein wenig dazu las, halte ich einen freien Willen jedocht für ziemlich unwahrscheinlich.
Bezüglich der Politik auch:
Ich hielt in der Vergangenheit eine Mischung aus Aristokratie und Demokratie für das passende System eines Staates. Heute halte ich es nicht mehr für realisierbar.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon manniro am So 13. Aug 2017, 17:49

Nasobēm hat geschrieben:Nach dem Spektrum-Artikel "Warum wir nicht glauben, was uns nicht passt" habe ich mich gefragt wie oft ich schon mein Weltbild komplett oder in wichtigen Teilen geändert habe.


Wollte eigentlich schon im Ursprungsthread antworten, nehme stattdessen diesen aktuelleren.

Zunächst mal versucht wohl jeder, sein "Weltbild" konsistent zu halten, das heißt, neue Informationen auf Übereinstimmung mit den bisher gewonnenen zu untersuchen. Denn die zu erlangen war kein schließlich kein Kinderspiel, sondern ein mühseliger, langwieriger Prozeß, insbesondere wenn sie sich letztlich in der Konstruktion des eigenen "Welbildes" konstitutiv bewährt haben. Dessen Eckpfeiler wirft man nicht so einfach und ohne zwingenden Grund über Bord. Da müssen schon erheblich Zweifel am bisher für richtig gehaltenen her.

Deshalb ist auch der im verlinkten Artikel erhobene Pauschalvorwurf, "...an lieb gewonnenen Überzeugungen...festzuhalten" naiv bis lächerlich. Denn die hat man nicht "liebgewonnen", sondern sich mühsam erkämpft. Für die Allermeisten stellen sie überdies die Grenze des intelektuell Erfassbaren dar. Die Wenigen, die in der Lage sind, tatsächlich lebenslang zu lernen - und zwar im fundamentalen Sinne -, sind die absolute Ausnahme. Das sollten eigentlich gerade seriöse Wissenschaftler am Besten wissen. Denn da nimmt das Festhalten an den alten Paradigmen teilweise absurde Ausmaße an, nahezu jeder fundamentale wissenschaftliche Fortschritt mußte gegen den Widerstand der eigenen Kaste erkämpft werden. Aus nachvollziehbaren Gründen, denn die lebte schließlich ganz gut mit dem alten Modell.

Dieser Trend hat sich neuerdings leicht umgekehrt, heute erlangt man nur noch mit den gewagtesten - zum Teil auch unfaßbar blödsinnigen - Theorien mediale Aufmerksamkeit. Das liegt zum Einen an der Sensationsgeilheit der Medien und zum Anderen an der Flut der Uni-Absolventen in nahezu jedem Fachbereich, die sich, wenn sie nicht Kärnerdienste in einem industriellen Großprojekt leisten wollen, an irgendwelchen exotischen Forschungsprojekten mit meist schlechter Finanzierung beteiligen müssen. Beispielsweise an der luftarchäologischen Suche nach den Resten der "Arche Noah" auf dem Berg Ararat, der Rekonstruktion des "Aussehens von Jesus Christus" oder der Lösung des "Rätsels des Turiner Leichentuches". In anderen Fakultäten erfreuen sich neue Erkenntnisse über "dunkle Materie", "dunkle Energie", "Paralleluniversen" und "Zeitreisen" größerer Beliebtheit. Natürlich immer in der Hoffnung, den absoluten Überhammer zu landen.

Also, gemach, gemach bei heißgestrickten, "fundamentalen" Veränderungen des Weltbildes. Das Denken wurde schon vor längerer Zeit erfunden. :lol:

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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon idefix2 am Mo 14. Aug 2017, 13:49

Ich habe mein Weltbild eigentlich immer wieder grundlegend geändert, die ersten beiden male waren vielleicht die markantesten.

Das erste mal liegt schon sehr sehr lange zurück, und ich war damals mit der Erkenntnis sehr spät dran, so ca 6 jahre alt, als ich eigentlich ziemlich abrupt draufgekommen bin, dass Christkind und Osterhase nur Märchengestalten sind und diese beiden gemeinsam mit dem Lieben Gott und Jesus in die Schublade "Märchengestalten für kleine Kinder" abgelegt habe. Später hat es mich dann immer wieder verblüfft, das es allem Anschein nach Erwachsene gibt, die immer noch an die letztgenannten glauben.

Die zweite Veränderung war wesentlich langsamer und hat wohl mehr als ein Jahr in Anspruch genommen. Als Schüler und zu Beginn meines Studiums war ich extrem konservativ eingestellt. Als Student war ich kurze Zeit in der Hochschülerschaft als Vertreter der JES (Junge Europäische Studenteninitiative, eine damals neu gegründete, ganz reaktionäre Gruppierung) tätig. Das war allerdings der Anfang vom Ende meiner ultrakonservativen Einstellung, denn die haarsträubenden Inhalte, die auf diversen von dieser Gruppierung (nur für den inneren Kreis) organisierten Schulungen, Seminaren und Vorträgen verbreitet wurden, haben dann doch eine zu schwere Delle in meine Vorstellung von einem konservativen Weltbilds geschlagen und mich mehr oder weniger dazu gezwungen, die Unsinnigkeit mancher meiner Paradigmen einzusehen.
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon Godzilla am Di 15. Aug 2017, 00:03

idefix2 hat geschrieben:so ca 6 jahre alt, als ich eigentlich ziemlich abrupt draufgekommen bin, dass Christkind und Osterhase nur Märchengestalten sind und diese beiden gemeinsam mit dem Lieben Gott und Jesus

An den Weihnachtsmann glaubst du aber hoffentlich immer noch, oder?
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Re: Basale Veränderung des Weltbilds

Beitragvon idefix2 am Di 15. Aug 2017, 00:31

Den gab es damals bei uns noch nicht - d.h. eigentlich schon, nämlich den "Père Noël" in der Schule (ich bin in das Lycée Français de Vienne gegangen), aber mit der fremdländischen Tradition haben wir uns nicht so recht angefreundet. Der hat höchstens in Frankreich sein Unwesen getrieben, bis Österreich hat er es wahrscheinlich nicht geschafft, die Autos waren damals noch langsamer und die Autobahnen noch nicht so gut ausgebaut. :mrgreen:
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