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Terror und die neuen Herostraten

Habt ihr Gedanken, die mit anderen geteilt werden müssen?

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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Godzilla am Mo 17. Apr 2017, 21:07

Nur mal so:
Daran gedacht, dass eventuell richtige Prämissen irrelevant sind, wenn der daraus abgeleitete Schluss fehlerhaft ist?
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir!“ [Lukas 19:27]
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon idefix2 am Di 18. Apr 2017, 00:04

soynadie hat geschrieben:Was für ein Geseiere und Rumgeeiere...

Genau. Warum seierst du und eierst du denn rum?

soynadie hat geschrieben:Die Frage, ob es im Neolithikum einen Flaschenhals beim Y-Chromosom und einen Spike mit einem Verhältnis von 1 zu 16 oder 1 zu 12 oder was auch immer gegeben hat, ist vollkommen irrelevant für mein Argument.

Warum hast du diese ausgemacht schwachsinnige Interpretation dieser Studie dann überhaupt aufs Tapet gebracht, wenn es jetzt plötzlich "vollkommen irrelevant" ist? Das nenne ich jetzt seiern und rumeiern.

soynadie hat geschrieben:Mein Argument, falls einige es immer noch nicht geschnallt haben, basiert schlicht und einfach auf zwei Fakten
(a) Die "Streubreite" (wissenschaftlich: Varianz) des Reproduktionserfolges ist bei Männern größer als bei Frauen.
(b) Der Status eines Mannes, ob ohne (bei Wildbeutern) oder mit Kontrolle über Ressourcen, korreliert positiv mit seinem Reproduktionserfolg (gemittelt über verschiedene Kulturen und die gesamte Evolution des Homo sapiens).

zu a) Für diese unterschiedliche Varianz gibt es eine ganze Menge von möglichen Erklärungen, und die Story, die du dir dafür als Erklärung ausgedacht hast, gehört zu den dümmeren.
Es waren in der Geschichte der Menschheit überwiegend die Männer, die in Kriegen gekämpft haben. Und es hat sicher immer wieder Schlachten gegeben, bei denen der komplette männliche Nachwuchs einer Familie in die ewigen Jagdgründe, ins Paradies oder in die Hölle befördert worden ist. Bei Frauen war dieses Risiko sicher geringer, Töchter wurden eher nicht in die Schlacht geschickt. Über etliche Generationen hinweg könnte akkumuliert schon diese Asymetrie ausreichen, um die unterschiedlichen Varianzen zu erklären.

zu b) Das ist eine bloße mehrfach von dir wiederholte Behauptung, für die du noch keinerlei Belege gebracht hast. Und auch hier gilt: Ein etwas besserer Reproduktionserfolg bedeutet noch lange nicht, dass andere deshalb komplett "leer ausgehen" mussten. So führte etwa das "jus primae noctis" sicher zu einem etwas besseren Reproduktionserfolg des Landherren und damit zu einer etwas größeren Varianz des Reproduktionserfolgs bei Männern als bei Frauen, und das völlig ohne die von die behauptete evolutionäre Selektion von Verhaltensweisen.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Bergamotte am Di 18. Apr 2017, 11:13

soynadie hat geschrieben:Die Frage, ob es im Neolithikum einen Flaschenhals beim Y-Chromosom und einen Spike mit einem Verhältnis von 1 zu 16 oder 1 zu 12 oder was auch immer gegeben hat, ist vollkommen irrelevant für mein Argument.
Irrelevant ist jedoch nicht, dass deine abartigen Polygynie-Behauptungen Chemtrail- oder Kreationismus-Niveau waren. Wer so einen Unsinn erzählt, der braucht sich nicht zu beschweren, wenn er debunked wird.
soynadie hat geschrieben:Mein Argument, falls einige es immer noch nicht geschnallt haben, basiert schlicht und einfach auf zwei Fakten
(a) Die "Streubreite" (wissenschaftlich: Varianz) des Reproduktionserfolges ist bei Männern größer als bei Frauen.
(b) Der Status eines Mannes, ob ohne (bei Wildbeutern) oder mit Kontrolle über Ressourcen, korreliert positiv mit seinem Reproduktionserfolg (gemittelt über verschiedene Kulturen und die gesamte Evolution des Homo sapiens).

Will man also mein Argument unterminieren, dann muss man nur zeigen, dass (a) und (b) falsch sind.
Also nochmal:
Welcher Wissenschaftler / welche Studie zeigt, dass (die gesamte biologisch-kulturelle Evolution des Menschen betreffend) (a) und (b) falsch sind, dass also gilt:
Es kommt aber entscheidend auf die Stärke von (a) und (b) an. Darüber befinden wir uns noch ziemlich im unklaren, außer dass zumindest bzgl. (a) die Realität bei weitem nicht so dramatisch ist wie nach deinen schwachsinnigen Behauptungen.

Du solltest auch mal grob angeben, was für ein Prozentsatz von Amokläufern denn unter deine Theorie fallen. Der hoch dekorierte US-Marine und erfolgreiche Student und Ehemann Charles Whitman stieg 1966 auch auf den Turm der Universität von Texas in Austin und fing an Menschen abzuknallen. Möglicherweise war's sein Hirntumor. Aber schwer zu glauben, dass es "Losertum" und Drang nach höherem Status war.

Und generell ist dein letzter Post auch wieder nur Umkehrung der Beweislast: Wir sollen widerlegen anstatt dass du, der du hier eine Theorie aufstellst, belegst.

Das ist so ähnlich wie:
soylentgreenadie hat geschrieben:Mein Argument, warum 40% der Promotionen in Chemie aber nur 20% in Physik von Frauen erlangt werden, basiert, falls einige es immer noch nicht geschnallt haben, schlicht und einfach auf zwei Fakten:

(a) Frauen haben während der gesamten Evolution des Menschen primär gekocht und dagegen sehr selten mit Speeren oder Pfeil & Bogen Großwild erlegt.
(b) Ein Gefühl für das Dosieren und Mischen von Substanzen ist beim Kochen von Vorteil. Ein Gefühl für Raum und Zeit ist beim Erlegen von Großwild von Vorteil.

Will man also mein Argument unterminieren, dann muss man nur zeigen, dass (a) und (b) falsch sind.
Also nochmal:
Welcher Wissenschaftler / welche Studie zeigt, dass (die gesamte biologisch-kulturelle Evolution des Menschen betreffend) (a) und (b) falsch sind, dass also gilt:

(c) Frauen und Männer haben – ganz generell – in GLEICHEM Umfang gekocht und Großwild erlegt.
(d) Ein Gefühl für das Dosieren und Mischen von Substanzen ist beim Kochen NICHT von Vorteil und ein Gefühl für Raum und Zeit ist beim Erlegen von Großwild NICHT von Vorteil.

Also : mal endlich Karten auf den Tisch. WER behauptet ernsthaft (c) und (d) ?
(abgesehen von den üblichen Nobelpreisanwärtern hier am Grummelgreisenstammtisch...)
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Nasobēm am Di 18. Apr 2017, 18:44

Bergamotte hat geschrieben:
soylentgreenadie hat geschrieben:...
(a) Frauen haben während der gesamten Evolution des Menschen primär gekocht und dagegen sehr selten mit Speeren oder Pfeil & Bogen Großwild erlegt.
(b) Ein Gefühl für das Dosieren und Mischen von Substanzen ist beim Kochen von Vorteil. Ein Gefühl für Raum und Zeit ist beim Erlegen von Großwild von Vorteil....

:lol:

ich hab mal versucht, die Diskussion von Anfang an umzugraben, um zu versuchen die Beweggründe dahinter zu verstehen.
Im Eingangsbeitrag geht es um
soynadie hat geschrieben:… Amokläufern und Terroristen, … Terror um seiner selbst willen … Methode, groß raus zu kommen .. Spuren ... hinterlassen. …

Und den (angeblichen)
soynadie hat geschrieben:… … Fehler … hinter jedem Terrorakt ein ideologisches Motiv [zu] suchen.

Als Begründung, dass es eben „groß raus kommen und Spuren hinterlassen“ und nicht Ideologien hinter dem Terror stehen:
soynadie hat geschrieben:… Denn wären Ideologien das Entscheidende, dass müssten Frauen wie Männer gleichmaßen zu Terroristen werden. So aber sind es fast immer junge männliche Loser, …

Diese Verknüpfung ist nicht statthaft und auch kein Beleg. Vielleicht sind Frauen weniger anfällig für Ideologien? Vielleicht haben Frauen Kinder/oder wollen welche die über Ideologien stehen?

Schon auf der ersten Seite wendet manniro ein:
manniro hat geschrieben:... nicht das Motiv für Taten, sondern es handelt sich meist um ein ganzes "Motiv-Bündel", dessen Einzelaspekte wechselweise dominieren, oder auch gleichzeitg als eine Art emotionaler "Getriebenheit" erlebt werden, die sich in Form geistigen Wirrwarrs manifestiert.
(unterstrichen von mir)
Jürgen Fink führt auch andere Motive an:
Jürg Fink hat geschrieben:… im Wahn, sie würden a) direkt ins Paradies kommen b) als Märtyrer verehrt werden und c) die Liebesdienste der willig auf sie wartenden Jungfrauen geniessen können…

Laut soynadie wären Paris Hilton und Co was anderes (Histrionikerin), Selbstmordattentäter bzw. Herostrate…
soynadie hat geschrieben: … fast immer Männer. Es geht ihnen nicht um eine Sache, sondern darum, ihren Namen ins kollektive Gedächtnis einzugraben. …

Was mit „fast immer“ gemeint ist bleibt hier im Dunkeln.
Wobei ich 15 % gar nicht so wenig finde, zumal sie anscheinend wesentlich erfolgreicher sind als ihre männlichen Mitattentäter: „Selbstmordattentäter sind nicht ausschließlich Männer. Laut einem Bericht der US-Armee von 2011 waren Selbstmordattentäterinnen für 65 % der erfolgreichen Attentate verantwortlich, obwohl nur 15% der Attentäter Frauen waren…. (https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstmordattentat)

Einwände kontert soynadie kurz und knapp, z.B. manniro’s Einwand
manniro hat geschrieben:… die Motive eher im defizitären Bereich suchen, …

Wird mit
soynadie hat geschrieben:Defizite per se führen zu gar nichts. Wer einfach nur das Gefühl hat, er sei wertlos und das Leben sinn- und hoffnungslos, der wird schlicht depressiv. Punkt.

abgekanzelt. (Hier fällt mir auf, dass das Wort ‚schlicht‘ von bestimmten Benutzern gerne benutzt wird um die Dämlichkeit der anderen hervorzuheben, so Offensichtliches nicht erkannt zu haben)

Es folgt ein wenig Geplänkel, bis zur nächsten tiefgreifenden Analyse von soynadie:
soynadie hat geschrieben:In jeder Gesellschaft gibt es Wettbewerb, ob nun um Ressourcen, um Frauen, um ….

Hier musste ich ein wenig lachen, … ‚Frauen und andere Minderheiten‘…
Frauen spielen in diesem Spiel mit. Sie nehmen andere Position ein, spielen vielleicht anders, aber sie als einen passiven Punkt in einer Aufzählung zu sehen? – imo ziemlich chauvinistisch.

soynadie hat geschrieben:… Hier waren sie Nobodys, Kleinkriminelle, Außenseiter. Dort sind sie auf einmal Mitglieder der aktuell am meisten gefürchteten Terrormiliz der Welt …

Ähm, nein, nicht so generell. „Sie waren nicht mittellos, sondern stammten überwiegend aus der Ober- und Mittelschicht. Sie wuchsen auch nicht in problematischen Verhältnissen auf, sondern in intakten, liebevollen, nur schwach religiösen Familien. Traumatische Erlebnisse fand Sageman nur sehr wenige. Mehr als 60 Prozent der Terroristen besaßen eine Collegeausbildung. Es gab unter ihnen keine bereits zuvor gewalttätigen Kriminellen und weniger Personen mit psychotischen Symptomen als in der Allgemeinbevölkerung.“ (https://www.psychologie-heute.de/news/g ... t_kopie_1/)

Danach geht es eher um Identitätssuche.
soynadie hat geschrieben:..., warum 97% der Amokläufer männlich sind, ...

Sagt wer? Und wo sind die Terroristen geblieben?
soynadie hat geschrieben:
Atheos2011 hat geschrieben:
soynadie hat geschrieben:Der Herostrat hingegen strebt nach "Größe", er möchte seine Spuren hinterlassen.

Nicht er sondern seine Gene wollen, dass er Spuren hinterlässt.

Richtig.

Gene 'wollen' Spuren hinterlassen? Echt? Das glaubt ihr? wow! :D

soynadie hat geschrieben:Genetiker haben errechnet, dass sich im Laufe der Evolution etwa doppelt so viele Frauen wie Männer fortgepflanzt haben, in Zahlen etwa 80 zu 40 Prozent. Das heißt, (a) dass die meisten Männer, die je gelebt haben, in Sachen Reproduktion nicht zum Zuge gekommen sind; (b) dass unter Männern ein viel höherer Konkurrenzkampf besteht, zu diesen 40% zu gehören, als unter Frauen.

Ähm, nein. Der Schluss, dass diese Zahlen auf einen höheren Konkurrenzkamp zurückzuführen sind ist nicht zwingend, von den Autoren auch nicht angedeutet. Sie schreiben: „we favor a hypothesis whereby sex-specific demographic processes act to reduce the male breeding population size” – das nenne ich doch ein wenig zurückhaltender.
soynadie hat geschrieben:Soziale Isolation, eine tiefe Depression und der große Wunsch nach Ruhm. Das sind die Merkmale, die die meisten Amokläufer teilen. So lautet das Ergebnis einer Studie, die US-Psychologen jetzt vorgestellt haben….
Siehe unter http://www.welt.de/gesundheit/psycholog ... ufern.html
QED

:D so, so QED. Folgt man dem Link bei N24 kommt man zu einer Mitteilung über einen Psychologenkongress bei dem „Johnston and her coauthor, Andrew Joy“ eine ‚Studie‘ vorgestellt haben. Ok, warum nicht. Aber trotz meiner Suche – was ja eigentlich die Aufgabe des Quellengebers wäre – konnte ich keine Peer-Review Studie bei z.B. pubmed finden. Ich konnte die Namen überhaupt nicht finden. Und bei so was hätte ich mir doch ganz gerne mal die Datenlage angeschaut.

Ab Seite 5 hagelt es dann Links zur Untermauerung der These – die sich inzwischen nur noch allg. Amokläufer umfasst. Die Terroristen haben sich irgendwie verflüchtigt.
Den Ernst der Lage kann man auch daran erkennen, dass in zwischen alle gesietzt werden. Aber was soll’s.
Noch ne Studie:
Lankford, Adam (2016): Fame-seeking rampage shooters: initial findings and empirical predictions. In: Aggression and Violent Behavior 27, S. 122-129.
Wobei er allerdings auch anderes schreibt:
… behavior and psychology, suicide terrorists are much like others who commit conventional suicides, murder-suicides, or unconventional suicides where [url]mental health problems, personal crises, coercion, fear of an approaching enemy, or hidden self-destructive urges play a major role[/url]. I also identify critical differences between suicide terrorists and those who have genuinely sacrificed their lives for a greater good” (Behav Brain Sci. 2014 Aug;37(4):351-62. doi: 10.1017/S0140525X13001581. Epub 2014 May 15.Précis of the myth of martyrdom: what really drives suicide bombers, rampage shooters, and other self-destructive killers.


Gegen Ende von Seite 5 fängt es dann echt mit der Fortpflanzung an. Männer kamen also kaum zum Zuge- weil kein Status. Das wird als DER Selektionsdruck eingeführt.
Dass das aber ziemlich sicher nur einer der möglichen Gründe ist tut nichts zur Sache. Was nicht zur These passt, wird negiert.
So fängt das schon bei der höheren Kindersterblichkeit bei Jungs an. Noch heute haben männliche Babys ein 24% höheres Sterberisiko als weibliche – wohl gemerkt in westlichen Ländern. Wie wird das vor 8000 Jahren ausgesehen haben? Da lag die Kindersterblichkeit allgemein sehr hoch - 47 % starben vor Erreichen der Pubertät. Da macht ein größerer Jungenanteil schon was aus.
Dann hatten Jungs und Männer schon durch ihre ‚Arbeit‘ höhere Verletzungs- und damit Todesrisiken. Jagen, Kriege, abstruse Rituale. All so was spielt aber keine Rolle.
soynadie hat geschrieben:…Eine Frage konnte mir im Verlauf des Threads niemand beantworten: Warum sind diese Amokläufer/ Herostraten fast immer junge Männer? Insbesondere wenn man bedenkt, dass es ebenso viele frustrierte junge Frauen oder ältere Männer gibt? Nein: Fast immer junge Männer. Seltsam, oder?
Es ist ziemlich billig, meine Theorie als "just-so-story" abzutun, wenn man keine Idee hat, dieses Phänomen mit einer besseren Theorie zu erklären.

Zum einen sind es zwar oft junge Männer, aber eben nicht nur.
Dann gibt es sicher biologische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen / Frauen und Männern wobei man die eben nur schwierig experimentell untersuchen kann. Was bei den Unterschieden also genau „Nature“ und was „Nurture“ ist kann meist nicht genau bestimmt werden. Aber es gibt Hinweise.

Den Versuch den Islam ‚rein‘ zu waschen und die Beweggründe von Terroristen an psychologische Besonderheiten zu tackern wird dem Problem nicht gerecht. Jugendliche Amokläufer sind psychisch kranke Jugendliche/junge Erwachsene. Wahrscheinlich ist der gleiche Prozentsatz auch bei terroristischen Selbstmordattentätern zu finden und da wird auch der Wunsch nach Ruhm bei den verqueren Begründungen dabei sein.
Dann gibt es die erpressten Menschen, deren Familie z.B. als Geiseln gehalten wird, Menschen die keinen Ausweg sehen und die wissen, dass ihre Angehörigen versorgt sind, wenn sie sich in die Luft blasen und der Rest sind unterschiedlich gehirngewaschene Leute die mit dem Märtyrer-Status, den Jungfrauen , irgendwelchen Paradiesen, Rache und weiß der Geier was noch geködert werden.

Der Wunsch nach einfachen Erklärungen ist ja nicht nur in diesem Faden zu sehen. Einen Punkt herausgreifen und das muss es dann sein. Manchmal ist es – wie hier – noch ein Teil der Erklärung und manchmal geht’s völlig daneben – wie im Fall ‚Gruppenselektion‘. Denn nur, weil sich was ‚einfach‘ und 'logisch' anhört, heißt das nicht, dass es so ist.

Der größte Fehler besteht darin sich in einen Gedanken zu verlieben und dann nur noch nach Bestätigungen für diesen Gedanken zu suchen. Während meiner Ausbildung habe ich gelernt, gerade dann nach Widerlegungen zu suchen. Scheint bei Psychologen anders zu sein. :roll:
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Mi 19. Apr 2017, 14:32

Nasobēm hat geschrieben:ich hab mal versucht, die Diskussion von Anfang an umzugraben, um zu versuchen die Beweggründe dahinter zu verstehen.

Wurde ja auch Zeit! Wir haben uns alle schon gefragt: Wo bleibt bloß Nasobem, und klärt uns endlich auf...

Ich habe zwar den zwei Meter langen Beitrag nicht gelesen, aber ich bin mir sicher, dass unser verehrter Forenoberstabsbiologe bei seiner Grabungsaktion alle offenen Fragen dieses ebenfalls viel zu langen Threads (mea culpa!) in bewährt kompetenter Weise letztgültig geklärt hat.
Chapeau!
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

Vor ein paar Tagen ging wieder so eine putzige Geschichte durch die Medien: Ein Typ in den USA kündigt auf Facebook einen Mord, geht dann hin und ermordet tatsächlich einen x-beliebigen Passanten, filmt die Tat, stellt diese bei Facebook online und prahlt damit, schon 12 andere Leute ermordet zu haben (was nicht stimmt).
Kurz: Er bringt einen Mann um, der ihm nix getan hat, offensichtlich NUR um damit bei Facebook angeben zu können...
Es mag an meinem nicht mehr sehr guten Gedächtnis liegen (tja, das Alter!), aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine ähnliche Geschichte mit einer Frau in der Rolle des publicitysüchtigen Arschlochs gelesen habe...
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

Zum Schluss habe ich noch ein kleines Leckerli für unseren Bergamotte, der so gerne in seinen schlaflosen Nächten Studien zerfleddert, in denen Ausdrücke vorkommen wie "variance in reproductive success" oder "effective population size" :
http://journals.plos.org/plosgenetics/a ... en.1000202
Viel Spaß dabei !
<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Godzilla am Mi 19. Apr 2017, 16:10

Nicht lesen, munter weitermachen. Nicht riskieren, dass Gegenargumente aufkommen könnten.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Mi 19. Apr 2017, 16:22

Lieber Godzilla, "Gegenargumente" kommen IMMER auf.
Die Frage ist nur, ob sich die ganze Mühe lohnt...
Anders gefragt:: Hat JEMALS hier im Forum jemand einen anderen durch "Gegenargumente" überzeugt?

Was ist wohl unwahrscheinlicher: Dass eine Frau jemanden umbringt, um damit auf Facebook zu prahlen, oder dass jemand hier beim Stammtisch der Grummelgreise sagt: Oh, das hatte ich nicht bedacht! Ja, du hast recht, ich lag völlig falsch!
:lol:
Aber der Vollständigkeit halber sage ich es und bekenne unumwunden:
Ja, Nasobem hat natürlich in allen Punkten recht. Meine Argumentation fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ich wurde diskursiv mattgesetzt und schleiche mich gebeugt von dannen.
Sorry an alle, denen ich mit meinen dämlichen Theorien die wertvolle Restlebenslaufzeit gestohlen habe.
Wird nicht wieder vorkommen.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Godzilla am Mi 19. Apr 2017, 16:33

Warum sollte man bei fehlerhaften Aussagen nicht revidieren? Ich glaube die meisten Menschen hier sind dazu befähigt.
Und dass du Nasobem`s Beitrag belächelst, ohne ihn gelesen zu haben ist auch nicht besonders sinnvoll.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Nasobēm am Mi 19. Apr 2017, 17:35

soynadie hat geschrieben:Wurde ja auch Zeit! Wir haben uns alle schon gefragt: Wo bleibt bloß Nasobem, und klärt uns endlich auf...

„Plural der Hoheit“ :lol: und ja, tschuldigung, hab nicht immer die Zeit...

soynadie hat geschrieben:Ich habe zwar den zwei Meter langen Beitrag nicht gelesen,...

gut für dich! Wozu Überzeugungen gefährden! So kommen wahrscheinlich auch die, oft reichlich verqueren, Interpretationen der verlinkten Artikel zustande. Die Überschrift, das Abstract - das muss genug sein für solch "Stammtisch der Grummelgreise". Bild
Im übrigen empfehle ich bei Konzentrationsschwäche Vitamin B12 :lol:

soynadie hat geschrieben:... verehrter Forenoberstabsbiologe ...
neidisch, so als 'Forumspsychologe'? und Verehrung ist echt nicht nötig.Bild


Kleiner Tipp... nochmal gut lesen...
"A number of evolutionary forces may be responsible for increasing the effective population size of X-linked versus autosomal loci...While it is possible that multiple processes acting together might lead to a major effect...we hypothesize that a higher variance in male versus female reproductive success ... Future theoretical work examining..." (fett von mir)

Wissenschaftliche Ausdrucksweise ist in der Regel vorsichtig und macht deutlich, dass es um Interpretationen von Daten geht. Monokausale Erklärungen sind - besonders in der Biologie - eher selten. Und nach meinem Eindruck wird hier oft gar nicht generell deinen Argumenten widersprochen sondern der Ausschließlichkeit die dabei von dir behauptet wird. Das lässt vermuten, dass jemand wissenschaftliches Arbeiten fremd ist und meist populärwissenschaftliche Quellen genutzt werden. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die wissenschaftlichen Artikel noch schnell dazu gesucht, aber nicht wirklich gelesen werden - und weiter zugrunde liegende Arbeiten schon gar nicht.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon soynadie am Do 20. Apr 2017, 20:40

Nasobēm hat geschrieben: Das lässt vermuten, dass jemand wissenschaftliches Arbeiten fremd ist und meist populärwissenschaftliche Quellen genutzt werden. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die wissenschaftlichen Artikel noch schnell dazu gesucht, aber nicht wirklich gelesen werden - und weiter zugrunde liegende Arbeiten schon gar nicht.


Das stimmt. Ich kann weder wissenschaftlich denken, noch kann ich wissenschaftliche Arbeiten überhaupt verstehen. Ich verlinkte sie immer nur, ohne auch nur einen Schimmer zu haben, was ich da eigentlich tue.
Es ist ein Skandal, und ich bitte nochmals um Verzeihung, dass ich Sie all die Jahre so getäuscht und genervt habe.
Ich werde Sie in Zukunft nicht mehr mit meinen dämlichen Beiträgen belästigen.
Sie sind nun wieder unter sich.
Gruß
Matias (alias soynadie)
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Bergamotte am Do 20. Apr 2017, 20:42

soynadie hat geschrieben:Vor ein paar Tagen ging wieder so eine putzige Geschichte durch die Medien: Ein Typ in den USA kündigt auf Facebook einen Mord, geht dann hin und ermordet tatsächlich einen x-beliebigen Passanten, filmt die Tat, stellt diese bei Facebook online und prahlt damit, schon 12 andere Leute ermordet zu haben (was nicht stimmt).
Kurz: Er bringt einen Mann um, der ihm nix getan hat, offensichtlich NUR um damit bei Facebook angeben zu können...
Es mag an meinem nicht mehr sehr guten Gedächtnis liegen (tja, das Alter!), aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine ähnliche Geschichte mit einer Frau in der Rolle des publicitysüchtigen Arschlochs gelesen habe...
Eine Frau die sich sicherlich qualifizieren würde, wäre Joanna Dennehy: "I'm going to be a serial killer - I'm going to be famous" (aber ich weiß natürlich nicht, ob dein Gedächtnis noch reicht um sich an 2014 und so zu erinnern).

Ich denke, Verbrechen, wo das Motiv des fame-seekings so eindeutig klar vorliegt, wie bei Dennehy und dem besagten Facebook-Mörder Steve Stephens sind generell sehr selten. Meist muss man es sich aus dem Kontext um die Tat(en) erschließen.

Bei 3,5 Milliarden Frauen auf diesem Planeten gibt es natürlich genügend andere Beispiele, aber wie gesagt 100%-ig eindeutige wie die beiden angesprochen sind schwer zu finden, jedoch auch bei Männern.

Ein weiterer Fall wäre Valérie Gignac, aka "QUEEN SH0CKA", einer kanadischen Hackerin und Gründerin von viphacking.net (mittlerweile gebusted), ein Hacking-Board mit 35.000 Mitgliedern. Die ist zwar keine schwere Straftäterin, aber definitiv ein richtiges Arschloch und recht wahrscheinlich publicity-süchtig (zumindest bezogen auf ihre Subkultur). Sie hackte sich in viele Privatcomputer mit Webcam ein, hörte allerlei privates ab und terrorisierte die Leute, spielte ihnen u.a. hardcore Pornos vor, sogar Kindern. Die lustigen Videos, die sie über die Webcams aufnahm, und die die Opfer natürlich entsprechend bloßstellten, lud sie schließlich bei YouTube hoch.

Bei so Fällen wie India Kirksey, die Februar 2017 ihren vierjährigen Sohn sexuell missbrauchte und das ganze für die Öffentlichkeit live-streamte, oder bei Marina Lonina, die die Vergewaltigung einer "Freundin", die sie nach Aussage des Opfers auch "in die Wege leitete", kichernd live-streamte könnte man dieses Motiv zumindest plausibel annehmen.

Posieren wie ein Amokläufer in spe tut Marina Lonina bereits, vielleicht wird das noch was:
Spoiler:
Bild
Ganz wie die "großen" (Joanna Dennehy):
Spoiler:
Bild
(wobei dieser Fantasy-Dolch sicher nicht die Tatwaffe war :mrgreen: )
soynadie hat geschrieben:Zum Schluss habe ich noch ein kleines Leckerli für unseren Bergamotte, der so gerne in seinen schlaflosen Nächten Studien zerfleddert,
Ich zerfleddere keine Studien, ich debunke den gaga-Unsinn (bizarre Fehlinterpretationen von Studien), den du hier verbreitest.

Und mit dem Anschreiben der Wissenschaftler, die bei der Studie tatsächlich beteiligt waren, habe ich schon mehr Recherchearbeit in diese Posts gesteckt als deine Autoritäten wie Axel Meyer oder Roy Baumeister in ihre populärwissenschaftlichen Bücher. Also, was für ein Problem hast du eigentlich?

Übrigens hat mittlerweile auch mit reichlicher Verspätung Frau Dr. Wilson Sayres geantwortet und hat genauso bestätigt, dass Axel Meyers Aussagen eine groteske Fehlinterpretation ihrer Studie darstellen.
soynadie hat geschrieben:in denen Ausdrücke vorkommen wie "variance in reproductive success" oder "effective population size" :
http://journals.plos.org/plosgenetics/a ... en.1000202
Viel Spaß dabei !
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Ja und? Ich finde da nirgends eine Abschätzung, wie stark die Polygynie unter Menschen denn jetzt genau sein soll. Willst du nicht mal eine Studie posten, die da konkrete Werte liefert?

Wie schon mehrfach erwähnt: aus einem Verhältnis der effektiven weiblichen zu männlichen Populationsgröße Nf / Nm = n folgt nicht, dass es in jeder Generation n-mal so viele Mütter wie Väter gab. Denn diese Statements sind nicht nur was vollkommen anderes, es gibt zwischen beiden nicht einmal eine direkte logische Verbindung. Siehe hier:
Hammer et al. hat geschrieben: This method produces similar results to those described above, with estimates of the ratio of female to male effective population size ranging from 1.8 in the San to 14.0 in the Basque (Table S3).
Glaubst du, dass über die Geschichte hinweg 13 von 14 Basken-Männern leer ausgingen und einer von 14 einen Harem von 14 Frauen hatte? (wobei, du glaubst das womöglich :mrgreen: )

Dass es wahrscheinlich ist, dass keine perfekte "genetische Monogamie" über die Menschheitsgeschichte hinweg existierte, und mehr sagt die Studie nicht aus, bezweifelt doch niemand. Nur brauchst du halt eine starke Polygynie (also etwas wie 2:1), damit dein Argument für deine Generalerklärung, was hinter Amokläufen steckt, wenigstens in die Gänge kommt.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon Nasobēm am Do 20. Apr 2017, 21:04

und so ganz nebenbei... Sex und Nachkommenschaft ist beim Menschen nicht identisch. :? und Mittel zur Empfängnisverhütung gibt's auch nicht erst seit gestern.
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Re: Terror und die neuen Herostraten

Beitragvon vonundzu am So 2. Jul 2017, 19:04

Im Grunde genommen geht es hier um Geltungsbedürfnis und Anerkennung. Wobei ein Erfolg davon abhängig ist, welche Möglichkeiten jemand hat, der auf sich aufmerksam machen will. Hier liegt für mich begründet, warum Menschen an einen Gott glauben. Besonders bei Kreationisten und anderen Sekten ist es deutlich, wie sehr man sich selber in ein eigenes Universum flüchtet, um sich von anderen abzuheben. Dafür muss man also nicht selber aktiv werden, sondern man fühlt sich in dieser Gemeinschaft bestätigt, ohne eigenes Zutun. Ebenso ist es bei Muslimen, die sich in ihrer Masse stark fühlen, aber leider dazu verleiten lassen, gewaltsam gegen andersdenkende vorzugehen, um sich über diese zu erheben. Dabei ist es ihnen egal ob sie dafür töten müssen. Deren abnorme Vorstellungen sind ja durch den Koran gedeckt. So meinen sie jedenfalls. Wer sich auf keine ideologische Ebene begibt und trotzdem Aufsehen erregen will, der greift dann zu außergewöhnlichen Mitteln bis hin zu völlig irren Aktionen. Auslöser für all diese Aktionen ist schließlich die gesellschaftliche Normierung und Vorgaben der jeweiligen Gemeinschaft. Nur dort wo Menschen im Einklang mit ihrer Umwelt leben, gibt es keinen Terror oder sonstige irre Taten.
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