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Steinerei

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Steinerei

Beitragvon Nergal am Do 17. Okt 2013, 22:10

Hat wer Lust auf das Probelesen meiner Roman bzw. Kurzgeschichtenversuche?

Also Kommissar Stein usw. gelegentlich Cthulhuartige Sachen.
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Re: Steinerei

Beitragvon Altesäckin am Fr 18. Okt 2013, 10:07

Cthulhuartige Sachen? Unbedingt!
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Fr 18. Okt 2013, 16:52

Okay dann mal los.

Die Kerzen brannten, und erleuchteten einen kleinen Teil des, mit Modergeruch gefüllten, Gewölbes gerade so weit dass die durch Kutten verborgenen Gestalten arbeiten konnten.
Auf den steinernen Boden malten sie mit Kreide uralte Symbole, abstoßende Wesen, Glyphen einer längst verrotteten Sprache, angeordnet um einen krude gezogenen siebenzackigen Stern. Zuletzt setzten sie sich an die Spitzen dieser Zeichnung und einer von ihnen schlug ein Buch auf, ein mit Leder und Eisen gefesselter und von den Jahrhunderten vernachlässigter Foliant, befüllt mit Bildern fremdartiger Welten und Kreaturen, nicht faßbaren Diagrammen und geometrischen Formen. Zäh floßen jenem der das Buch hielt die keiner menschlichen Zunge entlehnten gesungenen Klänge aus dem Mund und alle anderen widerholten sie. Siebenmal wurde der selbe Absatz aufgesagt und dann wurde es still.
Die Verhüllten Gestalten blickten um sich, horchten in die Finsternis ob sie nicht etwas vernehmen würden, standen schließlich auf und schritten umher, und dann geschah es.
Erst war es kaum zu bermken, ein leichtes vibrieren, doch es wurde stärker, schneller, verdichtete sich zu einem Beben des Bodens das Jeden von den Beinen riss. Der Raum war nun gesättigt mit einer unnatürlichen Helligkeit, alles schien aus sich zu leuchten, die Luft hatte beinahe eine greifbare, körperliche Qualität angenommen, starke Hitze, gefolgt von stechender Kälte wuchs aus dem Zentrum des Kreidebilds in alle Richtungen. Der siebenzackige Stern selbst war inzwischen in blaue Flammen aufgegangen, verformte sich wider jede Vernunft, nahm die entstellten Züge unsagbar häßlicher Gestalten an und verlosch zuletzt unter lautem zischen.
Nun, mit einem gedehnten und verzweifelten Schrei zerrissen Raum und Zeit und gaben den Weg frei für das was dort auf der anderen Seite der Realität wandelt, wahnsinn zeugt und von Schreck sich nährt.
Das „Ding“ kroch heraus und füllte jeden Winkel des Gewölbes in das man es gerufen hatte, es war derart gewaltig, es schien als hätte es die Welt verbogen um hier Platz zu finden.
Es war weit jenseits dessen was von Menschen erdachte Worte zu beschreiben vermögen, unförmig doch trotzdem einer kranken Ästhetik folgend, in Farben die es nicht geben sollte, durchbrochen von Klauen, Zähnen und Dingen für die kein Name existierte.
Ein Auge, so groß wie ein Haus und so tief wie die Unendlichkeit selbst, zuckte in der Mitte der Masse und warf durchdringende Blicke durch Stein und Fleisch, ein in Äonen geschmiedeter ausserirdischer Intellekt schaute durch diese pulsierende Sphäre, und fokusierte sie auf die Jenigen die ihn geholt hatten.
Dann sprach es, doch war es nicht wirklich Sprache sondern ein Gewaltakt, Buchstaben und Wörter, irdische Laute, geschändet, geschlachtet erzeugt durch die unbarmherzige Wucht und Schärfe einer anderen Welt, doch es war verständlich:
„Ich bin Yoc’Tsugotwah der, der die Leere bringt, ich bin einer der äußersten Götter. Ihr habt mich beschworen und das Ritual von Udran vollzogen, nun nennt mir die Namen eurer Feinde und ich werde ihr Fleisch zerreißen und ihre Seelen trinken.“

Die Sieben in den Kutten blickten sich an, dann schrie der kleinste unter ihnen:
„Heilige Scheiße, das hat wirklich funktioniert!, alter ich fass es nicht!“
Der Rest zog die Kutten zurück und man konnte erkennen dass es sich um Jugendliche irgendwo im Alter zwischen 12 und 19 jahren handelte, teils der Metal-Szene zugehörig, Paul der welcher eben ausgezuckt war, war vieleicht 13 und trug ein pokemon T-Shirt . Die restlichen Teenager waren schlagartig sehr bleich geworden, traten zusammen und berieten sich kurz und leise.
Mike, jener der aus dem Buch gelesen hatte und als Anführer gelten konnte antwortete schließlich unter strakem schwitzen und wild gestikulierend:
„Ey Man, also wir haben nicht gedacht dass das überhaupt klappt, heut war nichts im Fernsehn, draussen regnets und da hab ich gemeint wir könnten das alte Buch von meim Opa... schließlich hat sich das mit dem Lateinlernen mal ausgezahlt, ne. Also nix für Ungut Du kannst wieder Heim, danke nochmal fürs vorbeikommen und...“
Yoc’Tsugotwahs Erwiderung brannte durch den Raum und ließ den Boden schwanken:
„Kein Ding darf das Ritual begehen und dessen Sinn entweihen, am Ende muß der Tod seiner Feinde stehen, oder es wird sein eigener Tod sein!“
Von der Treppe her hörte man:
„Michi, seid ihr Jungs in Ordnung? Macht ihr eh keinen Unsinn da unten im Keller?“
Mike wandte sich zitternd und mit gebrochener Stimme nach oben:
„Alles okay Mutti, mach Dir keine Sorgen!“
Paul meldete sich wieder:
„Wir könnten die drei Schläger aus der 2b, die die mich immer vermöbeln, killen lassen, das wärs doch.“
Mike : „Du Paul, ich glaub so was sollte man lieber ausdiskutieren...“
„Oder wir lassen ein paar Diktatoren über die Klinge springen.“
Fügte ein Junge mit einem auffälligen Nasenring hinzu.

„Moment mal! Seht euch das an.“
Max, ein hochgewachsener Horbrillenträger hatte sich im Durcheinander das Buch genommen und die Stelle zum Ritual studiert.
„Hier steht zwar dass das Ritual der Vernichtung der Feinde dient und dass Leben gefordert werden soll, aber es kann auch so genutzt werden dass wir, die wir das Ritual getan haben, Leben fordern können daher also etwas lebendiges!“
Der Gott beugte seine gewaltige Masse vor, packte das Buch mit einer Art Pseudopodium und führt es vor sein Auge, nach wenigen Sekunden erzitterte der Boden und er schleuderte das Buch von sich so dass es in der Betonmauer stecken blieb.

„Gut, so sei es dann wählt was ihr begehrt ihr verfluchten Würmer, aber wählt gut!“
Und wieder war Paul der Erste der zu Wort kam, laut und von kleinen Hoppsern unterstützt wiederholte:
„Ich will ein Hündchen, ein süßes kleines Hündchen!“

Mike hatte gerade eine sexy Nymphomanin vorschlagen wollen, doch war ihm ein Hündchen auch recht, besonders da man es leichter an Mutter vorbei bringen konnte, doch da meldete sich der Gott erneut.
„Ich bin einer der äußersten Götter, ich schlachte Sonnen und verschlinge Galaxien ich unterwerfe Raum und Zeit meiner Gewalt und zerbreche die Gesetze des Kosmos unter meinem Willen, die Macht über die ich verfüge sprengt die beschränkte Vorstellungskraft eurer weichen, erbärmlichen Primatenhirne. All das vor Augen fällt Euch, selbst Euch retardierten schwerfälligen Geschöpfen, nichts besseres ein als ein Hund?“

Die Jungs sahen sich noch mal an und nickten dann einstimmig.
„Gut!“
Yoc’Tsugotwah schleuderte eine schwarze Kugel in eine Ecke des Raumes, dann verfinsterte sich die Welt ein entsetzlicher Gestank stieg auf und der Gott floß zurück in seine eigene Wirklichkeit, wo er sich wieder wie ein Tumor in das Gewebe aller Existenz schneiden würde, doch bevor er endgültig verschwand sprach er noch:
„Hofft und Betet zu euren lächerlichen Götzen dass wir uns niemals wiedersehen, die Qualen die ich für Euch bereithalte suchen ihresgleichen.“
Ein letztes Erbeben deutete das Ende der Erscheinung an, und alles kehrte wieder zur Normalität zurück... nicht alles.
„Seht mal her! Mann ist das geil!“
Paul war in der Ecke in welche die Kugel geflogen war und hantierte an dieser herum, die Anderen kamen näher um sich das Ding anzushen.

Mike:“Mein Gott das ist ein kleiner Hund, und er hat glühend rote Augen!“
Max:“ Eine Kobra als Schwanz und drei Köpfe.“
Paul:“Juhu! Ich werde ihn Jordan, Rex und Luzifer nennen!
Der Hund drehte sich auf den Rücken und lies sich, unter höllischen Lauten, von Paul den Bauch kraullen.
Mutter:“Jungs, ich mache gerade Kakao, wollt ihr welchen?
Mike:“Nicht jetzt Mutt, bitte nicht jetzt!“
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Re: Steinerei

Beitragvon Angelus Silesius am Sa 19. Okt 2013, 09:22

Besteht wirklich ein Bedarf an Geschichten über interstellaren Wesenheiten mit übernatürlichen Kräften?

Soll ich ein wenig behilflich sein?

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Wenn einem Philosophen nichts einfällt, erfindet er eine neue Wortverwendung.(Plagiat)

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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Sa 19. Okt 2013, 12:16

Das ist eine Veralberung des Cthulhu Mythos, weil Altsäckin es nett fand.
Das Setting im Keller und die Mutter ziehen solche Beschwörungen durch den Kakao, auch das die Beschwörer das Ganze eher aus Jux und Langeweile tun und es sich nicht um die verderbten Kultisten einer jahrtausende alten Religion haldelt sondern um "Zauberlehrlinge". Dann ist da noch der Kontrast zwischen der Macht der beschworenen Monstrosität und dem am Ende erfüllten Wunsch.
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Re: Steinerei

Beitragvon Altesäckin am Sa 19. Okt 2013, 14:02

Hach schade, ich steh so auf Lovecraft und dachte schon, Du schreibst - wie Hohlbein beim Hexer - so ne Art "Spin off".

Ist aber von der Sprache und der Blumigkeit der Beschreibung her gut zu lesen, find ich.
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Sa 19. Okt 2013, 15:35

Cthulhufortsetzungen kann ich auch, sind dann aber länger.
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Re: Steinerei

Beitragvon Altesäckin am Sa 19. Okt 2013, 17:24

Macht doch nix :D
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Sa 19. Okt 2013, 21:34

Mal aus interesse, was hat Dir denn am Besten gefallen?

Persönlich empfand ich "Der Flüsterer im Dunkeln" als eine der besten Geschichten, oder Jene mit dem Universitätsprofessor der gegen ein Ding von der großen Rasse ausgetauscht wird und in der Vorgeschichte seine Biographie verfassen darf.

Keine Ahnung wieso bei den Amerikanern E.A.POE immer noch Platz eins der frühen Horrrorliteratur belegt, der ist gegen HPL geradezu langweilig, und Ambroce Pierce ist tortz seiner wesentlich besseren Geschichten hauptsächlich für Bügerkriegserzählungen bekannt.
Vor HPL schien mir hatten Monster nur immer eine tierische, menschliche, oder chimärenhafte Form, aber nichts wie seine Shoggoten, großen Alten, äußeren Götter, Migoh etc. bedauerlich nur dass er von seinem Ruhm nicht wirklich etwas mitbekommen hat.
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Re: Steinerei

Beitragvon Altesäckin am Sa 19. Okt 2013, 21:43

Das Ding auf der Schwelle meinst Du, oder?
Sehr gut und ja, der Flüsterer im Dunkeln ist ein Klassiker.
Ich hab die komplette Sammlung auf dem Kindle, auch E.A. Poe. Den mag ich auf ne andere Art - das sind eher Schauergeschichten, Lovecraft ist ne Mischung aus SF und Grusel finde ich. Manchmal ziemlich abgedreht, aber gut.
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Sa 19. Okt 2013, 21:53

Nein es ist nicht das Ding auf der Schwelle, es endet damit das der Proffessor auf eine Australienreise geht und die Satd der großen Rasse findet in welcher er vor Jahrmillionen seine Biographie geschrieben hat, dazu findet er auch noch die einst bewachten Eingänge zu der Welt jener furchtbaren Wesen, vor denen sich die große Rasse gefürchtet hat, offen vor und tonnenartige Spuren.

Habe die komplette Sammlung auf dem iRiver Story, weiß aber nicht wo ich suchen soll ;-)

Interessant bei Lovecraft ist dass er wohl viel Sorgfalt darauf gelegt hat das Grauenhafte seiner Kreaturen/Geschichten nicht mit abgenützten Wörtern oder Horrorelementen zu verwässern, noch seine Protagonisten als strahlende Helden aus der Sache herauszulassen, die meisten knallen schlicht und einfach durch, werden selbst zu Monstren oder bringen sich um, ohne dass sich dies abnutzt.
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Di 29. Okt 2013, 02:43

So werde nun zu Altsäckins Belustigung, oder Begruselung eine lovecraftianische Kurzgeschichte versuchen:


Matt und schwer mit zwei Tasche voller Papiere beladen drückte Erika die Tür auf, trat ein und schloß selbige mit dem Fuß.
Der immer stärker werdende Wind hatte ihr die langen Haare in die Augen geweht und sie fast vor dem Haus umgeworfen, so wie es aussah würde die gesamte Woche über die Sonne nicht mehr hervorkommen, graue Wolken die ruhelos über den Himmel rasten würden ihre ohnehin schon schlechte Stimmung weiter verdunkeln.
Sie zog ihren Mantel aus, stellte die nassen und verdreckten Stiefel auf die Abtropftasse und wechselte im Bad ihre Alltagskleidung gegen ein Sweatshirt sowie eine Jogginghose, dann rief sie schnell ihre Mutter an um einige private Angelegenheiten zu bereden und ging schließlich durch den Vorraum ins Wohnzimmer wo sie das Licht anmachte.
Der Wind knallte in unregelmäßigen Abständen hart gegen die verglaste Terassentür und blies die Äste jenes alten Baumes den Großvater gepflanzt hatte, vor dem Fenster hin und her, ließ sie befremdliche Schatten werfen und unangenehme kratzende Geräusche erzeugen.
Die Schularbeiten von gestern und heute waren noch durchzusehen, dachte sie als sie einen Gummiring um die Haare legte und in der Küche hastig ein Glas Mineralwasser runterspühlte. "Gott was für Aussichten!"
Ganz entgegen ihrer Angewohnheit ließ sie das Abendessen ausfallen und schluckte eine Kopfschmerztablette, schon seit heute Mittag dröhnte es in ihrem Kopf, Lehrerin sein riß oft an den Nerven. Damit es heute noch etwas mit der Arbeit werden konnte legte sich Erika auf die, selbst für ihren zierlichen Körperbau, viel zu kleine blaue Leder-Couch, drückte ihren Kopf mit dem Gesicht voran in die Falte zwischen Lehne und Sitzfläche und hoffte auf schnelle Besserung.
Die Dunkelheit schien ihr gut zu tun, der Schmerz hatte bereits nach vieleicht zehn minuten an intensität verloren, und letztendlich fühlte sie nur noch Müdigkeit und den Wunsch ihr Bett aufzusuchen, doch es war besser hier liegen zu bleiben, so würde sie nach einiger Zeit erwachen und die Hefte noch vor zehn Uhr zumindest teilweise korrigieren können. Einige male gelang es ihr einzunicken doch das Unwetter weckte sie immer wieder, dumpf klopften die Böen gegen die Terassentür, strichen die Blätter raschelnd über Mauerwerk und Fenster.
"Ach wie störend!" Man mußte die hölzerne Aussentür schließen, das würde den Lärm deutlich dämpfen.

Erika erhob sich und strich über ihre schlafverklebten Augen, richtete ihren Blick auf die Tür, welch Schrecken.
Es hämmerte mit deformierten, mit weißer Haut überzogenen Gleidern gegen die Scheibe. Erika fiel rückwärts von der Couch, Angst schoß durch ihren Körper sie rannte, schrie, schwarze Augen blickten ihr nach, zahllose kleine spitze Zähne rieben sich gierig am Glas. Sie sprang die Treppe hoch, hinaus laufen ging nicht, Vaters altes Arbeitszimmer, sie stieß die Tür auf, der Schlüssel steckte, schnell sperrte sie zu.
Was, wie konnte das sein? Sie mußte sich beruhigen, tief durchatmen. Was hatte sie gesehen? Das konnte es nicht geben, sie mußte sich geirrt haben, nur die Ruhe. Es war sicher ein Hund, oder so etwas, sie hatte einfach überreagiert und die Angst hatte ihr übriges getan. Sie würde sich nun zusammennehmen und dann wieder runter gehen, ganz sicher würde sie sich kaputtlachen wenn sie entdeckt was wirklich dahintersteckt.
Glas barst. Es war so laut dass das klirren im ersten Stock zu hören war.
War das die Tür? Verdammt nochmal war das die Tür?
Die kurze Stille wurde dadurch beendet das ein leises Pfeifen und Klicken durch das Haus strich.
Es wurde lauter, irgendetwas schleppte sich über den Boden im Erdgeschoss.
Erikas Herz raste, sie mußte handeln. Vater hatte hier immer eine Jagdflinte im Schrank, den Gesetzen zum Trotz geladen, zum Glück. Von Waffen verstand sie nicht viel, hoffentlich reichte ihr wissen aus um sie zu retten.
Das Klicken hatte nun eine höhere Frequenz.
Die Flinte war mit zwei etwas verdreckten Patronen geladen, daneben lag ein bereits zerfallende Kartonschachtel mit mehr Munition.
Holzbalken ehnten und seuftzen leise, etwas war auf der Treppe.
Wie sollte sie vorgehen?
Alles war so surreal, so unvorstellbar wahnsinnig, es fand einfach nicht alles platz in ihrem Kopf.
Sie würde ruhig bleiben, würde warten bis es an der Tür vorbeiging, dann öffnen und angreifen, was aber wenn es sie fand und zuerst durch die Tür kam?
Laute, knackende abgedämpfte Töne, als ob jemand etwas weiches über den Boden rollt, drangen durch die dünnen Holzwände, begleitet von Knicken und diesem schneidenden Pfeifton.
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Mi 30. Okt 2013, 14:43

@Altsäckin (und Andere)
Soweit interesse an einer fortsetzung?
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Re: Steinerei

Beitragvon Altesäckin am Mi 30. Okt 2013, 15:17

Aber ja doch!!!!
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Re: Steinerei

Beitragvon Nergal am Mi 30. Okt 2013, 22:03

Erika hielt die Luft an, nahm die Flinte in die rechte Hand und drehte mit der Linken den Schlüssel ganz langsam und leise um. Ein kaum hörbares Geräusch bestätigte dass der Riegel zurück geglitten war, das Knacken und Pfeifen hatte aufgehört, und als Erika den Knauf herunterdrückte vernahm sie ein Zischen, als ob Jemand glühendes eisen in Wasser getaucht hätte. Nun noch entschlossener sich aus dieser wirren Lage zu befreien, stieß sie die Tür auf und zielte mit der Waffe in Richtung der Ostseite, also dort wo sie Etwas vermutete.
Kalter Schweiß kam über sie als sie sah was hier geschehen war, eine zähe weiße Flüssigkeit zeichnete eine Spur über den Fußboden, über die Treppe hinauf und im Halbkreis durch den Korridor. Sie beugte sich, nicht ohne sich vorher genau umzublicken, herunter und betrachtete das Zeug, es war gelartig und stank, es stank nach Verwesung.
Vorsichtig und den zitternden Finger am Abzug ging Sie zum Ende der Spur. Hier war Blut, zumindest war es rot, vermischt mit dem weißen Gel, dazwischen Stäbchen... nein, Knochen. Was war hier geschehen, war dies die Spur jenes Dinges dass sie gesehen hatte? Da war etwas auf die Wand gemalt, mit dieser abscheulichen Masse, teils in die Wand gekratzt, teils geschmiert. Um besser sehen zu können neigte Sie sich vom Fenster weg um dem etwas Licht das von Draussen herein fiel, Raum zu geben. Das war Schrift, sie laß und das Graune packte sie, zwang sie fast in die Knie. "Mein Gott was ging hier vor, was ging hier vor!" Hallte durch den ersten Stock, und draussen entließen die Wolken ihre schwere Last, begleitet von Donner und Blitz, und das Lichtspiel der Elemente erleuchtete die Worte "Schwester komm" für einen kurzen Augenblick, dann klatschten die ersten Regentropfen gegen das Fensterglas und tauchten die Welt fürs erste in einen gleichbleibenden Schallteppich.
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