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Mach dir deine eigenen Gedanken

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Mach dir deine eigenen Gedanken

Beitragvon Martin am Fr 24. Nov 2017, 14:26

Moin,

ein Gedanke der mir erstaunlicherweise erst nun, nach über 10 Jahren Forum kommt: Man sagt oft den Leuten, das sie sich selber überlegen sollen welchen Göttern sie glauben möchten. Religionsmündigkeit ab 14 und so. Den Kindern nichts vorgeben, das ist ein Fortschritt gegebüber dem vor-Schreibern was wir davor hatten, aber eigentlich ziemlich dämlich. Bei allen anderen Fragen gibt es Vorgaben durch Wissenschaft, zentrale Instanzen usw. So muss ich nicht meine eigenen Impfungen überlegen und erforschen, nicht selber prüfen wie ich ein Haus baue oder eine Stromverkabelung lege, oder gar Mathe und Computer selber erfinden und bauen. Aber bei elementare Grundlagen-Fragen zur Basis der Realität erwartet man auf einmal das die Leute selber auf das Richtige kommen. Das ist so falsch, das ich das gar nicht in Worte fassen kann. Eigentlich müsste doch auch hier die Wissenschaft - wäre das nicht die Aufgabe der Theologie? - einmal klären welche Götter es gibt und welche nicht, was man denen glauben kann und dann bringt man es den Leuten eben richtig bei. So ein selber rum überlegen führt doch nur dazu, das es jede Menge Leute falsch machen.

Nicht ganz so scharf, aber verwandt, ist das man den Leuten beim selber-überlegen auch kaum Hilfestellung gibt. Statt einfach eine Liste der stärksten Argumente aller Beteiligten zu sammeln und jedem eine Literaturliste zu geben, schickt man sie in irgendwelche Glaubenshäuser wo fehl-gebildete Priester irgendwelchen Blödsinn erzählen, statt im Volkerschen Sinne die stärksten Argumente einmal zusammenzutragen und weiterzugeben.

Das ist in beiden Fällen eine massive Ressourcenverschwendung.

Ich finde das gehört mal gesamtgesellschaftlich gelöst, so daß wir uns wieder realen Problemen zuwenden können.

Grüße,

Martin
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Re: Mach dir deine eigenen Gedanken

Beitragvon Bergamotte am Sa 25. Nov 2017, 21:07

Martin hat geschrieben:Aber bei elementare Grundlagen-Fragen zur Basis der Realität erwartet man auf einmal das die Leute selber auf das Richtige kommen.
Es gibt halt keinen Konsens bei diesen Fragen. Der Forschungsbereich der Wissenschaften (umso “härter” umso besser), hat es irgendwie an sich, die Leute in den Konsens zu zwingen. Ist man so intelligent und mit entsprechendem Fachwissen wie Stephen Hawking ausgestattet, dann wird man auch zu den gleichen physikalischen Ergebnissen wie Hawking kommen. Aber man kann so intelligent und mit dem gleichen Fachwissen ausgestattet sein wie Daniel Dennett und das heißt noch lange nicht, dass man zu den gleichen weltanschaulichen Überzeugungen gelangt wie er. Ähnlich verhält es sich auch bei politischen Fragen.

Das Problem ist so tiefgreifend, dass man nicht einmal weiß, wo die Toleranz gegenüber anderen Meinungen im Sinne von “agree to disagree” aufhören sollte. Das ist auch wieder ein Spektrum, von Rübennase, der sich noch gegenüber dem Glauben an den Goldtopf am Ende des Regenbogens respektvoll verhält (allerdings ist er nicht immer “ganz so” :lol: fair/konsistent dabei) bis hin zu i******, wo das Toleranzfenster infinitesimal klein ist. :mrgreen:
Martin hat geschrieben:Nicht ganz so scharf, aber verwandt, ist das man den Leuten beim selber-überlegen auch kaum Hilfestellung gibt. Statt einfach eine Liste der stärksten Argumente aller Beteiligten zu sammeln und jedem eine Literaturliste zu geben, schickt man sie in irgendwelche Glaubenshäuser wo fehl-gebildete Priester irgendwelchen Blödsinn erzählen, statt im Volkerschen Sinne die stärksten Argumente einmal zusammenzutragen und weiterzugeben.
Das “dumme” ist halt, dass es auch so was wie Freiheit und Neutralität des Staates in unserem Land gibt. Die Theologie aus den staatlichen Universitäten zu schmeißen und den Religionsunterricht abzuschaffen ist ja eine Forderung, die sich im Overton-Window sicher noch in den Bereichen “vernünftig” oder wenigstens “akzeptabel” befindet. Beides dürfte allerdings keinen großen praktischen Unterschied machen…

Jeder kann sich bzgl. Religionsphilosophie in aller Tiefe informieren, nur Zwangsfütterung damit wäre halt extrem fragwürdig, da kein Konsens darüber besteht, was denn der neutrale Standpunkt sein sollte.
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Re: Mach dir deine eigenen Gedanken

Beitragvon Der böse Wolf am Mo 27. Nov 2017, 06:44

Martin hat geschrieben:Bei allen anderen Fragen gibt es Vorgaben durch Wissenschaft, zentrale Instanzen usw. [...] Aber bei elementare Grundlagen-Fragen zur Basis der Realität erwartet man auf einmal das die Leute selber auf das Richtige kommen. [...] Eigentlich müsste doch auch hier die Wissenschaft - wäre das nicht die Aufgabe der Theologie? - einmal klären welche Götter es gibt und welche nicht, was man denen glauben kann und dann bringt man es den Leuten eben richtig bei. So ein selber rum überlegen führt doch nur dazu, das es jede Menge Leute falsch machen.

Die Voraussetzung dafür, Vorgaben zu machen und wegweisende Erklärungen bereit zu stellen, ist doch, dass man über objektives Wissen verfügt, oder? Hast Du auch nur ansatzweise einen begründeten Verdacht, welche Götter es gibt und welche nicht? Kennst Du jemanden, dem Du zutrauen würdest, auf diese Frage eine wissenschaftlich fundierte Anwort zu geben, die von der Vermutung, dass es überhaupt keine Götter gibt, abweicht?
Bezüglich der Theologie legst Du den Finger ja auch exakt in die Wunde: Inwiefern beschäftigt sich denn die Theologie tatsächlich mit "Theo", mit seinem Werk, mit seiner Arbeitsweise? Theologie ist doch nichts anderes als eine Geschichts-, Kultur- und Literatur-Wissenschaft, die erforscht und interpretiert, was sich Menschen vor Tausenden von Jahren unter Gott vorgestellt haben.
"Mach Dir Deine eigenen Gedanken!" ist letzendlich das ehrliche Eingeständnis, dass jeder beliebige konkretisierende Gedanke über Gott so falsch ist wie jeder andere.
Ich finde, einen besseren Vorschlag kann man gar nicht machen, wenn man die Schöpfer-Hypothese zulassen möchte.

Martin hat geschrieben:Ich finde das gehört mal gesamtgesellschaftlich gelöst, so daß wir uns wieder realen Problemen zuwenden können.

Inwiefern hindert uns das - rein spirituelle und philosophische - individuelle Nachdenken über Gott an der Lösung realer Probleme?
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