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Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

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Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon soynadie am Di 14. Mär 2017, 21:47

Atheisten sind eine der unbeliebtesten Gruppen in Amerika. Nur 45 Prozent der Amerikaner sagen, sie würden für einen atheistischen Präsidentschaftskandidaten stimmen, und Atheisten werden als die am wenigsten wünschenswerte Gruppe für einen potentiellen Schwiegersohn oder Schwiegertochter eingestuft. Will Gervais von der University of British Columbia veröffentlichte kürzlich eine Reihe von Studien in denen er untersucht, warum Atheisten so unbeliebt sind. Seine Schlussfolgerung: Es kommt auf das Vertrauen an.

Gervais und seine Kollegen präsentierten den Teilnehmern eine Geschichte über eine Person, die versehentlich ein geparktes Auto beschädigt und dann keine gültigen Versicherungsinformationen für den anderen Fahrer hinterlässt. Die Teilnehmer wurden gebeten, die Wahrscheinlichkeit zu wählen, dass die betreffende Person ein Christ, ein Muslim, ein Vergewaltiger oder ein Atheist war. Sie hielten es für wahrscheinlich, dass der Täter ein Atheist oder ein Vergewaltiger (!) war, und für unwahrscheinlich, dass die Person ein Muslim oder Christ war.
In einer anderen Studie untersuchte Gervais, wie der Atheismus die Entscheidungen der Menschen beeinflusst. Die Leute wurden gebeten, zwischen einem Atheisten oder einem religiösen Kandidaten für einen Job zu wählen, der entweder ein hohes oder geringes Vertrauensniveau erfordert. Für die hoch-vertrauenswürdige Aufgabe einer Arbeit in einer Kindertagesstätte, waren die Menschen eher geneigt, den religiösen Kandidaten zu bevorzugen. Bei dem Job der Kellnerin, der weniger Vertrauen erfordert, schnitten die Atheisten besser ab.

Es waren nicht nur die sehr religiösen Teilnehmer, die ein Misstrauen gegenüber Atheisten äußerten. Menschen, die sich als keiner religiösen Gruppierung zugehörig identifizierten, äußerten ähnliche Vorbehalte. Gervais und seine Kollegen entdeckten, dass Menschen den Atheisten misstrauen, weil sie glauben, dass sich Menschen besser benehmen, wenn sie glauben, dass Gott sie überwacht. Gervais und sein Kollege Ara Norenzayan haben herausgefunden, dass der Glaube an die Gegenwart Gottes die gleiche Wirkung hat, wie wenn man den Menschen erzählt, dass sie von anderen beobachtet werden: es erhöht das Bewusstsein ihrer selbst und bringt sie dazu, sich sozialverträglicher zu verhalten.

Dies ein Auszug aus dem Artikel in „Scientific American“ : hier:
https://www.scientificamerican.com/arti ... -distrust/
Religions exist for people to achieve together what they cannot achieve alone. - David Sloan Wilson
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Godzilla am Di 14. Mär 2017, 21:55

War nach all den atheistischen Terroranschlägen auch nicht anders zu erwarten...
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir!“ [Lukas 19:27]
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon manniro am Mi 15. Mär 2017, 12:13

soynadie hat geschrieben:Atheisten sind eine der unbeliebtesten Gruppen in Amerika.


Echt überraschend für ein Land, das überwiegend von ausgestoßenen Sektierern besiedelt wurde.

Gervais und seine Kollegen präsentierten den Teilnehmern eine Geschichte über eine Person, die versehentlich ein geparktes Auto beschädigt und dann keine gültigen Versicherungsinformationen für den anderen Fahrer hinterlässt. Die Teilnehmer wurden gebeten, die Wahrscheinlichkeit zu wählen, dass die betreffende Person ein Christ, ein Muslim, ein Vergewaltiger oder ein Atheist war.


Interessante Versuchsanordnung. Für meinen Geschmack fehlen allerdings mindestens: 1 Kommunist, 1 Kinderschänder, 1 Schwarzer, 1 Mexikaner, 1 Indianer, 1 Kriegsgegner und 3 Nonnen unterschiedlicher Konfessionen. Und 1 Angehöriger der Familie Bush.

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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Nasobēm am Mi 15. Mär 2017, 17:08

manniro hat geschrieben:Interessante Versuchsanordnung. Für meinen Geschmack fehlen ...

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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Godzilla am Mi 15. Mär 2017, 18:24

Wenn die Gruppe "Leichenschänder" nicht dabei ist kann ich mich nicht damit identifizieren...
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir!“ [Lukas 19:27]
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon 3909 04 am Mi 15. Mär 2017, 20:01

soynadie hat geschrieben:Nur 45 Prozent der Amerikaner sagen, sie würden für einen atheistischen Präsidentschaftskandidaten stimmen, ...

Unter den Voraussetzungen wundert ein Präsident wie Donald Trump dann auch nicht mehr besonders, oder? :?
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon theologe am Mi 15. Mär 2017, 21:20

soynadie hat geschrieben:Gervais und seine Kollegen präsentierten den Teilnehmern eine Geschichte über eine Person, die versehentlich ein geparktes Auto beschädigt und dann keine gültigen Versicherungsinformationen für den anderen Fahrer hinterlässt. Die Teilnehmer wurden gebeten, die Wahrscheinlichkeit zu wählen, dass die betreffende Person ein Christ, ein Muslim, ein Vergewaltiger oder ein Atheist war. Sie hielten es für wahrscheinlich, dass der Täter ein Atheist oder ein Vergewaltiger (!) war, und für unwahrscheinlich, dass die Person ein Muslim oder Christ war.

Sind in der Studie mehrfach Antworten möglich oder ist der Vergewaltiger automatisch auch ein Atheist?
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon soynadie am Do 16. Mär 2017, 09:51

3909 04 hat geschrieben:Unter den Voraussetzungen wundert ein Präsident wie Donald Trump dann auch nicht mehr besonders, oder? :?

Ich glaube, dass die Amis in dieser Hinsicht sicher extrem, aber nicht einzigartig sind. Ich kenne keine derartige Studie aus Europa, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass auch hierzulande die Präferenzen ähnlich, wenngleich nicht so ausgeprägt sind.
Interessant bei der Studie fand ich, dass auch Leute, die sich selbst eher als nicht religiös bezeichnten, im Zweifel mehr Vertrauen zu einem Gläubigen als zu einem Atheisten haben.

Ist dieses Verhalten nun hochgradig irrational? Heute schon, aber diese Präferenz für Gläubige stammt wohl noch aus einer Zeit, als einer, der sich als Atheist outete, von vorneherein ein "komischer Kauz" war, ein Maverick, der allein schon deswegen irgendwie nicht "koscher" war.

Ich frage mich, ob wohl eine Person, die sich unmissverständlich als Atheist/in outet, bei uns Bundeskanzler/in werden könnte? In den USA könnte so jemand definitv kein Präsident werden. Trump ist ganz sicher kein gläubiger Mensch (er konnte auch auf Nachfrage kein Lieblingszitat aus der Bibel nennen), aber er musste wenigstens so tun als ob. Sich sexueller Belästigung von Frauen brüsten ist OK, aber zu sagen "I don't believe in God or heaven, you know..." - das wäre sein Ende als Kandidat gewesen.
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Godzilla am Do 16. Mär 2017, 14:11

Interessanter wäre aber, wodurch diese negative Haltung begründet wird.
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Starfish1 am Fr 17. Mär 2017, 07:22

Mitglieder einer Gemeinschaft mit festen Regeln sind wohl im Verhalten berechenbarer als Leute, die selber denken, zumindest als Servicekraft. Wenn die Putzfrau fromme Christin ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie klaut, wohl geringer, wenn man sie ansonsten nicht kennt. Die Frage, ob man eine religiöse Person als Freund haben möchte, wurde ja nicht gestellt.
Der Islam funktioniert wie ein Computervirus: ein Befehlssatz, der die Regeln für seine eigene Weiterverbreitung enthält.
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon soynadie am Fr 17. Mär 2017, 10:05

Starfish1 hat geschrieben: Wenn die Putzfrau fromme Christin ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie klaut, wohl geringer, wenn man sie ansonsten nicht kennt.

Eben, es ist eine Frage des Vertrauens. Unsere Gesellschaften, in denen sich die Mitglieder nicht kennen, und sich daher auch nicht einschätzen können, basieren ja darauf, dass man einander grundsätzlich vertraut. Und für sehr viele Leute ist das Bekenntnis zu einer Religion so etwas wie ein Gütesiegel: Diese Person glaubt, dass Gott sieht was sie tut, und dass ER sie betsraft, wenn sie lügt, stiehlt usw...
Natürlich gibt es auch unter den "Glaubern" schwarze Schafe, die nur so tun als ob (nennt man wohl "Heuchler"), aber statistisch gesehen wirkt eine Religionszugehörigkeit wie ein Gütesiegel. Gilt ja auch im Alltag: dass Betrüger BIO auf Massenware kleben. Aber normalerweise kann man schon damit rechnen, dass BIO auch biologisch erzeugt wurde.

Starfish1 hat geschrieben:Die Frage, ob man eine religiöse Person als Freund haben möchte, wurde ja nicht gestellt.

Kommt auf den Grad der Religiosität an. Vor 20 Jahren musste ich mich von meinem besten Freund trennen, weil er ein Bekehrungserlebnis hatte (in so einer charismatischen Freikirche), und es nicht lassen konnte, mich auch bekehren zu wollen. Andere religiöse Menschen sind immer noch meine Freunde, weil sie mich so akteptieren, wie ich bin; und ich sie, so wie sie sind...
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon uwe hauptschueler am Fr 17. Mär 2017, 10:25

Religiösität ist ein Anzeichen für Irrationalität, mit anderen Worten ein Gütesiegel für Dummheit. Religiösen Menschen traue ich jede Schlechtigkeit zu. "Wer den Staat nicht bescheisst, bescheisst,seine Familie." Diesen Spruch habe ich von einem katholischen Arbeitskollegen.
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon idefix2 am Fr 17. Mär 2017, 12:55

soynadie hat geschrieben:Vor 20 Jahren musste ich mich von meinem besten Freund trennen, weil er ein Bekehrungserlebnis hatte (in so einer charismatischen Freikirche), und es nicht lassen konnte, mich auch bekehren zu wollen.

Was du nicht dazugesagt hast: Von welcher Sekte zu welcher Sekte wollte er dich denn bekehren? :mrgreen:
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon Godzilla am Fr 17. Mär 2017, 16:21

Soynadie ist glaube ich kein Mitglied einer Sekte. Laut eigener Aussage ist Soynadie nämlich atheistisch.
„Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir!“ [Lukas 19:27]
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Re: Atheisten vertraut man nicht (zumindest in den USA)

Beitragvon 3909 04 am Fr 17. Mär 2017, 16:29

soynadie hat geschrieben:Eben, es ist eine Frage des Vertrauens. Unsere Gesellschaften, in denen sich die Mitglieder nicht kennen, und sich daher auch nicht einschätzen können, basieren ja darauf, dass man einander grundsätzlich vertraut. Und für sehr viele Leute ist das Bekenntnis zu einer Religion so etwas wie ein Gütesiegel: Diese Person glaubt, dass Gott sieht was sie tut, und dass ER sie betsraft, wenn sie lügt, stiehlt usw...
Natürlich gibt es auch unter den "Glaubern" schwarze Schafe, die nur so tun als ob (nennt man wohl "Heuchler"), aber statistisch gesehen wirkt eine Religionszugehörigkeit wie ein Gütesiegel. Gilt ja auch im Alltag: dass Betrüger BIO auf Massenware kleben. Aber normalerweise kann man schon damit rechnen, dass BIO auch biologisch erzeugt wurde.

Das ist eben der große Bluff, auf den viel zu viele Wähler hereinfallen. Obige Überlegungen mögen ja vielleicht noch auf relativ einfach gestrickte Leute zutreffen; aber spätestens in der Politikerkaste ist doch Schluss. In einem Metier, in welchem es zum festen Ritual gehört, Wahlversprechen abzugeben, von denen von Anfang an feststeht, dass sie nicht eingehalten werden können, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass sich auch nur einer von einem Lügen strafenden Gott beobachtet fühlt.

Das gilt für eine Merkel (die in der Vergangenheit schon behauptet hat, sie wolle sich für "christliche Werte" einsetzen) genauso, wie für Politiker, die ihre "Gläubigkeit" nicht besonders in den Vordergrund spielen.

Aber der durchschnittliche Wähler macht es sich gerne einfach: die Erfahrungen, die er - vielleicht - im Alltag gemacht hat, überträgt er eins zu eins auf die professionelle Politik (und fällt damit meistens auf die Nase).
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