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Vorurteile

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Vorurteile

Beitragvon Jürg Fink am Do 29. Sep 2016, 13:27

Vorurteile geniessen keinen guten Ruf, niemand steht zu ihnen, alle haben solche. Einige Vorurteile sind zutreffend, zumindest bis zu einem gewissen Grad, andere eher diskutabel. Also: Schweizer sind fleissig, pünktlich, kleinlich, risikoscheu, zurückhaltend, sparsam, misstrauisch und zuverlässig; Deutsche sind dominant, ehrgeizig, zielorientiert, besserwisserisch, effizient, selbstsicher und arrogant. Und wie steht es mit den Rumänen? den Griechen? den Italienern? den Arabern? den Chinesen? und den Amerikanern?
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Re: Vorurteile

Beitragvon manniro am Do 29. Sep 2016, 13:38

Einige Vorurteile haben die Eigenschaft, sich im Laufe der Entwicklung als - zutreffende - Urteile zu erweisen, andere wiederum nicht. Hängt wohl von der Urteilskraft der Vor-Urteilenden ab.

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Am Anfang war das Wort - am Ende die Phrase.(Lec).
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Re: Vorurteile

Beitragvon theologe am Do 29. Sep 2016, 15:28

Vorurteile sind eine Art Heuristik, um Entscheidungen effizienter treffen zu können. Wichtig dabei ist, dass man Vorurteile nicht mit Urteilen oder gar Wissen verwechselt, sonder sie als Arbeitshypothese begreift und gegebenenfalls revidiert oder durch angemessenere (Vor)urteile ersetzt.

Außerdem besteht durch zu fest geglaubte Vorurteile die Gefahr, falsche Vorurteile nicht zu erkennen und durch das eigene Verhalten dazu beizutragen, dass sich diese Vorurteile dann tatsächlich bestätigen.
Z.B. könnte jemand das Vorurteil haben, alle Hunde seien böse. Wenn diese Meinung dann dazu führt, sich Hunden gegenüber negativ zu verhalten, dann kann eben dieses Verhalten dazu führen, dass sich Hunde DESWEGEN tatsächlich negativ ihm gegenüber Verhalten, was das Vorurteil verstärkt, usw... -> Teufelskreis.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Jürg Fink am Do 29. Sep 2016, 18:45

Vorurteile sind wahrscheinlich weiter und umfassender verbreitet, als wir uns eingestehen. Was ist ein Vorurteil? Meist liegt ihm eine Erfahrung - aus erster, zweiter oder dritter Hand - zugrunde, ohne Grund entstehen keine Vorurteile. Kurzer Blick in die Urzeit: Einem Fremden konnte man nicht trauen, mit Bedacht verhielt man sich ihm gegenüber misstrauisch. Da ist bis heute so geblieben, Ausländer sind suspekt, wir wissen nicht genau, was sie mit sich bringen. Vorurteile sind ein natürlicher Schutzmechanismus gegen böse Überraschungen, nur Naive und Gutmenschen geben vor, sie hätten keine.
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Re: Vorurteile

Beitragvon bonito am Fr 30. Sep 2016, 07:36

Du siehst "Vorurteil" viel zu eng.
Ein Vorurteil ist nichts anderes als eine unsichere Erwartung, die als sicher angenommen wird.
z.B. das du Termine für die Zukunft abmachen kannst, ohne zu wissen ob du dann noch existierst.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Starfish1 am Fr 30. Sep 2016, 07:58

Vorurteile sind etwas völlig Normales und sogar Sinnvolles, ohne sie kann in unserer heutigen Gesellschaft niemand leben.

In steinzeitlichen Gruppen oder kleinen Dorfgemeinschaften, wo jeder jeden kannte, konnte man sich ausschließlich auf Urteile stützen, also vorurteilsfrei sein.

In der heutigen Gesellschaft dagegen, wo man täglich unbekannten Menschen begegnet und mit diesen kommunizieren muss, muss man sich beim Einschätzen dieser unbekannten Menschen auf die Erfahrungen stützen, die man vorher mit anderen Menschen gemacht hat. Man stützt sich also auf Vorurteile, und das geht gar nicht anders.
Zuletzt geändert von Starfish1 am Fr 30. Sep 2016, 08:02, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Vorurteile

Beitragvon bonito am Fr 30. Sep 2016, 08:00

Vorurteil heißt ein Urteil, wenn eine Person, eine Gruppe oder etwas Anderes vor einer gründlichen und umfassenden Untersuchung, Abklärung und Abwägung aus und mittels aller zum Zeitpunkt der Beurteilung zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen oder anderweitigen seriösen und anerkannt reputablen Quellen, beurteilt wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Vorurteil

Das dürfte jeder praktisch dauernd machen ...egal ob in einem Minidorf oder woanders.
Wie ich schon schrieb es ist nichts weiteres als ein unsichere Erwartung, die wie sicher benutzt wird.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Jürg Fink am Sa 1. Okt 2016, 06:49

Der Punkt ist, dass Vorurteile ein schlechtes Image haben. Kein Politiker, kein Firmenchef und kein Wissenschaftler kann es sich leisten, offensichtliche Vorurteile zu äussern. Ein fundiertes Urteil können wir jedoch nur in seltenen Fällen formulieren, insofern basieren unsere Meinungsäusserungen grossmehrheitlich auf Vorurteilen. Flüchtlingswelle: Wer hat dazu schon eine wissenschaftliche Studie erstellt? Umweltverschmutzung: Selber gemessen? Raumfahrt: Systematisch dazu ausgebildet? Putin: Mit ihm eingehend geredet? usw. Vorurteile beherrschen unser Denken und Sprechen, nur stehen die meisten nicht dazu.
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Re: Vorurteile

Beitragvon idefix2 am Sa 1. Okt 2016, 07:29

Es ist völliger Unsinn, Vorurteile damit zu rechtfertigen,dass wir nicht alles zu 100% wissen können.
Die Bandbreite zwischen einem 100% abgesicherten Urteil und einem Vorurteil ist sehr groß. Nicht alles, was man annimmt, ohne zu 100% abgesichert zu sein, ist als Vorurteil zu bezeichnen - das ist reine Vernebelung - und schon gar nicht, wenn man sich des Unsicherheitsfaktors, der im "Urteil" enthalten ist, bewusst ist.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Jürg Fink am Sa 1. Okt 2016, 11:47

Eine dezente Frage an Idefix2: Wie steht es mit deinen Vorurteilen? Gibt es solche - oder etwa nicht?
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Re: Vorurteile

Beitragvon Starfish1 am Sa 1. Okt 2016, 14:48

Jürg Fink hat geschrieben:Der Punkt ist, dass Vorurteile ein schlechtes Image haben.

Der Punkt ist, dass eine herrschende Mode darüber entscheidet, ob ein Vorurteil ein schlechtes Image hat oder nicht bzw. überhaupt als solches bezeichnet wird oder nicht. Vorurteile, die der herrschenden Mode entsprechen, sind durchaus erwünscht. Beispiel:
- Mann A: "Ich mag nur den südländischen Typ Frau. Auf die einheimischen Europäerinnen kann ich verzichten, die gehen mir echt am Arsch vorbei."
- Mann B: "Ich mag nur den europäischen Typ Frau. Auf die südländischen Migrantinnen kann ich verzichten, die gehen mir echt am Arsch vorbei."

Frag die Öffentlichkeit, wie diese Männer zu beurteilen sind. Mann A wird dann als toleranter, weltoffener Typ gelten. Mann B dagegen als einer, der Vorurteile hat, wahrscheinlich sogar als Rassist. Beides Urteile über die Männer sind Vorurteile, und man sieht an den analogen Beispielen, wie willkürlich sie gewählt und bewertet werden. Die Aussagen der Männer selbst sind dagegen keine Vorurteile, sondern spiegeln sexuelle Präferenzen wider, auf die sie selbst keinen Einfluss haben.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Nasobēm am Sa 1. Okt 2016, 18:18

Jürg Fink hat geschrieben:Eine dezente Frage an Idefix2: Wie steht es mit deinen Vorurteilen? Gibt es solche - oder etwa nicht?

ich bin zwar nicht idefix, antworte aber trotzdem mal :?

Ist doch müßig sich darüber Gedanken zu machen. Jeder Mensch hat Vorurteile. Darum geht es nicht. Es geht darum, ob jemand in der Lage ist, seine Vorurteile (oder auch verallgemeinerten Urteile) zu hinterfragen und immer wieder auf's Neue abzuwägen, inwieweit er/sie sein Handeln (ausschließlich) davon leiten lässt.
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Re: Vorurteile

Beitragvon Jürg Fink am So 2. Okt 2016, 06:50

Mir geht es in erster Linie darum, Vorurteile von Vorurteilen zu befreien, sie zu rehabilitieren. Bezüglich Islam und Arabern habe ich zahlreiche, tiefgreifende Vorurteile und das ist gut so, sie bewahren mich davor zum Gutmenschen zu mutieren, der eine heile Ideologie über die Realität stellt.
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Re: Vorurteile

Beitragvon JAU am So 2. Okt 2016, 09:13

Du möchtest also nur das man dir den Freihfahrtschein gibt? :roll:

Vorurteile sind ja erst dann ein Problem wenn man:
  1. Garnicht die Möglichkeit in Betracht zieht mit dem Urteil falsch zu liegen
  2. Vorurteile aufrecht erhält auch wenn Fakten (oder Erfahrung) was anderes implizieren.

Da das leider all zu oft vorkommt hat das Wort den negativen Unterton durchaus verdient.


mfg JAU
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Re: Vorurteile

Beitragvon manniro am So 2. Okt 2016, 11:26

JAU hat geschrieben:Da das leider all zu oft vorkommt hat das Wort den negativen Unterton durchaus verdient.
mfg JAU


Was wiederum den weiteren unschätzbaren Vorteil hat, daß sich der Anprangernde automatisch in den Stand des "Urteilenden" erhebt. Weshalb Vor-Urteile bei "Urteilenden" vielleicht sogar noch ein Stückchen beliebter sind, als bei "Vor-Urteilenden". 8)

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