Euripides hat geschrieben:Und ähnlich ist es mit der Religion: wenn sie bewirkt, daß man sich besser fühlt, wäre es doch unlogisch, nicht zu glauben,
Wenn sie bewirkt, daß der Gläubige sich mit seinem Leid, seiner Not abfindet, statt etwas dagegen zu tun, wäre es für ihn besser, nicht daran zu glauben. Das Christentum ist gut anderthalb Jahrtausende lang das Mittel gewesen, das seit Jesu Zeiten bestehende "Herr-Knecht-System" zu zementieren und zu erhalten. Was keinesfalls Jesu Wille war. Aller befreiender Fortschritt ist gegen den zähen Widerstand der Kirche, vor allem der katholischen, erkämpft worden. Beispiel: Auch heute noch hätten die Frauen kein Wahlrecht, wäre es nach dem Wunsch der Kirche gegangen.
Denke an das Wort des Paulus von der Obrigkeit, die von Gott kommt und der man untertan sein soll. Unsere Obrigkeit kommt nicht mehr von Gott, wir wählen sie und wählen sie gegf. auch ab. Ein Verstoß gegen die Bibel, der der Kirche gar nicht gefällt.
Zweifel? Denken heißt, mit Zweifeln leben. Glauben ist leichter als denken, und wer nicht denken will, der muß eben dran glauben!
Was die Wissenschaft betrifft: Gläubige Dummköpfe werfen den Wissenschaftlern vor, daß sie keine gefestigten und unwiderlegbaren Fakten liefern können. Sie halten sich an die Priester, die ihnen bereitwillig "ewige Wahrheiten" fertig servieren - gegen gutes Geld versteht sich.
Es ist jedoch geradezu die besondere Tugend der Wissenschaft, zu zweifeln und jede Erkenntnis als vorläufig zu nehmen. Neue Theorien und Erkenntnisse werden heute nicht mehr rundweg abgelehnt: Man betrachtet die Argumente und vollzieht die beschriebenen Experimente nach. Und wenn's stimmt, kommt es in die Lehrbücher.
Die Relativitätstheorie hat die Physik auf den Kopf gestellt und heftigen Protest der Wissenschaftler ausgelöst. Aber man hat sie Stück für Stück geprüft und dabei manchmal widerwillig bewiesen. Genau das geschah kurz darauf mit der Planckschen Quantentheorie. Seitdem glaubt kein Wissenschaftler mehr, er wisse alles, und zwar besser. Das glauben nur die Christen.
Das ist das Elend der Religion: Wie kann der Priester zugeben, daß er sich in irgendeinem Punkt geirrt hat, wo er doch behauptete, ewige Werte zu verkünden? Giordano Bruno hat man noch verbrannt, bei Galilei war man vorsichtiger, an Kepler konnte man nicht mehr heran. Inzwischen gibt auch der Vatikan widerwillig zu, daß an der Evolution doch was dran ist.
Jahrhundertelang hat der Klerus uns eine Hölle gemalt mit Kochkesseln und Bratrosten. Inzwischen haben wir die Todesstrafe und die Prügelstrafe abgeschafft, dafür haben wir einen sogenannten humanen Strafvollzug. Und nun stehen die Priester blöd da: Wie können sie zugeben, daß die jahrhundertelang als "ewige Wahrheit" gepredigte Hölle ein Schwindel war?
Wenn sie aber dabei bleiben, wenn sie daran festhalten, wenn Gott wirklich ein ewiges Auschwitz betreibt: Dann haben wir eine höhere Ethik als dieser Gott!