Hallo Thomas!
Thomas der Ungläubige hat geschrieben:Kann etwas aus dem Nichts entstehen? - von Nichts kommt nichts...
1. Hallo Volker, mir ist schon klar warum und worauf Du mit diesem Artikel abzielst. Ich zweifle ihn auch nicht prinzipiell an, nur erscheint er mir nicht hinreichend verständlich und in sich nicht vollständig stimmig.
Ok, dann gehen wir es mal durch ...
2. Mir ist die Definition von „Nichts“ wichtig, denn nur dann kann ich darüber etwas annähernd ge-naues sagen. Ich verstehe das „Nichts“ so: Nichts ist, wenn wirklich nichts existiert, weder Energie, noch irgend eine Form von Materie – also auch keine Teilchen und Quanten noch sonstiges, keine Strahlung oder sonst irgend etwas. Nichts ist nichts. So kann man dann auch, wie Du, sagen, dass da keine Logik und keinerlei Naturgesetze noch sonstige Prinzipien herrschen, weil es nichts gibt, worauf sich diese beziehen oder auf was diese einwirken können. Nichts ist eben nichts.
Meine These ist, dass es unmöglich ist, dass ein "absolutes Nichts" existiert (also die Abwesenheit von allem, von Existenz). Das habe ich in meinem Beitrag noch nicht entwickelt, es ist eine logische Konsequenz. Das bedeutet, "Existenz" ist ein zwangsläufige Folge der Unmöglichkeit von "aboluter Nichtexistenz".
Aber als ich den Artikel schrieb, bin ich noch davon ausgegangen, dass es ein "absolutes Nichts" gibt, habe aber meine Meinung im Laufe einer Diskussion auf mykath geändert - und durch Studium der Quantenphysik.
Heute würde ich sagen, dass "am Anfang" nur ein Quantenvakuum existierte, ein supersymmetrisches Etwas, was aber extrem instabil ist, wie jede Symmetrie, und das aus diesen Symmetriebrüchen etwas entsteht (und letztlich auch Ordnung). In einem Quantenvakuum existiert immer etwas, nämlich als Folge des Unschärfeprinzips Materie/Energie. In unserem Universum ist das als Casimir-Effekt bekannt und beweisbar: In einem Vakuum entstehen permant Elektronen-Positronen-Paare und vergehen wieder. Dies bezeichnet man als Quantenfluktuation, und eine solche Fluktuation ist der Ursprung (die Ursache!) unseres Universums. Quantenfluktuation haben allerdings keine Ursache - außer der, dass es unmöglich ist, dass nichts existiert.
Die Frage lautet also nicht "Warum ist überhaupt etwas?", sondern "Warum ist es unmöglich, dass nichts existiert?".
Das nur, um verständlich zu machen, dass ich heute nicht mehr derselben Meinung bin wie in dem (überarbeitungsbedürftigen) Artikel.
3. Daraus ergibt sich für mich 1. eine Frage, nämlich: „Gibt oder gab es wirklich dieses „Nichts“?“ Das ist keine rhetorische Frage, denn ich denke, die ist fundamental. Nur wenn ich die beantworten kann, kann ich auch darüber eine Aussage machen ob oder ob nicht „Etwas“ aus dem „Nichts“ entstanden ist oder sein kann. Ich denke, dieses „Nichts“ existierte nie. Mir geht es hierbei gar nicht darum, ob man an Gott glaubt oder nicht, der hat hier m.A.n. gar keinen Platz.
Ich bin der Meinung, dass es "schon immer" etwas gab, gibt und geben wird: Das Quantenvakuum. Allerdings ist es größtenteils leer, bis auf die Vakuumfluktuationen (spontan auftretende Teilchenpaare). Dort entsteht permanent etwas ursachenlos aus dem Nichts. Allerdings vergeht dort keine Zeit, weil sich - bezogen auf unser Bezugssystem - Teilchen dort teils in und teils entgegen unserer Zeitrichtung bewegen. Zeitlich gesehen "zittert" das Quantenvakuum auf der Stelle.
Fast alle Eigenschaften unserer Welt - alle Naturgesetze - lassen sich aus den Eigenschaften dieses Quantenvakuums erklären, vor allem die Eigenschaften, die uns zu Anfang so große Rätsel aufgegeben haben, so z. B. warum alle Naturgesetze auf grundlegender Ebene zeitsymmetrisch sind, oder warum es kein ausgezeichnetes Koordinatensystem gibt (Relativitätstheorie), oder warum Symmetrien so häufig sind, und warum Ordnung nur entsteht, wenn Symmetrien zerbrechen.
Was sich nicht erklären lässt (aber auch keine Erklärung braucht) sind die grundlegenden Naturkonstanten - diese sind zufällig (ursachenlos), sie können jeden Wert annehmen. Wenn aber aus einer Fluktuation, die sich aufschaukelt, ein Universum entsteht, dann hat alles in diesem Universum dieselben Konstanten, weil es aus einem Ursprung kommt.
Im zeitlos existierenden Quantenvakuum dürften permanent Universen entstehen. Einige davon haben zufällig so günstige Bedingungen, dass darin Beobachter entstehen, die sich darüber wundern, dass ihr Universum genau die Bedingungen hat, die sie als Beobachter hervorbringen konnte. Die einzig sinnvolle Antwort auf diese Frage ist: Weil sie sonst nicht da wären ...
4. Meine These: Aus diesem von mir beschriebenen „Nichts“ kann auch wirklich nichts entstehen. Insofern, wenn man diese Voraussetzung gelten lässt, ist die reine Aussage: „Aus Nichts kann nichts entstehen.“ richtig oder aber auf jeden Fall nicht widerlegbar. Was aber auf keinen Fall bedeutet, und da bin ich voll bei Dir; dass deswegen eine Rechtfertigung auf Gottes Existenz abzuleiten ist.
Selbst wenn meine obigen Überlegungen alle falsch sind, und ein "absolutes Nichts" existieren kann (es existiert dann aber nicht in dem Sinne des Wortes ... Existenz ist immer an Eigenschaften gebunden, "Nichts" hat jedoch keine Eigenschaften), so kann sehr wohl etwas daraus entstehen, denn wie gesagt, "Von Nichts kommt nichts" ist eine Regel, die an Gegebenheiten und Eigenschaften gebunden ist (speziell daran, dass etwas existiert ...), und nichts davon ist in einem absoluten Nichts gegeben. Es kann in einem absoluten Nichts keine Regel geben, die es "verbietet", dass etwas daraus entsteht (unverursacht).
Aus "Nichts kann nichts entstehen" ist jedoch widerlegbar, genauer gesagt, es ist beweisbar falsch und steht im Widerspruch zu den Naturgesetzen! Messbar ist das anhand des Casimir-Effekts, der Entstehung von Materie/Energie aus dem Nichts. Das halten die meisten Menschen für unmöglich, ist aber eine der bizarren Beobachtungen aus der Quantenphysik. In der Quantenwelt geschehen noch viel merkwürdigere Dinge, wie Teilchen, die sich in der Zeit rückwärts bewegen, ursachenlose "Wirkungen", Wellen, die sich wie Teilchen verhalten und umgekehrt etc.
Nehmen wir einen leeren Raum, ein Vakuum. Nach dem Heisenbergschen Unschärfeprinzip ist es unmöglich, zu wissen, was darin vorgeht, vor allem lässt sich der Energiegehalt nicht präzise bestimmen. Würde man nun behaupten, dass in diesem Vakuum keine Energie enthalten ist, so würde dies das Unschärfeprinzip verletzten, nach dem man eine solche Aussage überhaupt nicht treffen kann! Man muss also in Grenzen zugestehen, dass der Energieerhaltungssatz nie zu 100% gültig sein kann, also enthält auch ein völlig leerer Raum immer Energie - und damit Materie (Energie und Materie sind letztlich dasselbe, sie sind als Begriff austauschbar). Woher kommt die? Na, aus dem Nichts, denn wir haben sie ja nicht hinzugefügt!
In der
Gesamtsumme enthält die Leere natürlich keine Energie. Das gilt auch für unser Universum: Die im Universum enthaltene Energie summiert sich auf zu 0 (plus/minus dem, was das Unschärfeprinzip erlaubt). Oder, anderes gesagt, dass Universum enthält exakt soviel Energie, wie man von einem Objekt erwarten würde, dass aus dem Nichts entstanden ist. Eine der vielen Eigenschaften, die unser Universum aus dem Nichts geerbt hat ...
5. Die Voraussetzung ist falsch. Die Theisten gehen davon aus, dass es dieses von mir beschrie-bene „Nichts“ gibt (und Du hast es nicht eindeutig definiert), doch das ist falsch – zumindest, was die Entstehung unsers Universums anbelangt. Egal, welche der wissenschaftlichen Theorien man sich ansieht, die Entstehung kam eben nicht aus den beschriebenen „Nichts“, sondern es war bereits etwas vorhanden, nämlich (mindestens) Energie. Damit entstand also das Universum nicht aus dem „Nichts“, sondern aus dieser Energie. Woher diese kam, da ist sich die Wissenschaft noch nicht einig aber auch das lässt keinen Schluss auf die Existenz von Gott zu. Gott bleibt bloße Behauptung.
Genau, das Universum entstand aus einem Quantenvakuum - das kommt einem Nichts so ähnlich wie nur möglich. Und die Energie kommt daher, dass es unmöglich ist, anzunehmen, dass es keine Energie enthält.
Es ist übrigens unplausibel, dass unser Universum alle Eigenschaften des Quantenvakuums hat, aber von Gott geschaffen wurde. Warum sollte Gott das Universum als eine "Erweiterung des Nichts" schaffen? Auch andere Eigenschaften wie Größe und Lebensdauer des Universums widersprechen einer Schöpfung.
6. Denn, zusammenfassend will ich damit sagen: Wenn dieses „Nichts“ nicht existiert hat, dann war schon immer „Etwas“ da und somit gibt es hier keinen Platz für Gott, weil er dieses dann nicht er-schaffen haben kann. Es gibt keine Unendlichkeit vor der Unendlichkeit.
Genau, das ist ein wichtiges Argument - wenn es "immer schon" ein Quantenvakuum gab, dass gab es auch "immer schon" etwas - und damit keinen Schöpfer von allem, das ist sogar logisch unmöglich.
Es ist unmöglich, dass ein Schöpfer des Universums existiert. Es kann auch kein "Schöpfer von allem" existieren - dazu hätte sich Gott selbst schaffen müssen, was auch Theologen für unmöglich halten. Gott kann auch nicht der Schöpfer "aller Eigenschaften" sein, weil er seine eigenen Eigenschaften nicht schaffen konnte. Und woher hat er überhaupt die Fähigkeit, etwas zu erschaffen?
7. Finde ich Deine Behauptung, wenn es kein Universum gibt, gibt es auch keine Naturgesetze; 1. nicht zwingend und 2. widersprüchlich. Denn 1.das ist doch noch gar nicht hinreichend erforscht und untersucht und 2. wenn etliche Wissenschaftler und Du selbst die Existenz einer Vielzahl von Universums für möglich und wahrscheinlich hält, dann könnte es auch sein, dass es dafür gültige Naturgesetze (Überuniverselle) gibt, die wir nur noch nicht kennen!?
Ich denke nicht, dass es widersprüchlich ist, aber ganz sicher ist es nicht zwingend. Und man kann ein "absolutes Nichts" auch nicht erforschen, nur feststellen, dass es
als Begriff selbstwidersprüchliche ist. Aber man setzt die Logik wieder voraus, wenn man behauptet, dass etwas, was selbstwidersprüchlich ist, auch nicht existieren kann ... Setzt man, wie Theisten es sehr oft tun, voraus, dass die Logik nicht für alles gilt, dann ist meine Erklärung sehr viel plausibler als ihre. Setzt man voraus, dass Logik immer gilt, ist sowohl ihr Gott als auch meine Erklärung aus dem "absoluten Nichts" heraus unmöglich - ich kann damit leben, weil ich eine alternative Erklärung habe, sie nicht.
Wenn es widersprüchlich ist, gibt es keinen Gott. Wenn es das nicht ist, ist meine Erklärung sehr viel plausibler, und ihre Erklärung scheitert an inneren Widersprüchen.
PS: Volker, noch eine Kritik: B. Russell hat einmal gesagt, dass eine Kombination aus Genauigkeit und Verständlichkeit unmöglich sei. Du möchtest gerne genau sein, was ich gut verstehe. Aber es gibt mindestens einen guten Grund dafür, auch verständlich zu sein, nämlich dass man Dich auch tatsächlich versteht, d.h. Dir auch folgen und die Dinge nachvollziehen kann.
Stimmt. Ich neige dazu, mich in meinen Argumenten immer sofort gegen mögliche Gegenargumente zu wappnen, bevor diese geäußert werden. Vielleicht sollte ich eher sagen: Ich stelle die Argumente dar, Deine Aufgabe (und nicht meine) ist es, die Gegenargumente zu entwickeln. Das würde vieles vereinfachen ...