Hallo Philipp,
da ich nur sehr selten und eher sporadisch hier mal reinschneie, habe ich Deinen Text und diesen Thread eben erst entdeckt, und so kommt meine Antwort erst spät - vermutlich zu spät.
Philipp hat geschrieben:Ich bin durch Zufall auf Deine Seite gestoßen und habe mir schon einige der von Dir verfaßten Texte durchgelesen. Zuerst wollte ich Dir eine E-Mail schreiben, aber ich denke, ein offener Brief als Eintrag in Deinem Forum ist angemessener.
Eigentlich ja, wenn ich öfters hier lesen würde. Eigentlich langweilen mich inzwischen diese Diskussionen.
Deine Argumentation ist zwar sehr ausgeklügelt, dennoch geht das, was Du schreibst, am Wesentlichen vorbei.
Die Kernfrage ist nämlich ganz simpel:
Glaubt man das, was uns Gott durch die Bibel mitteilt oder nicht?
Du glaubst nicht daran. Das ist zwar Deine Sache, aber als gläubiger Christ fühle ich mich verpflichtet, Dich davor zu warnen. Alle die Jesus bewusst nicht annehmen, haben den Weg zur Hölle selbst gewählt.
Weißt Du, die Fähigkeiten von Menschen, Argumente zu verstehen, darüber nachzudenken und ihnen zu folgen, ist meiner Erfahrung nach äußerst begrenzt. Es gibt kaum etwas, was so sehr zur Misere der Menschheit beiträgt.
Nun, Dein Ansatz trägt dem natürlich Rechnung, und ich nehme an, dass Du dies auch aus eigener Erfahrung tust. Da also Menschen nicht auf Argumente hören, muss man ihnen drohen. Da sie nicht per Argumenten zur Wahrheit kommen möchten, muss man sie, um ihre Meinung zu ändern, erpressen, oder sie suggestiv beeinflussen. Also ist es wirkungsvoller, statt zu argumentieren, gleich die Keule herauszuholen: Glaube mir, oder Du wirst ewigen Qualen in der Hölle ausgesetzt!
Nun hat sich die Wahrheit - das ist eine Erfahrung, die sich durch die Geschichte der Menschheit durchzieht - noch niemals über Drohungen verbreitet. Wer die Wahrheit auf seiner Seite hat, hatte bislang auch stets die besseren Argumente auf seiner Seite. Wahrheit braucht keine Drohungen, nur Falschheiten oder Lügen muss man so verbreiten. Das spricht also dafür, dass Du auf eine Falschheit oder Lüge hereingefallen bist.
In anderen Religionen, wie etwa dem Islam, verfährt man ebenso. Aber wenn Du der Höllendrohung des Islam Glauben schenken würdest, wärst Du kein Christ, sondern Muslim. Warum also glaubst Du zwar der Drohung des Christentums, aber nicht der des Islam? Der Islam hat schließlich auch einen Gott, und eine heilige Schrift.
Es gibt ja nur einen Grund dafür: Du bist als Kind schon vom Christentum beeinflusst worden. Wärst Du als Kind vom Islam indoktriniert worden, dann würdest Du den Christen ebenso drohen wie mir. Da es keine guten Gründe oder Argumente für das Christentum gibt, muss man Kinder beeinflussen und ihnen drohen, so simpel funktioniert das. Kinder lassen sich leicht beeindrucken, und wenn man ihnen das einmal eingepflanzt hat, hält das bei den meisten ein Leben lang. Es ist eine gute Absicherung dagegen, das Ganze einmal kritisch zu durchdenken. Furcht ist in diesem Fall der "Ratgeber", und es ist kein schlechter Ratgeber, denn es funktioniert ja, und Du bist ein gutes Beispiel dafür. Aber dass man Dir drohen musste, beweist eigentlich schon, dass Du auf eine Falschheit oder eine Lüge hereingefallen bist. Mehr muss man dazu eigentlich nicht wissen!
Dass Du aber mit Deiner Seite versuchst, andere vom Glauben abzubringen, ist besonders schlimm.
Lukas hat geschrieben:Er [Jesus] sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, daß keine Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! Es wäre besser für ihn, daß man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als daß er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt.
(Lukas 17, 1-2)
Warum verbreiten sich bestimmte Religionen besser als andere? Ganz einfach deswegen, weil sie den Leuten wirksam drohen. Aber eigentlich ist diese Drohung ziemlich lächerlich:
Da wird einem von einem liebenden Gott erzählt, der den Menschen so sehr schätzt, dass er ihm einen freien Willen gab - und wenn er davon Gebrauch macht, und nicht an diesen Gott glaubt, dann schickt Gott einen in die Hölle, zur ewigen Qual. Aber er liebt Dich ...
Wenn Du jemals in Deinem Leben wirklichen Bullshit gehört hast, dann doch wohl das. Aber Kindern fällt die Lächerlichkeit dieser Drohung nicht auf, sie glauben an den "lieben Gott", der sie so sehr liebt, dass er von ihnen diese Liebe nur mit der Drohung der Hölle erpressen kann. Und als Erwachsene kleben sie daran fest wie die Fliege auf dem Leim. Aber es gibt Leute, die sich nicht so leicht leimen lassen, und die diese Drohung durchschauen, als verzweifelten Versuch, eine Falschheit oder Lüge durchzusetzen. Früher hat man diese Leute - Atheisten - noch deswegen umbringen können, weil sie nicht bereit waren, alles zu glauben, nur weil es ihnen jemand mit einer starken Überzeugung erzählt hat. Aber, wie Nietzsche bemerkt hat, ist die Überzeugung ein schlimmerer Feind der Wahrheit als die Lüge.
Ich bin Atheist, der einzigen Autorität, der ich folge, ist die Wahrheit. In der Religion geht es meist darum, die Autorität zur Wahrheit zu erklären, statt die Wahrheit zur Autorität.
Denke daran, dass Du das, was Du für richtig hälst, auch nicht beweisen kannst, letztlich glaubst auch Du nur etwas.
Glauben im religiösen Sinne und der rational gerechtfertigte Glauben, dem ich folge, sind zwei gänzlich verschiedene Paar Stiefel. Nicht jeder Glauben ist völlig gleichwertig, wäre dem so, dann wäre Dein Glauben derselbe Unsinn wie jeder beliebige andere Glauben auch, und wer sich für Napoleon hält oder für ein Huhn, wäre nicht mehr und nicht weniger verrückt als der, der es nicht tut. Aber nichts wird dadurch wahr, dass man daran glaubt. Wahrheit folgt aus ganz anderen Prinzipien, und keines davon hat etwas mit religiösem Glauben zu tun, sondern mit einer rationalen Rechtfertigung von dem, was man glaubt. Aber alleine, dass Du mir drohen musst, zeigt, dass es mit der Wahrheit von dem, was Du sagst, nicht weit her sein kann.
Damit bin ich als Atheist natürlich schwer im Nachteil, weil es nichts gibt, womit ich Dir drohen oder Dich erpressen kann. Dass sich der Atheismus trotzdem so weit durchsetzen konnte, ist ein Wunder.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Wunsch, Christen von ihrem Glauben abzubringen, aus Deinem Herzen kommt. Befrage aufrichtig Dein Herz, was Du für richtig hälst, und bitte Gott darum, Dir die Wahrheit zu zeigen. Lies die Bibel nicht mit der Absicht, sie zu wiederlegen, sondern versuche, Gott darin zu finden.
Habe ich alles schon versucht - im Gegensatz zu den meisten Christen habe ich die Bibel gelesen, ganz, und zwar noch als Gläubiger, und mit ehrlichem Herzen Gott gesucht. Ich war nur nicht in der Lage, zu finden, was nicht da ist, und ich bin der Wahrheit gefolgt, wohin immer sie mich auch geführt hat. Isaac Asimov sagte einmal, dass die Bibel das beste Argument für den Atheismus ist, das je ersonnen wurde, insofern kann ich den Rat, die Bibel wirklich zu lesen, nur zurückgeben - und zwar ganz, nicht nur in Auszügen.
Und vielleicht hilft Dir dabei dieser Link:
Zeitgeist - der Film, speziell der erste Teil. Der Film zeigt, worum es bei der Geschichte mit Jesus wirklich geht (leider alles auf Englisch).